Bludenzer Volksschüler rufen Bevölkerung auf, Müll zu vermeiden

VN / 13.03.2023 • 17:00 Uhr
Dea Jakupaj (l.), Anna Burtscher (r.) und Amina Kardic haben einen Brief für die Zeitung geschrieben.<span class="copyright">VN/JUN</span>
Dea Jakupaj (l.), Anna Burtscher (r.) und Amina Kardic haben einen Brief für die Zeitung geschrieben.VN/JUN

„Frei Day“ in der Volksschule Mitte: Wie sich Schüler eigenständig das Thema Müll erarbeiten und welche Erkenntnisse sie daraus ziehen.

Bludenz Am Freitag heißt es in den dritten Klassen und vierten Klassen der Volksschule Mitte „Frei Day“. Das neue Lernformat orientiert sich an den Global Goals der Vereinten Nationen. Jeweils vier Stunden lang beschäftigen sich die Kinder mit aktuell gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Welt. Gerade widmen sich die Kinder der insgesamt fünf teilnehmenden Klassen der VS Mitte dem Thema Müll. Dabei überlegen sie selbst, wie sie Müll vermeiden können. Die Lehrer spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle.
Begonnen haben die Klassen mit dem Thema „Leben an Land“. Dabei ging es um Tiere, ihre artgerechte Haltung, Tierschutz. Die Kinder besuchten den Wildpark in Feldkirch, den Tierschutzverein und inatura. Da dies ein neues Lernformat auch für die Lehrer ist, haben sie am Anfang verschiedene Unterrichtsarten ausprobiert. „Wir haben sie am Anfang komplett selbstständig arbeiten lassen, aber damit waren die Schüler schnell überfordert gewesen. Sie brauchen eine Anleitung. Wir Lehrer geben ihnen somit eine Struktur“, erklärt Christoph Forchtner, Lehrer in der 4b.

Dea Jakupaj (l.), Anna Burtscher (r.) und Amina Kardic (Mitte).
Dea Jakupaj (l.), Anna Burtscher (r.) und Amina Kardic (Mitte).
Mülltagebuch von Elias Glinik.
Mülltagebuch von Elias Glinik.
Mülltagebuch von Anna Burtscher.
Mülltagebuch von Anna Burtscher.

Initiiert wurde der „Frei Day“ von Margret Rasfeld (ehemalige Lehrerin und Schulleiterin im aktiven Ruhestand) in Deutschland. Nachdem „Frei Day“ bereits an vielen Schulen in Deutschland umgesetzt wurde, nehmen auch Schulen aus Vorarlberg an diesem Projekt teil. Die Volksschule Mitte ist dabei die einzige Schule aus dem Bezirk Bludenz.

Fabio Graffer und Elias Glinik mit ihrem Brief an den Bürgermeister.
Fabio Graffer und Elias Glinik mit ihrem Brief an den Bürgermeister.
Bludenzer Volksschüler rufen Bevölkerung auf, Müll zu vermeiden
Hier wird fleißig gebastelt. Die 2er- und 3er-Gruppen arbeiten weitestgehend eigenständig.

Christoph Forchtner klärt über das aktuelle „Frei Day“-Thema auf: Kinder reagieren sensibler auf Themen wie Müll und Plastik, wenn es dabei um Tiere geht. So haben einige Kinder den Plastikmüll im Meer, an welchem die Tiere verenden, auf ihren Plakaten aufgegriffen. Zudem denken sie mehr über ihr eigenes Verhalten nach, wie zum Beispiel, wenn ihre Jause in Plastikpapier eingewickelt ist. „Die Kinder fragen sich dann, ob dies wirklich notwendig ist.“ Außerdem führen die Kinder für ihren Alltag ein Mülltagebuch, sodass sie darauf aufmerksam werden, wie viel Müll bei ihnen zu Hause anfällt. So können sie auch ihre Eltern beeinflussen, weniger Müll zu produzieren, und wären für sie Vorbilder. „Die Zukunft wird nicht so sein, wie sie jetzt ist. Und das betrifft in erster Linie die Kinder“, erklärt Forchtner den Hintergedanken.

