Landesveterinär: „Fall im Oberland ist ein krasser Sonderfall”

Skandalöse Tierhaltung auf Hof im Bezirk Feldkirch führt zur unverzüglichen “Delogierung” der Tiere.
Feldkirch Sie brachte den Stein ins Rollen: Sandra Pfister alias Sandy P. Peng, Vorarlberger Aktivistin des Vereins gegen Tierfabriken (VGT). Und sie hält sie einfach für unmöglich, diese Missstände in diesem landwirtschaftlichen Betrieb im Bezirk Feldkirch: Rinder mit eingefallenen Körpern, die auf Müllbergen aus Silofolien und Plastikschnüren und Kotplatten dahinvegetieren und krank wirken, ein Gülle-See vor dem Stall, einsame Hunde im Zwinger. Und ein totes Rind, das mit dem Kopf und Hals in den Metallstangen festzustecken scheint.

„Es sind verschiedene Meldungen von Anrainern auf mich zugekommen, dass es dort schon länger ungut zugeht“, so Peng am Mittwoch gegenüber den VN. Bilder und Videos von Anrainern sorgten für den „totalen Schock“, sagt die Aktivistin. „Wir haben die Unterlagen zur Überprüfung der Rechtsabteilung des VGT übergeben. Es wurde sofort Anzeige bei der zuständigen Behörde erstattet.“
Der Stall soll mittlerweile von den verantwortlichen Besitzern verkauft worden sein. Doch was mit den Tieren passieren soll, sei unklar. Man fordere eine sofortige Tierabnahme.
“Eine Vorgeschichte”
Der Feldkircher Bezirkshauptmann Herbert Burtscher bestätigte auf Anfrage den VN, dass dieser Betrieb „bereits eine Vorgeschichte hat.“ Burtscher: „Wir haben den Hof am Mittwochvormittag kontrolliert. Alles, was der VGT aufdeckte, können wir bestätigen.“
Aufgrund mehrerer, wiederholter und deutlicher Verstöße gegen die Tierhaltungsvorschriften war es laut Landesveterinär Norbert Greber unumgänglich, einem landwirtschaftlichen Tierhalter im Oberland seine am Hof gehaltenen Rinder durch die zuständige Tierschutzbehörde abzunehmen und vorübergehend in der Sammelstelle Dornbirn-Schoren unterzubringen.

Anzeige bereits vor einem Jahr
Bereits im Sommer des Vorjahres wurden durch die Veterinärbehörde Mängel in der Tierhaltung am betroffenen Betrieb festgestellt und zur Anzeige gebracht. Dem hierauf vom Amtstierarzt erteilten Verbesserungsauftrag kam der Landwirt in weiterer Folge nach, wie sich bei der anschließenden Nachkontrolle ergab.

Im Zuge einer veterinärbehördlichen Nachkontrolle Ende März 2023 kamen erneut Mängel in der Tierhaltung am betroffenen Betrieb zutage. Diese Mängel behob der Tierhalter entsprechend dem behördlichen Verbesserungsauftrag unverzüglich, doch wurden bei einer erneuten Nachkontrolle wiederum deutliche Verstöße gegen die Tierhaltungsvorschriften von der Amtstierärztin festgestellt. Im Hinblick darauf war die zuständige Tierschutzbehörde gehalten, dem Tierhalter seine derzeit zehn Rinder abzunehmen und vorübergehend in der Sammelstelle in Dornbirn-Schoren unterzubringen. Die behördliche Unterbringung der Tiere erfolgt vorübergehend für die Dauer von längstens acht Wochen, bis eine ordnungsgemäße Tierhaltung am Hof des Landwirtes sichergestellt oder eine anderweitige Unterbringung der Tiere gewährleistet werden kann.

Laut Landesveterinär Greber handelt sich bei diesem Fall um einen krassen Sonderfall. Im Interesse des Tierwohles und um Gefährdungen der Tiere hintanzuhalten, aber auch um die Vielzahl an Landwirtschaftsbetrieben mit artgerechter Tierhaltung vor Pauschalverdächtigungen zu schützen, ist ein konsequentes Vorgehen der Tierschutzbehörde notwendig.
Hosp (FPÖ) fordert Aufklärung
Nach der Veröffentlichung der erschütternden Bilder über die untragbaren Zustände in dem Stallgebäude fordert FPÖ-Tierschutzsprecherin Nicole Hosp volle Aufklärung über die Begleitumstände dieser offenkundigen Verstöße gegen die Tierhaltungsvorschriften, die umgehend eingestellt gehören. „Ich erwarte mir hier von ÖVP-Landesrat Gantner eine umfassende Information und Aufklärung über diesen Tierleid-Fall. Klar muss sein, dass solche Zustände in unserem Land keinesfalls toleriert werden“, stellt Hosp klar. Die FPÖ-Abgeordnete verweist auf die gemeinsame Zielsetzung, Vorarlberg zum Tierschutzland Nummer eins zu machen. „Wenn wir dieses Ziel erreichen wollen, dann müssen solche Fälle verhindert werden. Dabei geht es nicht nur um die Gewährleistung eines funktionierenden Tierschutzes, sondern auch um den Schutz unserer landwirtschaftlichen Betriebe, die unter Einhaltung des Tierschutzes geführt werden. Jene, die die Auflagen erfüllen, müssen geschützt werden, die ‚schwarzen Schafe‘ schaden dem gesamten Berufsstand und müssen zur Verantwortung gezogen werden“, betont Hosp.

Grüne empört
Auch die Tierschutzsprecherin der Grünen, Nadine Kasper, zeigt sich empört: „Niemand will, dass Tiere solches Leid erfahren. Das ist nicht zu tolerieren. Tierwohl muss in der Landwirtschaft an erster Stelle stehen. Wenn es zu derartig verstörenden Zuständen auf Höfen in Vorarlberg kommen kann, dann brauchen wir schneller eingreifende Behörden!“, stellt sie klar und bedankt sich beim VGT für sein engagiertes Vorgehen.
Auch Landwirtschaftssprecherin Christine Bösch-Vetter ist besorgt: „Derartige Bilder zeigen nicht nur die untragbare Qual der Tiere auf, sondern leider auch die oft große Belastung und Überforderung der Bewirtschaftenden. Der wirtschaftliche Druck, die hohe Eigenverantwortung und die tagtägliche harte, körperliche Arbeit führen bei Bauern und Bäuerinnen oftmals zu großen psychischen Belastungen“, so Bösch-Vetter. Das sei keine Entschuldigung für die massiven Verfehlungen in der Tierhaltung, zeige jedoch auf, dass es noch bessere Hilfsangebote und Kriseninterventionen für Bäuerinnen und Bauern braucht.
