Arlbergschnellstraße: Pilotprojekt scheint nicht den erwünschten Erfolg zu bringen

VN / 26.02.2023 • 16:30 Uhr
In Richtung Innsbruck zwischen Nüziders und Dalaas kam es zu Verzögerungen von bis zu zwei Stunden. <span class="copyright">BILDER: VN/HARTMANN, EINGESENDET</span>
In Richtung Innsbruck zwischen Nüziders und Dalaas kam es zu Verzögerungen von bis zu zwei Stunden. BILDER: VN/HARTMANN, EINGESENDET

Das am Samstag durchgeführte Pilotprojekt gegen den Ausweichverkehr von A 14 und S 16 scheint nicht den erwünschten Erfolg zu bringen.

Bludenz Ein Stau auf der L 97 in Bings, künstlich erzeugt durch eine Dosierampel, hätte die Navigationsgeräte davon abhalten sollen, eine Ausweichroute durch die Dörfer vorzuschlagen. Auch die L 93 wurde für den Durchzugsverkehr gesperrt. Hinzu kamen Polizeikontrollen, um die Maßnahmen auch durchzusetzen.

Martin Falkner und Andreas Fink von der Stadtpolizei Bludenz haben die Ausweichroute zur L 97 abgeriegelt. So konnte der Durchreiseverkehr nicht über die Schleichwege fahren.
Martin Falkner und Andreas Fink von der Stadtpolizei Bludenz haben die Ausweichroute zur L 97 abgeriegelt. So konnte der Durchreiseverkehr nicht über die Schleichwege fahren.

Der Plan dürfte aber nicht ganz aufgegangen sein: Es staute sich sowohl auf der A 14 und S 16 wie auch auf den Ausweichrouten durch Bludenz und die Gemeinden im Klostertal.

“So schlimm war es noch nie!”

Wie Anrainer berichteten, fuhren zahlreiche Pkw mit ausländischen Nummerntafeln durch die Ortschaften. Somit also mutmaßlicher Durchreiseverkehr, für den ein Abfahrverbot von der A 14 gegolten hätte. “So schlimm war es noch nie!”, schreiben VN-Leser an die Redaktion.

Diese Bilder wurden von VN-Leser Franz Streit an die Redaktion geschickt.
Diese Bilder wurden von VN-Leser Franz Streit an die Redaktion geschickt.

Längerfristige Lösung finden

Dass man sich von dem Pilotversuch sicherlich mehr erwartet hatte, erklärt auch Simon Tschann, Bürgermeister von Bludenz. “Trotzdem ist es wichtig, eine längerfristige Lösung für die Verkehrsproblematik in Bludenz, aber auch in den Gemeinden des Klostertals zu finden”, gibt er zu verstehen.

Bei der Autobahnabfahrt Bludenz/Bürs musste man ebenfalls geduldig sein.
Bei der Autobahnabfahrt Bludenz/Bürs musste man ebenfalls geduldig sein.
Auch nach dem Samstagseinkauf im Zimbapark konnte man nur hoffen, dass die Tiefkühlware nicht auftaut.
Auch nach dem Samstagseinkauf im Zimbapark konnte man nur hoffen, dass die Tiefkühlware nicht auftaut.

Aber nicht nur auf den Ausweichrouten staute es sich aufgrund des starken Reiseverkehrs: Auf der A 14 und S 16 in Richtung Innsbruck von Nüziders bis Dalaas brauchten die Autofahrerinnen und Autofahrer bis zu zwei Stunden länger.

Hinweisschilder, aber keine Kontrolle

Sowohl auf der S 16 als auch auf der A 14 wurden Hinweisschilder aufgestellt, die die Lenkerinnen und Lenker dazu auffordern, auf der Schnellstraße beziehungsweise der Autobahn zu bleiben – selbst dann, wenn es sich staut. Von den Schildern allein ist der Bludenzer Taxifahrer Ossi Karaaslan (46) nicht sonderlich begeistert.

Der Bludenzer Taxifahrer Ossi Karaaslan (46) ist nicht begeistert von dem vielen Verkehr in den Gemeinden.
Der Bludenzer Taxifahrer Ossi Karaaslan (46) ist nicht begeistert von dem vielen Verkehr in den Gemeinden.

“Dazu braucht es Polizeikontrollen an den Abfahrten. Bereits bei der Abfahrt in Nüziders beim Kreisverkehr staut es sich! Ohne Kontrolle an den Abfahren wird das nix”, erzählt Karaaslan während er im Stau wartet.

An der Bingser Auf- und Abfahrt zu Autobahn standen Gülcan Balta und Alexandra Bickel von der Autobahnpolizei Bludenz. Sie hatten die Anweisung, nur Anrainer aus Bings, Radin und Stallehr über die L 93 weiterfahren zu lassen.
An der Bingser Auf- und Abfahrt zu Autobahn standen Gülcan Balta und Alexandra Bickel von der Autobahnpolizei Bludenz. Sie hatten die Anweisung, nur Anrainer aus Bings, Radin und Stallehr über die L 93 weiterfahren zu lassen.

Judith Egger (53) ist außer sich, als sie entlang der L 93 an der Auffahrt zur Arlbergschnellstraße in Bings ankommt. Auch sie wird von den Polizistinnen weitergewunken und muss nun im Stau ausharren, bis sie an der Abfahrt in Braz angekommen ist.

Judith Egger (53) aus Innerbraz war von der Situation sichtlich wenig begeistert.
Judith Egger (53) aus Innerbraz war von der Situation sichtlich wenig begeistert.

“Dass nicht einmal wir Anrainer durchfahren dürfen, finde ich eine Frechheit! Wir wohnen in Braz und müssen jetzt wahrscheinlich weitere Stunden warten. Anscheinend sogar auf Anordnung unseres Bürgermeisters, so eine Frechheit”, gibt die wütende Brazerin zu verstehen, während das Auto langsam weiterrollt.

Gülcan Balta und Alexandra Bickel befolgen die Anweisungen strikt.
Gülcan Balta und Alexandra Bickel befolgen die Anweisungen strikt.

Die Polizeibeamtinnen der Autobahnpolizei Bludenz, Alexandra Bickel und Gülcan Balta können den Frust der 53-Jährigen gut nachvollziehen. “Wir haben die Anweisung, nur Anrainer aus Bings, Radin und Stallehr sowie Ziel- und Quellverkehr in diesen Orten durchzulassen”, erklären die beiden Beamtinnen.