
Montafoner Funkentour: Vier Funken, vier Besonderheiten
Montafon Tourismus bot heuer zum ersten Mal eine Funkentour an, bei der vier Funken besichtigt wurden. Was die Teilnehmer lernten: Kein Funken gleicht dem anderen. Jede Funkenzunft, jede Gemeinde baut ihren Funken individuell und auch die Bräuche rund um das Funkenabbrennen sind verschieden.
Montafon Neu im Programm von Montafon Tourismus war am vergangenen Samstag die Funkentour durch das Montafon. An vier ausgewählten Orten – Bartholomäberg, Silbertal, Gortipohl und Gantschier – konnten die 32 Teilnehmer – Gäste wie Einheimische –die Besonderheiten des jeweiligen Funkens erfahren. Denn jede Gemeinde baut ihren Funken anders, hat eigene Traditionen rund um das Funkenabbrennen. Highlight war das Scheibenschlagen in Gortipohl, das seit 2016 nationales Kulturerbe der UNESCO ist.


Manuel Bitschnau, Geschäftsführer von Montafon Tourismus, schlüpfte am Funkensamstag in die Rolle des Tourguides und informierte bereits im Luxusliner von Bösch Reisen über die Geschichte und das Brauchtum des Funkenabbrennens. „Wir wollten schon viele Jahre eine Tour organisieren, bei der man mehr als zwei Funken an einem Wochenende besichtigen kann“, erklärte Manuel Bitschnau den Grund für die Funkentour auf dem Weg zur ersten Station in Bartholomäberg, mit sieben (heuer nur sechs) Funken die Funkenhochburg Österreichs.



Erste Station: Funkenhochburg Bartholomäberg
Beim Widum im Ortszentrum von Bartholomäberg, wo der Funken Sonntag entzündet wurde, wartete bereits Martin, Funkenmeister der Funkenzunft Bartholomäberg. Seit zehn Jahren hat er dieses Amt inne, bei der Funkenzunft Bartholomäberg ist er bereits seit 2004. „Ich betreibe das schon, seit ich laufen kann“, erzählte Martin, der früher in Jetzmunt den Funken mit gebaut hat. Früher war der Funken in Jetzmunt auch noch bis zu 33 Meter hoch, heute ragt der Funken – aus Sicherheitsgründen – nur noch 15 Meter in den Himmel.


In Bartholomäberg schwingen nicht nur die Kinder ihre Fackeln am Funkensonntag selbst, sondern bestücken auch das Fackelrädle mit ihren selbstgebauten Fackeln – eine Besonderheit. Vor dem Feuerwehrhaus konnten die Kinder mit ihren Eltern ihre eigene Fackel bauen. Dazu wurden breite Holzstäbe zusammengebunden und in die Zwischenräume wurde Holzwolle gestopft.




Der Funken in Bartholomäberg ist achteckig, was der traditionellen Bauweise im Montafon entspricht. Geschlägert wurde die bis 20 Meter hohe Tanne am Faschingsdienstag – eine „beachtliche Höhe“, wie Martin anmerkte. „Beim Transport muss man schon Obacht geben.” Beim Funkenbau, am insgesamt 13 Personen beteiligt waren, werden so gut wie keine Nägel verwendet. Die ein Meter langen Scheite werden nur durch ihr eigenes Gewicht gehalten. Jedoch wurde in regelmäßigen Abständen ein Holzkreuz vernagelt, um für die nötige Stabilität zu sorgen.



Anders als bei anderen Funken wird der Funken in Bartholomäberg, der teilweise mit Holzwolle gefüllt ist, mit einem langen Holzstecken in der Mitte angezündet. Zum Anzünden brauche es schon ein Benzingemisch „als Startpilot“, gab Martin zu. Zwölf Kubikmeter Holz wurden verbaut, sodass der Funken in ganzer Höhe circa 20 Minuten brennen sollte, bevor er nach und nach in sich zusammenfällt.



Die Hexe wird erst ganz zum Schluss auf den Funken gesetzt. Viele Hexen im Montafon sind mit Schießpulver befüllt. Ziel beim Funkenabbrennen (etwa in Gantschier) ist es, dass die Hexe mit einem lauten Knall explodiert. „Wenn die Hexe nicht verbrennt oder gestohlen wird, gibt es einen Leichenschmaus. Dann wird’s teuer“, erzählte Martin. „Je mehr Leute es wissen, umso teurer wird es für uns”, denn nach Beerdigung der Hexe muss die Funkenzunft alle verköstigen. Damit keiner den Funken schon vorher anzündet, muss die Funkenzunft Wache halten. Und während der Funkenwache ist für ordentlich Speis und Trank gesorgt, woran sich auch die Funkentourteilnehmer bedienen konnten.


