ATIB nimmt neuen Anlauf für Gebetshaus in Hörbranz

Türkisch-islamischer Verein will in Wohngebiet bauen – Anrainer sorgen sich um Lebensqualität.
Hörbranz In Friedl Matt (83) werden Erinnerungen wach. 2015 hatte der Pensionist Unterschriften gegen ein geplantes ATIB-Gebetshaus in unmittelbarer Nachbarschaft gesammelt. Die Anrainer traten geschlossen gegen die Pläne auf. Schließlich schoben Behörden dem Bauvorhaben mitten im Wohngebiet einen Riegel vor. Jetzt soll es an der Allgäustraße einen neuen Anlauf geben. Erste Gespräche zwischen dem türkisch-islamischen Verein und der Gemeinde haben bereits stattgefunden.

Friedl Matt sitzt vor einem blauen Aktenordner. Akribisch hat der Hörbranzer alle Bescheide zum geplanten ATIB-Vereinshaus abgelegt. Jetzt holt ihn und seine Nachbarn die Vergangenheit ein. Zwischen Einfamilienhäusern könnte das Bauvorhaben des türkisch-islamischen Vereins doch noch verwirklicht werden. “Wir haben sicherlich nichts gegen den Verein und deren Mitglieder. Aber hier direkt im Wohngebiet – das ist einfach der falsche Platz”, sorgt sich Matt um sein Gartenidyll. Verkehr und Lärm sind den Anrainern ein Dorn im Auge.

Gemeinde und Verein halten sich auf VN-Anfrage bedeckt. Bürgermeister Andreas Kresser bestätigt Vorgespräche, verweist gleichzeitig auf die Zuständigkeit der Bezirkshauptmannschaft als Behörde. Etwas konkreter äußert sich ATIB-Hörbranz-Obmann Fatih Göceci. Man habe die Arbeit an den Plänen wieder aufgenommen und das Vorhaben an die Gemeinde herangetragen. Es soll demnach einen neuen Anlauf am selben Standort geben. Das alles sei noch sehr frisch. Zu früh, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Details nennt Göceci keine. “Wir haben das Projekt nie aufgegeben und sind dabei, es so anzupassen, dass es von allen Seiten akzeptiert werden kann.” Die Suche nach alternativen Standorten war demnach nicht von Erfolg gekrönt. Man habe sich andere Projekte angschaut, vieles probiert, aber nichts habe geklappt, sagt Göceci. Aus den Fehlern der Vergangenheit will man gelernt haben. Offen und transparent sollen die Pläne für das Gebetshaus an der Allgäustraße vorangetrieben werden. Die Bevölkerung solle dann frühzeitig informiert werden.

Gesprochen wurde bisher mehr hinter verschlossenen Türen wie jener des Hörbranzer Gemeindeamtes. Bei den Anrainern weckt das wenig Vertrauen. Man sei vor acht Jahren regelrecht überrumpelt worden. Friedl Matt beschreibt eine Art Nacht-und-Nebel-Aktion. Vor allem die Dimension des Vorhabens hatte im Dorf für Unmut gesorgt. Fünf Geschosse, davon drei über Straßenhöhe, sollten entstehen. Die jeweils über 200 Quadratmeter großen Veranstaltungs- und Gebetsräume hätten Platz für über 100 Besucher geboten. Der Haken: Die Pläne sahen lediglich 23 Parkplätze vor.

Der Verein ATIB – Türkisch-islamische Union für kulturelle Zusammenarbeit sucht in Hörbranz schon deutlich länger nach einem geeigneten Standort für sein Vereinsgebäude. Bereits 2008 gab es konkrete Baupläne für ein vergleichbares Projekt an anderer Stelle. Auch dort war ATIB schließlich aufgrund der Verkehrs- und Lärmproblematik gescheitert.
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Der Verkehr und die ungelöste Parkplatzsituation werden auch jetzt wieder zur Hürde – auch wenn Details zum Vorhaben noch gar nicht bekannt sind und erst zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich werden sollen. “Wir sorgen uns um die Wohn- und Lebensqualität. Daran hat sich nichts geändert. Das ist heute wie vor acht Jahren der Fall”, sagt Friedl Matt und ergänzt. “Wenn es etwas Positives gab, dann war es die Geschlossenheit unter den Anrainern.” Auch daran habe sich nichts geändert, versichert der Pensionist.