Schussfahrt ins Krankenhaus: Das riskante Freizeitvergnügen

Unfallzahlen zeigen: Rodeln ist weit weniger harmlos als angenommen wird.
Schwarzach In der Rodelsaison 2022/33 hat es in Österreich bereits etliche schwere Unfälle bei diesem beliebten Freizeitvergnügen gegeben.
200 Verletzte in Vorarlberg
„Erhebungen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) in Krankenhäusern ergaben, dass bis zum Ende der Saison allein in Vorarlberg 200 Personen aufgrund von Unfällen mit Rodeln oder Bobs im Krankenhaus behandelt werden müssen“, sagt Martin Pfanner vom KfV Vorarlberg.
An der Spitze der Blessuren rangieren Knochenbrüche (65 Prozent) sowie Sehnen- und Muskelverletzungen (14 Prozent). Jeder fünfte Rodelunfall wird durch einen Zusammenprall mit Personen, Bäumen, Schneewänden oder anderen Hindernissen verursacht. Kollisionen sind übrigens die Hauptursache für besonders schwere Verletzungen.

Ein Trend im Kommen
Laut Pfanner ist eine deutliche Trendwende vom Skifahren zum Rodeln bemerkbar. Deshalb legt das KfV derzeit größten Wert auf mehr Sicherheit bei Schlittenfahrten dieser Art. „Im Brandnertal haben wir übrigens etwas Neues getestet: Nämlich den Rodel mit einer Art am Schlitten installierter Notbremse.“
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Ein NoGo: Drogen und Alkohol
Der Leiter des Kuratoriums möchte jedoch noch auf etwas anderes aufmerksam machen: „Wie bei jedem Freizeitsport muss auch beim Rodeln- oder Bobfahrten darauf geachtet werden, nicht unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol zu stehen. Auch wenn das Vergnügen oft im Zusammenhang mit der Hüttengaudi steht.“
Helme vor allem für Kinder wichtig
Pfanner appelliert an die Erwachsenen, bezüglich des Helmtragens mit gutem Beispiel voranzugehen: „Bitte unbedingt einen Helm tragen und darauf achten, dass das auch die Kinder tun. Unsere Tests haben gezeigt, dass bereits bei einem Aufprall mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h ohne Helm schwerste Verletzungen entstehen können.“
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Rodelregeln auf Tafeln
Gemeinsam mit dem österreichischen Rodelverband setzt das KfV auf Bewusstseinsbildung beim Rodeln. Dabei helfen Rodeltafeln mit den wichtigsten Verhaltensregeln, die in einem Projekt an Rodelstrecken angebracht wurden. An mehr als 100 Rodelbahnen des Landes befinden sich schon Aufklärungstafeln mit den zehn wichtigsten eruierten Rodelregeln.
„Mit Hilfe von einheitlichen Rodelregeln, welche die häufigsten Unfallhergänge berücksichtigen, möchten wir eine Informationsbasis schaffen und appellieren an alle Rodler, sich regelkonform zu verhalten“, erläutert Pfanner.Die Rodeltafeln sind leicht verständlich und attraktiv dargestellt. Damit die Regeln auch für Gäste aus dem Ausland gut verständlich sind, sind die Regeln sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch ausgeführt und zusätzlich bildlich dargestellt.

Rutschteller und Snowtubes
Neben den klassischen Rodeln sind auch Bobs, Rutschteller und Snowtubes (aufblasbare “Rodeln” oder “Reifen”) sehr beliebt. “Snowtubes sehen harmlos aus und machen Spaß, weil man damit auch kleinere Sprünge machen und weich landen kann. Sie sind allerdings nicht spurstabil und mit zunehmender Geschwindigkeit schwer steuer- und kontrollierbar. Immer wieder passieren schwere Unfälle, weil vor Hindernissen, wie Bäumen, Masten, anderen Personen oder Fahrzeugen auf querenden Straßen nicht mehr rechtzeitig angehalten werden kann”, rät ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger zur Vorsicht. Im Vorjahr mussten die Notarzthubschrauber des ÖAMTC österreichweit zu 54 Einsätzen nach Rodelunfällen ausrücken, im Jänner 2023 waren es bisher zwölf. Am häufigsten sind Verletzungen an Wirbelsäule, Becken, Kopf und Brustkorb.