Der Silbertaler Funken
Johannes Netzer ist Kommandant der Feuerwehr und Oberfunkner in Silbertal, denn eine eigene Funkenzunft hat die kleine Gemeinde nicht. Seit über 50 Jahren macht das die Feuerwehr, ab nächstes Jahr, so verkündete Johannes, wird die Funkenzunft Kristberg Althus den Funkenbau in Silbertal übernehmen. Somit war es dieses Jahr das letzte Mal für die Feuerwehr. „Am Donnerstag haben wir angefangen, den Funkentisch zu bauen“, sagte Johannes. Der Funkentisch besteht aus längeren, breiten Baumstämmen, damit das Feuer von unten Luft ziehen kann. „Ab der Hälfte hat uns ein Kran geholfen.“ Da die Feuerwehr Silbertal ein Schätzspiel zur Höhe des Funkens am Laufen hatte, konnte Johannes nicht die Höhe des Funkens verraten. Gefüllt war der Funken mit alten Christbäumen, Obstkisten und Stroh. Während der Funken am Samstag brannte, spielte die Bürgermusik Silbertal.

Die Funkenhexe Friederike hat übrigens der Kindergarten gebaut. Bei der Hexenprämierung in Schruns gewann die Hexe der Funkenzunft Althus Kristberg. Die Silbertaler Hexe Friederike wurde nur auf den 6. Platz gewählt. Johannes Netzer erzählte, dass jede Funkenzunft die anderen Hexen bewerten darf. „Das ist reine Geschmackssache.“

In Silbertal gab es unter anderem Funkaküachli, gebacken und zubereitet von Christel und Anita. Auch Christine Ausserer aus Bludenz und Tiffany Gomig aus Bludesch Gais ließen sich das Funkaküachli nicht entgehen und holten sich sogar Nachschlag. An der Feuerschale lobte Christine die Funkentour: „Es ist eine richtig nette Veranstaltung. Ich habe mich direkt angemeldet, als ich es in den VN gelesen habe. Es ist sehr interessant, die verschiedenen Funkentypen zu sehen und die Erklärung der Funkenzunft, wie sie den Funken bauen, dazu zu bekommen.“ Und auch Tiffany meinte: „Es ist super organisiert.“


Das Scheibenschlagen in Gortipohl
In Gortipohl Schattenort begrüßten Funkenmeister Gerhard Willi und Obmann der Funkenzunft Gortipohl, Jürgen Wachter, die Gäste. Die Funkenzunft Gortipohl wurde vor 45 Jahren gegründet, weshalb heuer auch eine leuchtende 45 den Funken zierte. 19 Meter hoch war der massive, viereckige Funken mit zweieinhalb Meter Durchmesser, der nur mithilfe einer Seilwinde und sonst von Hand gebaut wurde. Mit Tanne ist er sogar 25 Meter hoch. Durch die bis zu 50 Zentimeter dicken Spalten und den 20 Kubikmetern Holz brennt der Funken zweieinhalb Stunden lang. Während der Trätzfunka, also der kleine Funken, den die Kinder und Jugendlichen bauen, bereits am Samstag von den Kindern entzündet wurde, war der große Funken erst am Sonntagabend dran.

Am Samstagabend konnten die Kinder zudem selbst die glühenden Holzscheiben schlagen. Seit 1400 wird das Scheibenschlagen in Gortipohl praktiziert. Gerhard Willi erklärte, dass sie für das Scheibenschlagen nur Erlenholz von der Ill verwenden. „Früher war das ein Arme-Leute-Holz, da das Holz gleich gebrannt hat“, weiß der Funkenmeister. 500 bis 600 Scheiben, die zuvor mit einer Axt abgeschlagen werden, schießen die Kinder und Erwachsenen jedes Jahr am Wochenende nach Fasching in die Nacht hinein. „20 bis 30 Leute machen beim Scheibenschlagen mit. Das sind schon ein paar Tausend Scheiben, die bis jetzt geschlagen wurden“, vermutet Gerhard.

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Gerhard Willi ist seit dem zwölften Lebensjahr dabei. „Seit 46 Jahren lasse ich keinen Funken aus. 400 bis 500 Scheiben habe ich schon geschlagen, bis zu 40 Scheiben pro Jahr.“ Sein weitester Flug reichte bis weit über die Ill, 400 bis 500 Meter weit. Eine Bedeutung habe das Scheibenschlagen aber nicht. Es sei einfach eine zusätzliche Tradition, um den Winter zu vertreiben wie beim Funken.


Die Holzscheiben haben in der Mitte ein Loch und werden so einzeln auf einem Holzstecken geschraubt. Dann hält man den Stecken mit der Scheibe in die Glut, hebt diesen ab und an hoch, schwingt ihn und legt ihn dann wieder in die Glut, so lange, bis ein glühender Kranz auf der Scheibe zu erkennen ist. Dann geht man zur Holzrampe, stellt sich daneben und schlägt die glühende Scheibe vom Stecken in Richtung Tal ab.


Jeder Teilnehmer konnte das Scheibenschlagen selbst ausprobieren. Gertrud Flatz aus St. Anton war begeistert: „Das kannte ich noch gar nicht live. Ich finde das ganz klasse.“ Auch Sonya Hallek aus Bartholomäberg gefiel die Funkentour: „Man lernt viel über die unterschiedlichen Funken. Es ist schön, das Scheibenschlagen selbst ausprobieren zu können.“


Endstation: Gantschierner Funken
Die letzte Station war der Funken in Gantschier. Nach dem närrischen Treiben der Gantschierner Häxa, die vor dem Funken einen Tanz aufführten, und dem Fackelzug der Kinder wurde dann um 20 Uhr der Funken entzündet. VN-JUN