Gebastelte Werke von Lea und Jasmin.
Gebastelte Werke von Lea und Jasmin.
Christoph Forchtner, Lehrer der 4b, gibt den Schülern durch Bücher Impulse.
Christoph Forchtner, Lehrer der 4b, gibt den Schülern durch Bücher Impulse.
Der Brief an den Bürgermeister von Elias und Fabio.
Der Brief an den Bürgermeister von Elias und Fabio.

Kein Frontalunterricht

„Den Kindern gefällt es gut. Sie freuen sich jedes Mal darauf. Sie mögen das freie Arbeiten ohne Druck, das Teamarbeiten, Zeichnen, Lesen und Schreiben. Es ist ein Kontrast zum normalen Unterricht“, beschreibt Christoph Forchtner. Zum Ende jedes Themas, nach vier bis sechs Wochen, werden die Ergebnisse von den Schülern im Rahmen einer Ausstellung vorgestellt.

Bludenzer Volksschüler rufen Bevölkerung auf, Müll zu vermeiden
Elias Mülltagebuch: „Meine Eltern schauen schon darauf, dass sie Müll vermeiden.“ Bei Elias Eltern sieht das anders aus: „Mein Papa kauft Sachen doppelt, weil er nicht gescheit nachgeschaut hat.“
Bludenzer Volksschüler rufen Bevölkerung auf, Müll zu vermeiden
Fabio zeigt sein Mülltagebuch.
Die bereits fertigen Plakate werden an der digitalen Schultafel aufgehängt.
Die bereits fertigen Plakate werden an der digitalen Schultafel aufgehängt.

Dabei findet der Unterricht nicht nur in den Klassenräumen statt, sondern auch bei Ausflügen. „Wir haben schon in der Stadt Müll gesammelt und das Abfallsammelzentrum besichtigt“, so Forchtner. Dort wurde den Schülern gezeigt, wie viel Müll zusammenkommt. Jetzt gestalten die Schüler eigene Ideen, wie sie die Bevölkerung auf die Müllproblematik aufmerksam machen können. Die Lehrer geben nur Impulse, auch mithilfe von Büchern und Filmen. Die 2er- bis 3er-Gruppen müssen dann selbst ins Tun kommen. Während die Schüler im normalen Unterricht eher die Passivrolle einnehmen, ist es beim „Frei Day“ genau andersherum. Die Ideen müssen sie selbst finden und gestalten. So entstanden schon einige gute Ideen, wie zum Beispiel ein Unverpacktladen in Bludenz.

Fabios und Elias Idee, zum Bürgermeister zu gehen.
Fabios und Elias Idee, zum Bürgermeister zu gehen.
Cosmina Lita und Diana Shparaha zeigen ihr Plakat, welches Müll im Meer zeigt.
Cosmina Lita und Diana Shparaha zeigen ihr Plakat, welches Müll im Meer zeigt.
Weitere Arbeiten zum Thema Müllvermeiden und Müllrecycling.
Weitere Arbeiten zum Thema Müllvermeiden und Müllrecycling.

Ein Brief für die Zeitung

Anna Burtscher (10), Dea Jakupaj (10) und Amina Kadirc (11) aus der 4b wollten zum Beispiel, dass ein Zeitungsartikel über dieses Thema veröffentlicht wird, um die Bevölkerung weiter zu sensibilisieren, was hiermit geschieht. Denn: „Die Zeitung lesen viele Leute“, erhofft sich Dea mit einem Zeitungsbericht eine größere Reichweite als mit Plakaten. Die drei Mädchen haben extra einen Brief geschrieben, mit der Bitte, diesen abzudrucken: „Wir wollen ein Bericht schreiben, weil wir den Erwachsenen und Kindern zeigen wollen, was sie der Erde antun. Die Menschen werfen Zigaretten, Flaschen, Dosen, Abfall, Plastik und sogar manchmal Metall weg. Das alles können wir mit eurer Hilfe einsammeln. Duschgel, Shampoo, Haarkur: Rund um die Badewanne drängeln sich jede Menge Fläschchen, die bald den Mülleimer voll machen. Bei üblem Geruch oder Schimmel ist der Fall klar: Ab in die Tonne! Das schont die Umwelt und eure Gesundheit! All das Plastik im Meer macht dich wütend und traurig? Da hilft nur eins: Aufräumen! Am besten mit anderen zusammen. Immer mehr Menschen beteiligen sich zum Beispiel am International Coast Cleanup Day, der immer im September stattfindet.“

Schüler aus der Nachbarklasse präsentieren zwischendurch ihre Ergebnisse.
Schüler aus der Nachbarklasse präsentieren zwischendurch ihre Ergebnisse.
Elia Nagem mit seinem Schild.
Elia Nagem mit seinem Schild.

