Psychische und physische Gewalt bei den Kindern

Die Volksschule St. Peter hat mit Raumknappheit zu kämpfen und soll erweitert werden. Bereits durchgeführte Studien werden wieder aufgerollt und den Stadtvertretern vorgelegt, doch die Entscheidungsgewalt liegt beim Kloster.
Bludenz Es waren schwere Vorwürfe, die Sophie Brodicky, die Elternvereinsobfrau VS St. Peter, deren Kinder die Volksschule St. Peter besuchen, in der Stadtvertretungssitzung erhoben hat. Von psychischer und physischer Gewalt bei den Kindern, Raumknappheit drinnen wie draußen und dem längst überfälligen Turnsaal war die Rede.

Es ist Winter, der Schulhof der Volksschule St. Peter liegt meistens im Schatten. Die große Wiese vor dem Kloster ist daher oft feucht und matschig, weshalb die Kinder die Wiese dann nicht betreten dürfen. Ein Streifen an der Mauer ist mit Rindenmulch bedeckt, auf ihm stehen Balancierstämme und -steine sowie ein Trampolin. Dieser Streifen sowie der Asphaltstreifen zwischen Wiese und Kloster dienen den 157 Schülern in den Pausen zum Auspowern. „Die Kinder haben keinen Platz, sich zu entfalten“, moniert Direktorin Michaela Riedl, die Anfang des Jahres Monika Koch als Schulleiterin abgelöst hat. Ein richtiger Spielplatz fehle. „Wir merken es an den Konflikten. Die Schüler werden schneller aggressiv.“


Bürgermeister Simon Tschann kann die Kritik nicht nachvollziehen. Volksschulen haben generell keinen Spielplatz mehr, es sei denn, der Kindergarten ist in diesem Gebäude integriert. Außerdem wurde die gesamte Schule vor 15 Jahren für 1,2 Millionen Euro generalsaniert, in diesem Zuge auch die Spielfläche neu gemacht. Bludenz hat sich mit 500.000 Euro an den Kosten beteiligt. Darüber hinaus gebe es für jede Klasse eine Kiste mit Outdoor-Spielgeräten. Neue Bänke wurden bestellt und werden ab Frühjahr auf dem Schulhof platziert. Bei den Kinderkonferenzen, bei denen Kinder ihre Wünsche an den Bürgermeister herantragen können, wurde der fehlende Spielplatz nie angekreidet.

Turnhalle fehlt
Eher nachvollziehen kann Simon Tschann die Kritik, keine Turnhalle zu haben. Bis jetzt hat die Volksschule nur einen kleinen Bewegungsraum im Keller. Daneben ist der Gerätelagerraum. „Manchmal laufen hier Mäuse“, merkt Michaela Riedl an. Schließlich ist die Volksschule St. Peter in einem alten, denkmalgeschützten Gemäuer aus dem Jahr 1707 untergebracht.
Es gibt bereits Studien für eine Erweiterung der Volksschule St. Peter. Doch schwer umzusetzen sind alle drei Varianten. Der Stadt sind schlicht und ergreifend die Hände gebunden, wie der Bürgermeister erklärt, denn der Stadt gehöre weder das Gebäude noch die Fläche rundherum. Als Mieter – und das ist die Stadt, wenngleich mit einer geringen Miete von rund 40.000 Euro im Jahr – habe man nur einen eingeschränkten Handlungsspielraum.


Das war auch mit ein Grund, warum die Stadt zuerst die Volksschule Mitte in Angriff genommen hat. Nicht nur, weil es höchste Zeit war, die Mittagsbetreuung aus den Containern zu holen, sondern auch, weil der Stadt das Grundstück gehört. Es war schlichtweg einfacher, dort etwas zu unternehmen. Nachdem die Bauarbeiten bei der VS Mitte unter Dach und Fach sind und diese 2024 abgeschlossen werden, könne man sich nun der VS St. Peter widmen, sagt Simon Tschann. „Das hier Bedarf besteht, wissen wir.“ Der Turnsaal wurde bereits in die Mittelfristige Finanzplanung mit aufgenommen.


