Dornbirner Schüler mussten sich für einmal nicht an Rechtschreibregeln halten

VN / 23.05.2023 • 10:00 Uhr
Die Ergebnisse wurden in der Gruppe vorgetragen. <span class="copyright">LCF</span>
Die Ergebnisse wurden in der Gruppe vorgetragen. LCF

Zweitklässler der VS Oberdorf tauchten in die Welt der Wörter und Geschichten ein.

Dornbirn Klemmbrett und Baumstamm statt Heft und Schulbank – die Schüler der 2A-Klasse der Volksschule Dornbirn Oberdorf tauschten kürzlich das Klassenzimmer gegen den Zanzenberg. Unter freiem Himmel und mit Blick auf ganz Dornbirn erlebten sie den Auftakt des Projektes „Gestern. Heute. Morgen“. Zweieinhalb Schuljahre lang werden sich die Volksschüler mit dem Entdecken und Finden von Wörtern und Geschichten beschäftigen. In drei Schreibwerkstätten pro Jahr tauchen sie mit der Lustenauer Autorin Nadine Bösch in die Welt der Sprache, Wörter und Wortspiele ein.

Das Projekt startete für die Schüler mit einer Schreibwerkstatt am Zanzenberg. <span class="copyright">LCF</span>
Das Projekt startete für die Schüler mit einer Schreibwerkstatt am Zanzenberg. LCF

Eigene Wortkreationen

Erste Station war der Zanzenberg, wo sich die Zweitklässler mit dem „Jetzt“ auseinandersetzten. Dabei galt es, unter anderem den Satzanfang „Heute bin ich …“ möglichst kreativ und mithilfe von Wortkreationen fertigzustellen. „Wir durften neue Wörter erfinden und kleine Gedichte schreiben. Mir ist zum Beispiel ‚Lurm der Wurm im Turm‘ eingefallen“, erzählt Elba, 8 Jahre. Nach einem Input von Nadine Bösch verteilten sich die Kinder mit ihren Klemmbrettern auf dem Zanzenberg und konnten ihrem Schreibfluss freien Lauf lassen.

Autorin Nadine Bösch möchte den Kindern vor allem die Freude am Schreiben vermitteln.
Autorin Nadine Bösch möchte den Kindern vor allem die Freude am Schreiben vermitteln.

Anschließend durfte, wer wollte, seine Sätze und Wortkreationen im Sitzkreis vorlesen. „Ein Text ist etwas sehr Persönliches – meistens will er raus. Kinder, die ihre Texte nicht vorlesen möchten, müssen dies aber nicht“, betont Nadine Bösch. Die Kinder sollen Spaß am Schreiben haben und sich frei fühlen – Rechtschreibregeln, die in der Schule gelten, sind hier nicht relevant. „Den über allem schwebenden Rotstift gibt es hier nicht“, so Nadine Bösch.

Spaß am Schreiben

Die zweite Schreibwerkstatt fand in der Stadtbibliothek Dornbirn statt, wo es sich die Kinder in der ganzen Bibliothek mit ihren Schreibutensilien gemütlich machten. „Es ist schön, dass die Kinder das Schreiben in einem anderen Kontext als in der Schule erleben dürfen“, so Klassenlehrer Christian Winsauer, der seine Schüler während des Projektes begleitet. Diesmal schrieben die Kinder ihre Gedanken zu den Themen „In meinem Kopf und in meinem Herzen wohnt …“ sowie „Meine Hand schreibt …“ nieder. „Die Zeit ist so schnell vergangen wie noch nie. Es hat richtig Spaß gemacht, auch weil man nicht alles gut können muss, sondern einfach drauflosschreiben darf“, fand Lucia, sieben Jahre.

Volle Konzentration beim Schreiben.
Volle Konzentration beim Schreiben.

Die dritte Schreibwerkstatt, bei der die Kinder Elfchen schrieben, fand wetterbedingt in der Schule statt. Als Nächstes stehen zwei Kreativworkshops auf dem Programm, in deren Rahmen Kulturvermittlerin Christa Bohle die Kinder in die Welt des händischen Drucks einführt.

Die Mädchen hatten sich Gedanken gemacht zum Thema „In meinem Herzen wohnt …“.
Die Mädchen hatten sich Gedanken gemacht zum Thema „In meinem Herzen wohnt …“.

Eigene Druckwerke

Initiiert wurde das auf drei Jahre ausgelegte Projekt „Gestern. Heute. Morgen. Über das Entdecken und Finden von Wörtern und Geschichten“ von Lukas Bildstein, Papa einer der Schülerinnen der 2A-Klasse. „Meine Tochter Ida schreibt sehr gerne. Im Rahmen einer Schreibwerkstatt im W*ORT in Lustenau entstand im Gespräch mit Gabi Hampson die Idee, ein Schreibprojekt mit der ganzen Klasse durchzuführen. Dank einer Förderung von Double Check konnten wir das Projekt in die Tat umsetzen“, erzählt Lukas Bildstein, einst selbst Schüler an der Volksschule Oberdorf.

In der Schreibwerkstatt gilt nur die eine Regel, dass es beim Schreiben keine Regeln gibt.
In der Schreibwerkstatt gilt nur die eine Regel, dass es beim Schreiben keine Regeln gibt.

Neben dem W*ORT konnte das Druckwerk Lustenau als Projektpartner gewonnen werden. Aktuell sichten die Projektverantwortlichen die bisher entstandenen Texte, suchen einen pro Schüler aus und lassen eine Zeitung drucken, die noch vor den Ferien im Rahmen eines Präsentationsnachmittags in der Stadtbibliothek vorgestellt wird.

Heuer stehen noch zwei Kreativworkshops auf dem Programm.
Heuer stehen noch zwei Kreativworkshops auf dem Programm.

Stand in diesem Schuljahr das „Heute“ im Fokus, werden sich die Schüler ab Herbst mit dem „Gestern“ beschäftigen. Im dritten Projektjahr – wenn der Abschied von der Volksschule naht – widmen sie sich dem „Morgen“. LCF

Wer den Ball auffing, durfte sagen, warum er/sie sich aufs Wochenende freute.
Wer den Ball auffing, durfte sagen, warum er/sie sich aufs Wochenende freute.
Manche Kinder taten sich zu kleinen Gruppen zusammen.
Manche Kinder taten sich zu kleinen Gruppen zusammen.