„Unsere Zukunft soll anders als jetzt aussehen“ sagt Anna. „Ohne Müll“, ergänzt Dea. Anna berichtet, dass sie auf ihrem Schulweg Zigaretten auf dem Boden liegen sehe. „Und Taschentücher“, wirft Dea ein. „Auf dem Fußballplatz habe ich Flaschen gefunden und mit nach Hause genommen“, erzählt Anna weiter. Dea begründet: „Wir wollen der Welt helfen, sauberer zu werden.“ Anna findet das Thema Müll gut: „Wir haben Spaß am Thema Müll. Man kann was bewirken.“

Für den "Frei Day" gibt es ein eigenes Regelwerk.
Für den "Frei Day" gibt es ein eigenes Regelwerk.

Anna, Dea und Amina bereiten auch ein Theaterstück vor. Dazu basteln sie Chipstüten, Schokoladenverpackungen und Müllsäcke aus Papier, bemalen und beschriften die Verpackungen. Der Inhalt des Theaterstücks: Anna schmeißt die Verpackungen achtlos in die Natur, Dea und Amina heben sie auf und schmeißen sie in die Mülltonne.

Beim Malen der Schilder
Beim Malen der Schilder
Jasmin und Lea haben eine Welt voller Müll gemalt.
Jasmin und Lea haben eine Welt voller Müll gemalt.

Fabio Graffer (10) und Elias Glinik (10) wollen einen Brief an den Bürgermeister schreiben, welcher dann auf der Homepage der Stadt veröffentlicht werden soll. Man solle weniger Müll produzieren, die Klamotten länger tragen, nur Sachen, die man braucht, kaufen. „Statt Plastiktaschen soll man lieber Stofftaschen verwenden. Und den Müll soll man in den Mülleimer und nicht daneben schmeißen“, fordert Fabio. Cosmina Lita (11) und Diana Shparaha (10) dagegen basteln Plakate, um auf den Müll im Meer aufmerksam zu machen.

Anna Burtscher hat eine Schokoladenverpackung für ihr Theaterstück gebastelt.
Anna Burtscher hat eine Schokoladenverpackung für ihr Theaterstück gebastelt.
Bludenzer Volksschüler rufen Bevölkerung auf, Müll zu vermeiden
Dea hat eine Chipstüte gebastelt.

Auch Jasmin Salzgeber (9) und Lea Pirolt (9) aus der 3a widmen sich diesem Thema und haben ein Referat über Müll im Meer gehalten. Durch den ganzen Müll verenden die Tiere. Seepferdchen würden sich in einer Plastiktüte verfangen und daran sterben. Jasmin ist überzeugt: „In der Natur sollte kein Müll sein, denn dieser ist nicht gut für sie. Die Natur fühlt sich dann nicht mehr wohl. Irgendwann haben wir eine Welt voller Müll und die Müllsammler kommen nicht mehr hinterher. Wir sollen darüber nachdenken, was wir an Müll produzieren.“ Lea hat eine Erde voller Müll gemalt, um zu zeigen, wie problematisch dieser für die Welt ist. Mit dem Mülltagebuch wird ihr einmal mehr bewusst, wie viel Müll sie eigentlich im Alltag produziert. Daheim hat sie einen Müllkübel im Zimmer stehen, wo sie den ganzen Müll sammelt und zum Schluss sortiert, wenn der Kübel voll ist. „Das macht riesigen Spaß“, grinst Lea. „Wir haben nur die eine Welt. Wir müssen schauen, dass wir sie verbessern. Wenn die Welt voller Müll ist, wird es uns nicht gutgehen.“ VN-JUN

Jasmin Salzgeber und Lea Pirolt aus der 3a zeigen ihre Plakate, die auf die Müllvermeidung und -problematik aufmerksam machen sollen.
Jasmin Salzgeber und Lea Pirolt aus der 3a zeigen ihre Plakate, die auf die Müllvermeidung und -problematik aufmerksam machen sollen.