Busfahrer in Hörbranz als Schlepper enttarnt

VN / 06.01.2023 • 16:30 Uhr
Festnahme eines Schleusers: Dem gegenüber steht eine hohe Dunkelziffer in der  internationalen Schlepperkriminalität. <span class="marker"><span class="copyright">APA</span></span>
Festnahme eines Schleusers: Dem gegenüber steht eine hohe Dunkelziffer in der internationalen Schlepperkriminalität. APA

Es war ein Rekord: So viele Festnahmen von Menschenhändlern gab es im Vorjahr in Österreich.

Hörbranz, Wien Erst vor wenigen Tagen hat die deutsche Bundespolizei auf der A 96 am Grenzübergang Hörbranz in einem Bus vierzehn Syrer und zwei Bangladescher ohne Papiere in einem Reisebus aus Italien erwischt. Offenbar hatte der Busfahrer den Migranten bei der illegalen Einreise geholfen. 

60 Euro pro Person

Die Polizisten nahmen außerdem vierzehn syrische Passagiere, fünf Männer, vier Frauen, vier kleine Kinder und einen Jugendlichen in Gewahrsam. Die Migranten verfügten entweder nur über unzureichende syrische Reisedokumente oder konnten gar keine Papiere vorweisen. Im Laufe der späteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass die syrischen Migranten einem der beiden italienischen Busfahrer 60 Euro pro Person, ausgenommen der drei Kinder, gezahlt hatten, um trotz der unzureichenden Dokumente nach Deutschland gebracht zu werden.

Außerdem fanden die Beamten heraus, dass der Busfahrer gelogen hatte, als er angab, dass die Syrer gültige Tickets besaßen. Bei den beiden Bangladeschern ergab sich hingegen kein Verdacht, dass es sich um mutmaßliche Geschleuste handelte. Die Bundespolizisten zeigten alle 16 Migranten wegen versuchter unerlaubter Einreise an. Die Beamten wiesen später alle nach Vorarlberg zurück.

Am Grenzübergang Hörbranz kommt es immer wieder zur Aufgriffen von Migranten, die die illegale Einreise von Österreich nach Deutschland versuchen. <span class="copyright">Bundespolizei</span>
Am Grenzübergang Hörbranz kommt es immer wieder zur Aufgriffen von Migranten, die die illegale Einreise von Österreich nach Deutschland versuchen. Bundespolizei

687 Festnahmen

Österreichweit wurde 2022 im Fünf-Jahres-Vergleich ein Höchststand an Schlepperfestnahmen erreicht. So weist die Bilanz des Vorjahres insgesamt 687 Schlepperfestnahmen aus. Die festgenommenen Schleuser kommen aus Syrien (99), der Türkei (69), Rumänien (52) und Ukraine (52). Unter den festgenommenen Schleppern befinden sich auch 32 Österreicher.

“Der entscheidende Faktor im Kampf gegen die Schleppermafia ist die enge und vor allem länderübergreifende Kooperation. Der Einsatz von österreichischen Polizistinnen und Polizisten in Ungarn, Serbien oder Nordmazedonien ist ein wichtiges Zeichen für gelebte, internationale Zusammenarbeit”, sagte Innenminister Gerhard Karner.

Österreichs Innenminister zu Gast bei Vorarlberg LIVE. VN/Beate Rhomberg
Österreichs Innenminister zu Gast bei Vorarlberg LIVE. VN/Beate Rhomberg

Einträgliches „Geschäftsmodell“

Schlepperei gehöre mittlerweile zu den größten und einträglichsten “Geschäftsmodellen” der organisierten Kriminalität. Die international agierende Schleppermafia habe vor allem durch die visafreie Einreise von Indern und Tunesiern in Serbien ein großes Betätigungsfeld entwickelt, indem Menschen von Serbien aus in Richtung westliche europäische Staaten weitergeschleppt werden, sagte Karner. “In Österreich wurden knapp 30.000 Tunesier und Inder nach dem Asylgesetz registriert. Durch das Ende der visafreien Einreise für Tunesier und Inder nach Serbien wurde ein wichtiger Teil der Geschäftsgrundlage der Schlepper massiv eingeschränkt.” Etwa 80 Prozent der Inder und Tunesier seien durch Schlepperorganisationen aus Serbien weitergereist.

Zudem nutzten Schlepper die Ukraine-Krieg, indem sie ihren potenziellen Opfern erklärten, dass es noch nie so leicht gewesen sei, nach Europa zu gelangen, da keine Kontrollen mehr stattfänden. “Die hohe Zahl der Schlepperfestnahmen ist einerseits auf die intensiven Kontrollen an der burgenländisch-ungarischen Grenze zurückzuführen, andererseits auf die intensive Zusammenarbeit mit den kriminalpolizeilichen Einheiten der Westbalkanstaaten”, so der Innenminister.