Neubau oder Erweiterung?
Einst war angedacht, den BMX-Platz für den Neubau der VS St. Peter herzunehmen, doch diese Variante fand bei den damaligen Stadtvertretern keine Mehrheit, zu wichtig war ihnen der BMX-Platz. Die Stadt kann aber nicht irgendwo die Volksschule St. Peter bauen, denn sie muss zwingend im Einzugsgebiet der Schüler liegen, bzw. zu Fuß erreichbar sein. Den Turnsaal unterirdisch längsseitig der Straße, bzw. unter dem Rindenmulchstreifen zu bauen, traf auf Gegenwind seitens des Klosters Cazis, dem Eigentümer, der dem Orden des heiligen Dominikus angegliedert ist. Denn die Turnhalle darf nicht höher als die dort stehende Mauer sein, damit die Sicht auf das Kloster St. Peter nicht beeinträchtigt wird. Die Widmung stimme laut Landesraumplan sowieso nicht. Da Simon Tschann ein Freund von Synergien ist, befürwortet er, dass mehrere Schulen dieselbe Turnhalle nutzen. „Es bringt nichts, drei Turnsäle nebeneinander zu bauen.“ Option Nummer drei wäre ein Anbau nach hinten raus – die bis jetzt wahrscheinlichste und realistischste Variante, die in Frage käme.


Dieses Schuljahr wurden 13 Schüler mehr eingeschult als letztes Jahr. Den Vorschlag des Bürgermeisters, dass die Schüler aus Brunnenfeld aufgrund von Raumproblemen nach Bings wechseln können, werde von den Eltern und Kindern nur teilweise angenommen, weil sie ihre Freunde und Geschwister nun mal in St. Peter haben, weiß Michaela Riedl. Es brauche nicht nur einen Turnsaal, sondern auch einen größeren Speise- und Werkraum, eine größere Bibliothek und Mittagsbetreuung sowie eine Aula und zusätzliche Unterrichtsräume, weshalb die Schulleiterin einen Neubau begrüßen würde. Gruppenarbeit ist aufgrund der Klassengröße und den daraus resultierenden hohen Lärmpegel ebenfalls erschwert möglich. „Zehn Klassen werden momentan auf sehr beengtem Raum unterrichtet“, berichtet die Direktorin. Selbstständiges Arbeiten komme dadurch zu kurz. „Mitte November luden wir den Bildungsausschuss zu uns in die Schule ein. Mit kleinen Schritten geht es nun voran. Die Pläne sollen wieder aufgenommen werden, damit wir Lehrer einen Lichtblick sehen.“

Studien werden wieder aufgerollt
Die Studien werden nun wieder aufgerollt und nochmal unter die Lupe genommen. Simon Tschann will mit der neu gewählten Oberin der Dominikanerinnen ein Gespräch führen, denn eine klare Verhandlung bezüglich eines Anbaus habe es bis jetzt noch nicht gegeben. „Wir müssen eine Lösung gemeinsam mit dem Kloster finden“, so Tschann. Der Mittagsraum (mit Küche) der fünf Schwestern sei zum Beispiel groß genug, dass auch die Schüler ihn mitbenutzen könnten.
Simon Tschann betont, dass die Stadt nur die „Hardware“ stellt. Obwohl die Stadt also nur Schulerhalter ist und der pädagogische Bereich wie das Personal in die Landeskompetenz fällt, stellt die Stadt selbst Schulsozialarbeiter. Dafür hat sie ein Budget von über 50.000 Euro vorgesehen. Zwar gibt es ein Basiskontingent des Landes, aber dies sei viel zu wenig. „Wenn an der Schule Missstände herrschen“, wie sie Sophie Brodicky genannt hat, „dann gehen wir der Sache nach“, macht Simon Tschann unmissverständlich klar. Es haben schon Gespräche mit ihr stattgefunden.

Madeleine, acht Jahre, geht in die Klasse 3a und ist Sprecherin der Kinderrechte. Sie will gar nicht, dass man die Schule umbaut, denn sie sei ein Stück Geschichte. Der Klassenraum ist für sie groß genug. „Nur der Turnsaal könnte größer werden.“ Mit dem Pausenhof ist sie zufrieden, vielleicht könnte er ein bisschen mehr nach Spielplatz aussehen. Beim Werkraum könnte man ein bisschen aufräumen, um mehr Platz zu schaffen. „Momentan ist man hier ein bisschen eingequetscht“, ist Madeleine der Meinung. Diandro, neun Jahre alt und aus der 3a, wünscht sich ebenfalls einen größeren Turnsaal, denn gerade bei Ballspielen werde man „schnell vom Ball getroffen“. Der Schulhof dagegen reiche ihm aus, um sich auszupowern. Für Mathilda (3b) braucht es auch keinen größeren Schulhof. Sie sitzt lieber mit ihren Freundinnen zusammen und isst ihr Pausenbrot. VN-JUN
