So viel Kokain wird in der Vorarlberger Hofsteig-Region konsumiert

VN / 23.03.2023 • 17:15 Uhr
<p class="caption">Kokain ist unter den Stimulanzien die umsatzstärkste Droge in Österreich. <span class="copyright">symbol/dpa</span></p>

Kokain ist unter den Stimulanzien die umsatzstärkste Droge in Österreich. symbol/dpa

Abwasseranalyse der Universität Innsbruck zeigt einige der Drogen-Hotspots in Österreich auf.

Schwarzach, Innsbruck Es nennt sich „abwasserbasiertes Drogenmonitoring“ und wird in ganz Europa praktiziert. In Österreich liefert seit dem Jahr 2016 das forensisch-toxikologische Labor am Institut für Gerichtliche Medizin bei der Uni Innsbruck die Analysen.

Das Abwasser der Kläranlagen zeigt im Reagenzglas der Labore, in welcher Region von der Bevölkerung was für Suchtmittel und wie viel davon konsumiert werden.

Ein Einwohner aus einer der 17 untersuchten Regionen trinkt im Schnitt täglich ein Glas Wein, raucht vier Zigaretten und konsumiert 0,07 Joints sowie rund ein Milligramm an aufputschenden Drogen

Herbert Oberacher

Im Jahr 2022 wurden in Österreich die Abwässer von 17 Kläranlagen von insgesamt rund 200 Gemeinden analysiert. In Vorarlberg wurde der Wasserverband Hofsteig (ARA Hard) für die Proben ausgewählt. Zu den Hofsteiggemeinden zählen Hard, Lauterach, Wolfurt, Schwarzach, Bildstein und Buch.

Die ARA Hard Kläranlage (Wasserverband Hofsteigt) lieferte die Proben für das Drogenmonitoring. <span class="copyright">ARA Vorarlberg/Runge</span>
Die ARA Hard Kläranlage (Wasserverband Hofsteigt) lieferte die Proben für das Drogenmonitoring. ARA Vorarlberg/Runge

Allerdings gilt dabei zu beachten, dass der Wasserverband Hofsteig seit 1977 auch die Gemeinden Höchst, Fußach und Lustenau umfasst. Gaißau ist zwar kein reguläres Verbandsmitglied, leitet aber seit 1998 sein Abwasser ebenfalls in die Anlage.

Bundesweit auf Platz vier

Die nun aktuell von der Uni Innsbruck präsentierten Ergebnisse für das Jahr 2022 zeigen für die Vorarlberger Hofsteig-Region ein ernüchterndes Bild: So liegt die Menge des Kokainkonsums in der Bevölkerung hier bundesweit auf Platz vier. Am meisten „geschnupft“ wird in Kufstein. Dahinter liegen Wien und Innsbuck.

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Und doch war bezüglich des Kokainkonsums ein Rückgang in den Gemeinden des Wasserverbands Hofsteig zu verzeichnen. Und zwar um beinahe neun Prozent gegenüber 2021. So kam es hier 2022 zu einer Pro-Kopf-Konsumation von 0,32 Gramm Kokain pro tausend Personen, 2021 waren es noch 0,35 Gramm.

Bei dem Rauschmittel Cannabis ging der Konsum in dieser Vorarlberger Region im Vergleichszeitrum sogar um über 46 Prozent zurück.

Herbert Oberacher ist der Studienleiter der Abwasseranalyse an der Universität Innsbruck. <span class="copyright">Med Uni</span>
Herbert Oberacher ist der Studienleiter der Abwasseranalyse an der Universität Innsbruck. Med Uni

Warum in Vorarlberg nur die Abwässer des Wasserverbands Hofsteig untersucht wurden, begründete der zuständige Laborleiter der Uni Innsbruck, Herbert Oberacher, am Donnerstag auf Anfrage der VN damit: „Wir müssen diese Analysen mit eigenen Mitteln finanzieren. Deshalb konnten wir nicht jede Kläranlage in Vorarlberg unter die Lupe nehmen, sondern eben nur jene von Hofsteig.“

Vorarlberger Pilotprojekt

Oberacher erwähnt jedoch lobend, dass im Jahr 2020 das Land Vorarlberg quasi als einmaliges Pilotprojekt in Österreich die Untersuchung von 17 der größten Kläranlagen des westlichsten Bundeslandes veranlasste. Damals ergaben die Analysen, dass in Vorarlberg täglich insgesamt 6,5 Kilogramm reines THC (jene psychoaktive Substanz, die Marihuana seine berauschende Wirkung verleiht) konsumiert wurden. Die mittlere täglich konsumierte Menge an Kokain lag bei rund einem halben Kilogramm Reinsubstanz.

Das forensisch-toxikologische Forschungslabor an der Med Uni Innsbruck ist die einzige Einrichtung Österreichs, die für die Teilnahme am europäischen Drogenmonitoring-Programm zertifiziert ist. <span class="copyright">Med Uni</span>
Das forensisch-toxikologische Forschungslabor an der Med Uni Innsbruck ist die einzige Einrichtung Österreichs, die für die Teilnahme am europäischen Drogenmonitoring-Programm zertifiziert ist. Med Uni

Österreichweit ergab die nun aktuell präsentierte Analyse, dass der Pro-Kopf-Konsum an Alkohol und Nikotin innerhalb Österreichs relativ einheitlich ist. Bei den verbotenen Drogen bietet sich ein weniger homogenes Bild; in fast allen Regionen war Cannabis die dominierende Droge, wobei der THC-Konsum im urbanen Bereich höher ist als in ländlichen Gegenden. Unter den Stimulanzien ist Kokain die umsatzstärkste Droge. In Westösterreich und Südtirol wird Kokain pro Kopf in größeren Mengen konsumiert als in Ostösterreich.

Die Durchschnittswerte

„Ein Einwohner aus einer der 17 untersuchten Regionen trinkt im Schnitt täglich ein Glas Wein, raucht vier Zigaretten und konsumiert 0,07 Joints sowie rund ein Milligramm an aufputschenden Drogen“, veranschaulicht Studienleiter Oberacher die Ergebnisse für Österreich.