Ein „lasterhaftes Bilderbuch“

VN / 02.01.2023 • 16:45 Uhr
Tone Wüstner hat seit seiner Kindheit ein Faible für alles Motorisierte.
Tone Wüstner hat seit seiner Kindheit ein Faible für alles Motorisierte.

Die etwas anderen Kalender von Tone Wüstner sind gefragt und dienen auch noch einem sozialen Zweck.

Bezau Es ist ein Kalender, aber keiner von der herkömmlichen Sorte. Ein Verzeichnis der Tage nach Monaten gegliedert wird der Betrachter nämlich nicht finden. Dafür darf er sich an Geschichten über alte Lastwagen erfreuen. Seit 2014 legt Anton „Tone“ Wüstner (67) einen solchen Kalender auf.

Seinen ersten Ausfahrten mit einem Büssing verdankt Tone Wüstner seinen Spitznamen.
Seinen ersten Ausfahrten mit einem Büssing verdankt Tone Wüstner seinen Spitznamen.

Freunde, Bekannte und Kunden aus halb Europa warten immer wieder sehnsüchtig darauf. Nachdem im vergangenen Jahr 500 Exemplare nachgedruckt werden mussten, hat der Bezauer den Kalender für 2023 in einer Auflage von 2200 Stück bestellt. Doch kein einziger davon wird verkauft. Stattdessen freut sich Tone Wüstner, wenn das Spendenkonto für Hilfsprojekte in Albanien wächst. Heuer soll ein Krankenhaus in Lesha ein Rettungsfahrzeug erhalten. „Wir haben vom Roten Kreuz bereits die Zusage, wieder ein gutes gebrauchtes Auto erwerben zu können, das dann bestens gewartet und voll ausgerüstet übergeben wird“, erzählt Wüstner. Zudem steht die Renovierung eines baufälligen Hauses für eine arme Familie am Plan.

Trotz Alter fahrbereit

Die Leidenschaft für Motorisiertes packte Tone Wüstner schon als kleiner Bub. „Das Vaterunser kann er noch nicht, aber die Automarken kennt er alle“, habe weiland auch einmal der Pfarrer gepredigt. Die Anekdote bringt ihn immer noch zum Schmunzeln. Das älteste Gefährt, das in seiner Garage steht, ist ein Traktor. „Baujahr 1936“, ergänzt Tone Wüstner. Beim Reden über Autos kommt der pensionierte Bodenleger- und Seilermeister buchstäblich in Fahrt. Wie viele betagte Fahrzeuge sich in seinem Besitz befinden, weiß er nicht. Interessiert ihn auch nicht. „Hauptsache, sie sind da“, sagt er und grinst spitzbübisch. Nur eines ist sicher: Die Hallen sind voll, die meisten Autos auch fahrbereit.

Der Setra 80 Wohnbus dient den Wüstners immer noch als Reisemittel. Daneben ein Bully aus Großbritannien, ebenso in die Jahre gekommen.
Der Setra 80 Wohnbus dient den Wüstners immer noch als Reisemittel. Daneben ein Bully aus Großbritannien, ebenso in die Jahre gekommen.

Bis auf den Omnibus hat Tone Wüstner alle Führerschein-Kategorien in der Tasche. Der erste Lastwagen, mit dem er durch die Gegend kurvte, war ein Büssing. Das trug ihm den Spitzenamen „Büssing Toni“ ein. Er hat bis heute Bestand. Die Sache mit dem Kalender nahm 2006 ihren Anfang. „Ein Kollege aus der Steiermark schickte mir jedes Jahr einen“, plaudert Tone angeregt aus dem Nähkästchen. 2007 fand sich auch eines seiner Fahrzeuge darin, was die Freude am Druckwerk noch mehr steigerte. Schließlich entschloss er sich, ein „lasterhaftes Bilderbuch“ mit Autos aus dem eigenen Fuhrpark zu gestalten. Damals noch mit Kalendarium. Das ist mittlerweile zugunsten von Fotos und Text verschwunden, was der Nachfrage jedoch keinen Abbruch tut. Die Geschichten rund um die Lastwägen schreibt Tone Wüstner selbst. „Das gibt Gesprächsstoff“, freut er sich diebisch.

Ein erstes Rettungsauto ging schon nach Albanien, ein zweites soll im Frühjahr folgen.
Ein erstes Rettungsauto ging schon nach Albanien, ein zweites soll im Frühjahr folgen.

Erinnerung lebendig halten

Die Idee, den Kalender zugunsten von Spenden für Hilfsaktionen abzugeben, kam von Sohn Peter, der die Fertigung der Druckwerke finanziert. „Ich musste um keinen Euro betteln, weil eigentlich jeder den Kalender bezahlen wollte“, wertet Tone Wüstner das als große Wertschätzung. Beim ersten Mal kamen rund 10.000 Euro zusammen, beim nächsten Mal schon doppelt so viel. „Alle Gelder fließen zu 100 Prozent in Projekte für Albanien“, versichert Wüstner, der sich seit 2014 dort engagiert. Er stellt die Kalender teilweise selbst zu. In allen anderen Fällen gehen sie per Post an die Empfänger, jede Adresse handgeschrieben und mit einem Brief des Dankes für die Unterstützung. Der Kalender „Alte Laster 2023“ ist auf den Weg gebracht. Dabei wieder Lastwagenmarken, die schon Jahrzehnte nicht mehr existieren. In Wort und Bild will Tone Wüstner die Erinnerung daran lebendig halten.

Zur Person

Anton Wüstner

Alter: 67

Werdegang: Bodenleger- und Seilermeister, Gardinenfach- und Schlafberater, leitete 43 Jahre die Firma Wüstner in Mellau

Familienstand: verheiratet, zwei Söhne, drei Enkel

Wohnort: Bezau

Konto: Spendenaktion Albanien – Anton Wüstner, IBAN AT98 2060 3000 0110 5329, Sparkasse Egg, Stichwort: Rettungsauto

Tone Wüstner.
Tone Wüstner.
Dieses Titelbild ziert den neuen Kalender.
Dieses Titelbild ziert den neuen Kalender.