Lernlust: Jung und Alt drücken noch einmal die Schulbank

Aufbaulehrgänge der HTL Rankweil ziehen alle Altersgruppen an.
Rankweil Gerd Paschg (65), Pensionist. Martin Schönenberger (36) Maschinenbauer und Jungvater. Patricia Rist (28), Maurerin und Hochbauspezialistin. Dominik Vögel (25), Zimmerer.

Vier unterschiedliche Personen, die doch etwas gemeinsam haben: Sie drücken noch einmal die Schulbank, und zwar an der HTL in Rankweil. Die Jungen besuchen den Aufbaulehrgang Bautechnik, Gerd Paschg hat sich der Elektronik und technischen Informatik zugewandt. Er möchte sein Gedächtnis in Schwung halten, die anderen wollen beruflich aufsteigen. Martin Schönenberger hat für sich festgestellt: „Es tut gut, wieder einmal zu lernen.“
Keine Berührungsängste

Die Aufbaulehrgänge dauern sechs Semester und werden berufsbegleitend durchgeführt. An drei Tagen in der Woche arbeiten die Teilnehmer, drei Tage sind der Schule vorbehalten. „Früher wurden die Aufbaulehrgänge in vier Semestern und als Tagesform abgewickelt“ erzählt HTL-Direktorin Judith Zeiner. Ohne Einkommen konnten sich viele Interessierte diese Weiterbildung aber nicht leisten. Abendschule war ebenfalls keine Option. „Es soll ja noch ein Privatleben möglich sein.“ Zudem sei die Belastung enorm. Blieb als praktikable Lösung die berufsbegleitende Form. Gerd Paschg hat immer schon gerne gerechnet.

Das war ein Grund, dass sich der ehemalige Fahrlehrer für die Elektronik entschied. Der andere: „Ich merkte, wie meine Gedächtnisleistung mehr und mehr zurückging.“ Mit dem Schulbesuch steuert er dagegen. Berührungsängste mit der jungen Generation kennt er nicht. Im Gegenteil, die Mitschüler würden ihn sehr gut unterstützen. „Und du bringst frischen Wind in die Klasse“, ergänzt Patricia Rist lachend. Die junge Frau will weiterkommen. Zuerst überlegte sie, die Polierschule zu absolvieren. Dann stellte ihr die Firma frei, Polierschule oder HTL-Aufbaulehrgang Bautechnik. Rist sah in Letzterem mehr Zukunft. Die Aufteilung zwischen Arbeit und Schule empfindet sie als ideale Kombination. Sie möchte so viel wie möglich an Theorie und Praxis mitnehmen, „das A und O in diesem Beruf“.

Martin Schönenberger, gelernter Maschinenbauer, trieb die Leidenschaft für Holz an die HTL Rankweil. Zuerst stand ein Architekturstudium im Raum, aber dann wurde er Vater. Die Entscheidung für eine Weiterbildung im Land fiel da nicht mehr schwer. Wie Schönenberger ist auch Dominik Vögel bereits im vierten Semester angekommen. Seit einem Motocross-Unfall sitzt der Zimmerer im Rollstuhl. Für Dominik hieß das, sich nach einer anderen Tätigkeit umschauen. Es soll weiterhin das Baugewerbe sein, aber der 25-Jährige liebäugelt jetzt mit einem Job im Büro. Den Besuch des Aufbaulehrgangs für Bautechnik bezeichnet er als richtigen Schritt für seine Pläne. Beide Männer erhalten vom AMS ein Fachkräftestipendium, das eine geringfügige Beschäftigung erlaubt. „Damit komme ich gut durch“, bestätigt Schönenberger.
Karriere nach der Lehre
„Wir glauben, dass diese Ausbildung für junge Erwachsene eine tolle Chance bietet, Zusatzqualifikationen zu erwerben, damit sie nach einem Lehrabschluss die Karrieren machen können, die sie sich wünschen bzw. vorstellen“, rührt Judith Zeiner die Werbetrommel, denn speziell die Bautechnik könnte noch Interessierte vertragen. Die bislang wenigen Anmeldungen führt sie zum auf den Fachkräftemangel sowie den geringeren Bekanntheitsgrad zurück. Elektronik und technische Informatik laufen hingegen gut. Die Anmeldung ist noch bis 31. Jänner 2023 offen, aber: „Möchten Kurzentschlossene den Lehrgang besuchen, können sie sich einfach bei uns an der Schule melden.“ Dominik Vögel ermuntert ebenfalls: „Ich war auch spät dran, und es hat trotzdem geklappt.“
Weitere Infos unter https://www.htl-rankweil.at/aufbaulehrgang/