Welches traumatische Erlebnis zwei Vorarlbergerinnen im ÖBB-Nightjet widerfuhr

VN / 30.12.2022 • 16:30 Uhr
Welches traumatische Erlebnis zwei Vorarlbergerinnen im ÖBB-Nightjet widerfuhr
VN, APA

Sieglinde Sommer (80) ist entsetzt: „Nie mehr übernachte ich im Schlafabteil! Nicht mal geschenkt.“

Dornbirn Mit Schaudern erinnert sich die Dornbirnerin Sieglinde Sommer an die Nacht vom 24. auf den 25. November dieses Jahres zurück. Gemeinsam mit ihrer Tochter Elisabeth (52) hatte sie sich Schlafplätze im ÖBB-Nighjet gemietet. Die Reise ging von Dornbirn nach Wien. „Wir wollten meine vier Enkel besuchen, die in Wien studieren. In meinem Portemonnaie befanden sich 550 Euro. Das Geld sollte ein Geschenk für die Enkel sein“, schildert die 80-Jährige den VN.

Sieglinde Sommer mit der Anzeige in der Hand, die sie mit der Polizei in Wien ausfüllte. <span class="copyright">vn/gs</span>
Sieglinde Sommer mit der Anzeige in der Hand, die sie mit der Polizei in Wien ausfüllte. vn/gs

Tür verriegelt

Mutter und Tochter waren müde. Ein Schlafabteil des Nightjets versprach Komfort. WC und Dusche waren vorhanden. Aber auch genügend Sicherheit? „Die Zugbegleiterin hatte uns erklärt, wie man die Tür verriegelt. Das haben wir dann auch getan“, erinnert sich die rüstige Rentnerin.

Doch dann, am nächsten Morgen: „Wir hörten eine Schweizerin, die draußen im Gang verzweifelt rief, dass man ihr den Rucksack gestohlen habe. Die Frau hatte wie wir in einem Schlafabteil übernachtet“, erzählt Sieglinde Sommer.

<p class="caption">Der Nightjet hatte für eine Dornbirnerin und ihre Tochter eine unangenehme Überraschung parat. <span class="copyright">Symbol/apa/hochmuth</span></p><p class="caption">

Der Nightjet hatte für eine Dornbirnerin und ihre Tochter eine unangenehme Überraschung parat. Symbol/apa/hochmuth

550 Euro weg

Dadurch so richtig wachgerüttelt, überprüften die beiden Dornbirnerinnen nach dem Frühstück ihr eigenes Handgepäck, um sogleich böse überrascht zu werden: „Während meiner Tochter nichts fehlte, sah ich plötzlich mein Portemonnaie am Boden liegen. Ich hatte es in meiner Handtasche verstaut gehabt, die am Fußende lag. Dokumente waren zwar noch drin, aber die 550 Euro fehlten!“ Das war ein traumatisches Erlebnis für die Dornbirnerinnen. „In der Nacht muss also trotz verriegelter Tür ein Dieb in unser Schlafabteil eingedrungen sein, ohne dass wir es merkten“, sagt die Dornbirnerin, noch immer von Schrecken erfüllt.

„Wir gingen zur Zugbegleiterin und meldeten es. Doch auf die Frage, was wir tun können, sagte sie lapidar, sie werde es intern melden“, fährt die 80-Jährige fort und: „Sie hat aber gar nicht nach unseren Namen gefragt und noch gemeint, dass wir es bei der Polizei in Wien anzeigen können. Das haben wir dann sowieso gemacht.“

Keine Videoüberwachung

Der Polizist, der die Anzeige aufnahm, habe noch bemerkt, dass in diesen Zügen viel gestohlen werde und es keine Videoüberwachung gebe. „Ich sagte zu ihm, ich wüsste zwar, dass ich das Geld nicht mehr bekomme, aber ich möchte, dass die Öffentlichkeit erfährt, wie gefährlich man in diesem noblen Nightjet reist.“

Beschwerdebrief

Sommer beschwerte sich in einem Brief an die ÖBB. Unter anderem kritisierte sie darin auch die fehlende Videoüberwachung. Die Antwort des ÖBB-Kundenservice langte alsbald ein. Darin wurde etwa angeführt, „dass unsere bereits in Produktion befindlichen neuen Nightjets mit Kameras und modernen Schließanlagen ausgestattet werden“ (siehe Faksimile).

Die Antwort der ÖBB bezüglich der fehlenden Videoüberwachung.
Die Antwort der ÖBB bezüglich der fehlenden Videoüberwachung.

Sicherheit in Zügen

Anhand dieses Beispiels stellt sich die Frage: Wie sicher sind die Züge? Karl-Heinz Dietrich vom Einbruchsdezernat im Vorarlberger Landeskriminalamt möchte gegenüber den VN zunächst mal entwarnen: „Zu Diebstählen in Zügen kommt es eher nur vereinzelt. Dennoch lässt es statistisch nur schwer sagen, wie oft das in Vorarlberg der Fall ist, da ja viele Geschädigte einen Diebstahl bei Endbahnhöfen in anderen Bundesländern anzeigen. Eine Häufigkeit von Eigentumsdelikten in Zügen ist jedenfalls nicht feststellbar.“

Karl-Heinz Dietrich (Leiter Einbruchsdezernat): "Keine Häufigkeit von Eigentumsdelikten in Zügen feststellbar." <span class="copyright">vn/gs</span>
Karl-Heinz Dietrich (Leiter Einbruchsdezernat): "Keine Häufigkeit von Eigentumsdelikten in Zügen feststellbar." vn/gs

Zusammenarbeit mit der Polizei

Nicht gerade im harmonischen Einklang mit der Erfahrung der Dornbirnerin Sieglinde Sommer steht eine Aussendung der ÖBB vom vergangenen Donnerstag, in der die Zusammenarbeit der ÖBB mit der Exekutive geradezu hochgelobt wird:  „Seit nunmehr zwei Jahren werten speziell qualifizierte Mitarbeiter  der Bahn auf polizeiliche Anfrage Videobilder nach Straftaten aus und stellen der Exekutive rasch fahndungstaugliches Bildmaterial zur Verfügung, eine echte Erfolgsgeschichte. Die ÖBB verfügen über 7000 Kameras auf Bahnhöfen, an Haltestellen und sonstigen Anlagen sowie über weitere rund 5500 Kameras in Personenzügen. Das macht die Bahnhöfe und Züge der ÖBB zu besonders sicheren Orten.

Die 2021 neu gebildete Gruppe der ÖBB Öffentlichen Sicherheit zur Videodatenauswertung, ist zu einem wichtigen Partner der Polizei geworden. Mussten die Polizeifahnder früher selbst Tausende Stunden Videomaterial nach möglichen Straftätern auswerten, so übernehmen das jetzt speziell ausgebildete Mitarbeiter der ÖBB. Die ÖBB-Ermittler kennen Bahnhöfe, Züge sowie die Aufstellungsorte der Videokameras besonders gut und können dadurch im Anlassfall das Videomaterial viel gezielter durchsuchen. So werden der Exekutive rasch fahndungstaugliche Bilder zur Verfügung gestellt.  Jene Zahl der Videobilder, die von der ÖBB Öffentlichen Sicherheit seit 2021 erfolgreich ausgewertet werden konnten, ist beeindruckend: Insgesamt wurden knapp 2000 Tatverdächtige auf Videobildern unter sehr strengen datenschutzrechtlichen Vorgaben gesichtet und das Bildmaterial der Polizei übergeben“, heißt es da.