Pietätlos, aber wahr: „Selbstbedienung“ auf Friedhöfen

VN / 19.04.2023 • 18:15 Uhr
Friedhof Blumenstraße in Bregenz: Hier wurde kürzlich aus unerklärlichen Gründen eine Schiefersteinplatte von einem Grab gestohlen. <span class="copyright">vn/gs</span>
Friedhof Blumenstraße in Bregenz: Hier wurde kürzlich aus unerklärlichen Gründen eine Schiefersteinplatte von einem Grab gestohlen. vn/gs

Am Beispiel Bregenz: Respektlose Diebe und Vandalen schrecken auch vor den letzten Ruhestätten nicht zurück.

Bregenz „Nachricht an den Menschen, der sich dringend untersuchen lassen sollte! Bring die bedruckte Schiefersteinplatte auf den Friedhof Blumenstraße/Bregenz zurück! Du weißt genau welches Grab. …Wenn nicht – das möchtest du nicht wissen!“

Worte voller Zorn, in den vergangenen Tagen geschrieben von einem Bregenzer in den sozialen Medien. Ebendort sorgte die Mitteilung für eine Welle der Empörung. „Am Maria Hilf dekoriert einer immer die Gräben um“, heißt es unter anderem in den Kommentaren. Der Geschädigte selbst, der in den VN zwar nicht namentlich genannt werden will, teilte ihr jedoch mit: „Das Problem ist der Stadt Bregenz bekannt.“

Angekettete Gießkannen können per Münzeinwurf entnommen werden. <span class="copyright">vn/gs</span>
Angekettete Gießkannen können per Münzeinwurf entnommen werden. vn/gs

Gießkannen-Klau

So sei es auf den Bregenzer Friedhöfen immer wieder zum Diebstahl von städtischen Gießkannen der Friedhofsverwaltung gekommen. „Man kann beim Friedhof für einen Euro eine ausleihen.“ Doch wird sie auch zurückgebracht? Die Gießkannen sind angekettet und können über Münzeinwurf gelöst werden. „Da wurden die Einwurfschlitze schon mit Silikon zugeklebt“, empört sich der Betroffene.

„Es ist traurig, aber wahr, dass mir beim Friedhof Maria Hilf fast jede Woche Blumen, Schalen und Deko-Engel gestohlen und demoliert werden, wie es jetzt wieder der Fall war. Dem- oder denjenigen soll es Glück bringen, dass sie einen Toten bestehlen, und ich kann nur sagen, sie sollen sich dafür schämen“, schrieb eine Bregenzerin an die VN.

Ein Hinweis beim Friedhof Blumenstraße warnt vor strafrechtlicher Verfolgung. <span class="copyright">vn/gs</span>
Ein Hinweis beim Friedhof Blumenstraße warnt vor strafrechtlicher Verfolgung. vn/gs

“Traurige Wahrheiten”

Die VN fragten bei der Verwaltung der Bregenzer Friedhöfe Mariahilf-Vorkloster und St. Gallus-Blumenstraße nach. Tatsächlich komme es immer wieder zu Meldungen über „traurige Wahrheiten“ wie Diebstähle und Vandalismus. Pietätlose Langfinger würden etwa zu Deko-Engeln, Bepflanzungen und Blumen greifen. Seitens Martin Rainer von der Friedhofverwaltung hieß es, dass es diesbezüglich beim Friedhof Blumenstraße noch „relativ ruhig“ zuginge.

Friedhof Maria Hilf im Bregenzer Vorkloster: Hier mussten bereits Überwachungskameras installiert werden. <span class="copyright">Vn/gs</span>
Friedhof Maria Hilf im Bregenzer Vorkloster: Hier mussten bereits Überwachungskameras installiert werden. Vn/gs

Überwachungskameras

Mehr ein Hotspot der Taktlosigkeit sei aber der Friedhof Maria Hilf im Vorkloster. Allerdings weniger hinsichtlich von Diebstählen, sondern mehr wegen Vandalismus. Hier stünden vor allem die Toilettenanlagen im Visier von mutwilligen Zerstörern. Deshalb seien hier bereits drei Überwachungskameras installiert worden.

Diebstähle und Grabschändungen

Meldungen über Vandalenakte auf Friedhöfen werden von der Polizei immer wieder mitgeteilt. Zu einem der gravierendsten Vorfälle kam es im Jahr 1999 in Lauterach. Unbekannte Täter verwüsteten damals ganze Teile des Friedhofs und beschädigten elf Gräber. Blumen und Holzkreuze wurden ausgerissen und auf die Gräber geworfen und Grablampen beschädigt. Von den Tätern fehlt bis heute jede Spur.

Besonders gravierender Fall von Grabschändung: Im Jahr 1999 wurde auf dem Lauteracher Friedhof gewütet, elf Gräber sind beschädigt worden. <span class="copyright">VN/HB</span>
Besonders gravierender Fall von Grabschändung: Im Jahr 1999 wurde auf dem Lauteracher Friedhof gewütet, elf Gräber sind beschädigt worden. VN/HB

Weihwasserkessel als Beute

Auf den Diebstahl von Weihwasserkesseln auf Friedhöfen hatten sich im Mai des Vorjahres unbekannte Täter im Bregenzerwald spezialisiert. Dort schraubten sie nicht nur auf dem Friedhof von Egg-Großdorf einen Weihwasserkessel von einem Grab ab, sondern begingen dasselbe Delikt auch auf dem Lingenauer Friedhof.

Zu Geldstrafen verurteilt

Sie rissen auf dem Friedhof in Sulz Kreuze aus, warfen Grabsteine um und spielten mit Weihwasserkesseln und Grablichtern Fußball. Doch diesmal wurden die Täter ausgeforscht. Es handelte sich um drei Jugendliche, die später die Rechnung dafür am Landesgericht Feldkirch präsentiert bekamen.

“Bsoffene Gschicht”

Als Motiv gaben die jungen Angeklagten an, bei der Tat „sturzbesoffen gewesen“ zu sein. Die Richterin verurteilte die verwerflichen Taten aufs Schärfste und brummte den drei Tätern teilbedingte Geldstrafen zwischen 480 und 600 Euro auf. Außerdem mussten sie den entstandenen Schaden von über 1000 Euro wiedergutmachen.