Hitzige Diskussion im Landtag: Wie soll es mit der Schulsozialarbeit weitergehen?

Die Sozialarbeit an Schulen ist ein Thema, das bewegt.
APAEs muss etwas passieren, nur die Umsetzung führt zu Streit.
Bregenz In einem waren sich alle Landtagsabgeordneten einig: Das Thema ist wichtig und muss angegangen werden. Doch endete die Diskussion im Landtag über die aktuelle Situation bei der Schulsozialarbeit eher in persönlichen Anfeindungen.
Manuela Auer (SPÖ), Sabine Scheffknecht (Neos) und Andrea Kerbleder (FPÖ) hatten die Anfrage zur Schulsozialarbeit gestellt. Das Ergebnis: An den Bundesschulen gibt es kein gutes und niederschwelliges Angebot für die psychosoziale Betreuung der Schüler. Im Sommer hatte die Bundesregierung Angebote abgeschafft. “Das war ein Fehler”, bestätigte auch Veronika Marte von der ÖVP. “Wir müssen ein niederschwelliges Angebot schaffen”, forderte Scheffknecht. Depressionen, Suizidgedanken, Drogen- und Suchtprobleme seien unter Schülern weit verbreitet. “Es ist Gefahr im Verzug.” Und die Eindämmung der Corona-Pandemie habe diese Probleme noch verschärft.
In diesem Punkt wollte auch niemand widersprechen. Einzig über die Art und Weise, wie die Aufgabe angegangen werden soll, herrschte zwischen den Regierungsparteien und der Opposition Uneinigkeit. ÖVP und Grüne hatten Anfang der Woche einen gemeinsamen Antrag eingereicht, der zunächst eine Evaluierung der aktuellen Lage an den Schulen bis Sommer 2024 vorsieht. Den Oppositionsparteien kann es aber gar nicht schnell genug gehen.
Kerbleder fordert sofortiges Handeln
“Dass wir an den Bundesschulen seit einem Jahr keine Schulsozialarbeit haben, ist ein riesengroßes Armutszeugnis für das Land Vorarlberg”, sagte Kerbleder im Parlament. “Wenn wir jetzt nicht reagieren, werden die Folgekosten sehr viel höher sein.” Ihre Forderung an die Regierung: “Kommen Sie jetzt ins Tun, damit ab Herbst das nötige Angebot zur Verfügung steht.”
Verfolgt wurde die anschließende Diskussion von zahlreichen Zwischenrufen, es wurde unruhig im Parlament und der Landtagspräsident Harald Sonderegger musste mehrmals eingreifen. Vor allem auf Eva Hammerer, Klubobfrau der Grünen, hagelte es Kritik von den Oppositionsparteien. “Heute ist für mich die Steigerung von Sarkasmus Hammerer”, sagte Scheffknecht beispielsweise. Die Grünen-Politikerin unterstellte der Opposition derweil, nur beleidigt zu sein, weil sie nicht Teil des Antrags seien.

Zur Sachlage betonte Wiesflecker, dass es nur mit dem Ausbau der Schulsozialarbeit nicht getan sei, sondern es um die drei Säulen pädagogische Beratung, Schulsozialarbeit und Schulpsychologie gehe. Stattdessen befürwortet sie, die Situation differenziert zu betrachten, da Schulen unterschiedlichen Bedarf hätten. Schöbi-Fink ergänzte zudem, dass für Bundesschulen zwei Stellen als Sozialarbeiter ausgeschrieben wurden. Eine wurde bereits besetzt und eine andere stehe kurz davor. Sie korrigierte zudem den Vorwurf, dass es für die 32 Bundesschulen in Vorarlberg nur einen Schulpsychologen gebe. Denn es seien 13 für alle Schularten plus zwei exklusiv für die Bundesschulen. Davon ist allerdings derzeit nur eine Stelle besetzt.
Abschließend stellte Roland Frühstück von der ÖVP klar: “Eine Umsetzung von heute auf morgen geht nicht. Wir brauchen einen Stufenplan, der ordentlich vorbereitet ist und damit beginnen wir sofort.”
Gute Lage im Pflichtschulbereich
Besser ist die Lage übrigens im Pflichtschulbereich. Ein niederschwelliges Angebot liegt vor, das auf den drei genannten Säulen aufgebaut ist. “Für Pflichtschulen stehen nach den uns vorliegenden Informationen insgesamt 23 Vollzeitäquivalente an Stellen für die Schulsozialarbeit zur Verfügung”, antworteten Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink und Landesrätin Katharina Wiesflecker auf die Anfrage. Davon werden 13 Stellen vonseiten der Vorarlberger Landesregierung zu 100 Prozent aus Mitteln des Sozialfonds finanziert. Demnach wurden die Ressourcen verdoppelt und das Budget um 70 Prozent angehoben.