Ordination geschlossen: Mit drei Anliegen in Pension

Gynäkologe Hans Concin schloss jetzt auch seine Ordination.
Hörbranz Am 31. März 2012 ging er als Primar der Gynäkologie und Geburtshilfe im Landeskrankenhaus Bregenz in Pension. Zum gleichen Termin, nur elf Jahre später, schloss Hans Concin auch die Türen seiner Ordination.
Das Datum nennt er Zufall. „Ich bin im März 76 geworden, das erschien mir der richtige Zeitpunkt um aufzuhören“, erklärt er seinen endgültigen Schritt in den Ruhestand nach langer Arzttätigkeit. So endgültig ist der Abschied allerdings doch nicht. Drei Anliegen hindern ihn daran, sich gänzlich aufs Altenteil zu setzen. Das sind zum einen die Bemühungen um die Realisierung einer Privaten Medizinuniversität im Land und zum anderen das Projekt der Asthma- und Allergievorbeugung für Schwangere und Säuglinge mittels Bauernhof-Effekt sowie die Suche nach einer Lösung für die Hostenkamp-Nachfolge. Uneingeschränkt Vorrang hat ab sofort jedoch die Familie. Hans Concin freut sich auf mehr Zeit mit seiner Frau, seinen Töchtern und den zwei Enkelkindern.

Ein bisschen fürchtete sich der gebürtige Bludenzer schon davor, alles hinter sich zu lassen. „Die Medizin hat mich ab dem Studium geprägt. Sie war praktisch mein Lebensinhalt. Man gibt viel, bekommt aber auch viel an Dankbarkeit und Anerkennung zurück. Da hätte es durchaus sein können, dass emotional etwas fehlt“, spricht Hans Concin offen über seine Befürchtungen. Sie bewahrheiteten sich nicht: „Es geht mir gut, und ich genieße meine Freiheiten“, resümiert er knapp drei Wochen nach seinem beruflichen Rückzug. Das Strahlen im braungebrannten Gesicht unterstreicht die Empfindungen.

Frauengesundheit
Die Frauengesundheit war Hans Concin immer besonders wichtig. Nicht weniger als 29 Jahre leitete er die Gynäkologie und Geburtshilfe im LKH Bregenz, erlebte dabei mehr als 31.000 Geburten. „Die Gynäkologie ist das schönste medizinische Fach, weil wir viel mehr mit dem Leben als mit Krankheit zu tun haben“, stellte er einmal fest. Dabei blieb es. Die Übernahme eines Primariats stand in der Karriereplanung indes nicht an erster Stelle. Erst auf Drängen von Univ. Prof. Sepp Leodolter befasste er sich ernsthaft mit diesem Gedanken. Als eines im damals noch städtischen Krankenhaus Bludenz frei wurde, war Concin 34 und seiner Einschätzung nach noch „zu grün hinter den Ohren“. Zwei Jahre später, man schrieb 1983, klappte es dann in Bregenz.

Noch während des Studiums kam Hans Concin mit dem Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) in Kontakt, und zwar über den damaligen Primar der Gynäkologie im Krankenhaus Bludenz, Werner Albrich, unter dessen Fittichen der angehende Jungarzt famulierte. Albrich leitete damals beim aks das Frauenprogramm. Später übernahm Hans Concin diese Aufgabe ebenso wie die Leitung der aks-Wissenschaft. Nachdem es über diese Schiene immer auch Kontakte in die internationale Wissenschaftsszene gab, zog es Concin nie ins Ausland. Besonders stolz ist er auf die beim aks in jahrelanger ehrenamtlicher Tätigkeit aufgebaute Gesundheitsdatenbank. Sie zählt inzwischen zu den weltweit größten, und noch immer sind Daten daraus für internationale Studien gefragt. Dazu kommen noch zahlreiche Publikationen in Top-Journalen.
Hinter Hans Concin liegt ein erfülltes Berufsleben, vor ihm ein ebensolches Familienleben. „Ich werde es genießen“, bekräftigt er mit fester Stimme. Einziger Wermutstropfen: Er fand keine Nachfolge für die Ordination.

Zur Person
Primar a.D. Dr. Hans Concin
Alter: 76
Werdegang: Studium der Humanmedizin, 29 Jahre Leiter der Gynäkologie und Geburtshilfe im LKH Bregenz, gynäkologische Praxis in Bregenz, Leiter der aks-Wissenschaft
Familienstand: verheiratet, 2 Töchter, 2 Enkelkinder
Hobbys: Skifahren, Radfahren, Reisen mit genetisch bedingter Italien-Verliebtheit
Wohnort: Hörbranz
