Rätsel um Lawine in Zürs und weshalb die Skifahrer noch unglaubliches Glück hatten

VN / 27.12.2022 • 16:09 Uhr
Rätsel um Lawine in Zürs und weshalb die Skifahrer noch unglaubliches Glück hatten
Lauteracher Bernd Doppler (72) ist unter anderem Sachverständiger für Sprengwesen und gibt Kurse für Lawinensprengungen. VN/Screenshot

Experten suchen nun nach einer Erklärung für das, was nicht hätte passieren dürfen.

Zürs Am Sonntagnachmittag löste sich am Trittkopf in Zürs eine Lawine im freien Skiraum, donnerte bis auf die Piste Nr. 134 (Balmen) hinab und erfasste dort zehn Skitouristen (die VN berichteten). Wie durch ein Wunder haben sämtliche Skifahrer überlebt. Allerdings wurden vier von ihnen verletzt, teilweise schwer.

Der dramatische Augenblick auf einem Video: Die Lawine rast auf die Sikahrer am Trittkopf in Zürs zu und erfasst sie. <span class="marker"><span class="copyright">Screenshot</span></span>
Der dramatische Augenblick auf einem Video: Die Lawine rast auf die Sikahrer am Trittkopf in Zürs zu und erfasst sie. Screenshot

Eigentlich hätte es an dieser Stelle zu keinem Lawinenabgang kommen dürfen. Um ihn zu verhindern, wurde dort nämlich bereits Sonntagfrüh eine Lawinensprengung vorgenommen. Dennoch löste sich Stunden später genau dort, so gesprengt worden war, das verhängnisvolle Schneebrett. Das ist sehr ungewöhnlich. Deshalb stellt sich jetzt die Frage nach dem Warum. 

Bernd Doppler, Sachverständiger für Sprengwesen, gibt auch Kurse für Lawinensprengungen. <span class="copyright">vn/steurer</span>
Bernd Doppler, Sachverständiger für Sprengwesen, gibt auch Kurse für Lawinensprengungen. vn/steurer

Ungewöhnlich, aber nicht unmöglich

Der Lauteracher Bernd Doppler (72) ist unter anderem Sachverständiger für Sprengwesen und gibt Kurse für Lawinensprengungen. Phänomene wie jenes vom vergangenen Sonntag in Zürs sind laut dem Experten ungewöhnlich, jedoch nicht unmöglich. „Wenn wir eine Sprengung vornehmen, fährt die Lawine üblicherweise zu 99 Prozent weg. Aber ich kann mich auch an zahlreiche Aktionen erinnern, bei denen sie sich erst zeitverzögert loslöste, so wie im Fall von Zürs“, erklärte Doppler den VN. „Bei der Sprengung reißt man ein Loch in den Schnee. Aber es kommt hier auch auf die Stabilität und die Bindung der Schneedecke zum Untergrund an.“

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Die Lawine müsse deshalb nicht gleich „losfahren“, so der Experte. Allerdings sei sie durch die Sprengung instabil geworden. „Und dann kann nur ein leiser Windhauch oder etwa eine Sprengung an einem Hang gegenüber ausreichen, dass sich die Lawine selbständig löst.“

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Was den kürzlichen Lawinenabgang in Zürs noch außergewöhnlicher mache, sei der Umstand, dass dort eine verhältnismäßig geringe Schneemenge lag. „Das war das unglaubliche Glück für die Skifahrer, die erfasst wurden. Die Schneemasse und das Volumen waren nicht groß. Wenn man das Video ansieht, erkennt man, dass da mehr Staub als Schnee war“, begründet der Experte. Die Gefahr, dass man sich dabei beim Sturz verletzt, sei größer als verschüttet zu werden.

Die Suche nach Verschütteten beim Lawinenkegel in Zürs: Diesmal glücklicherweise erfolglos. <span class="copyright">LR</span>
Die Suche nach Verschütteten beim Lawinenkegel in Zürs: Diesmal glücklicherweise erfolglos. LR

Wie die Alpinpolizei ermittelt

Seit Dienstag ermittelt die Alpinpolizei vor Ort in Zürs. Deren Leiter Rainer Fitz erklärte gegenüber den VN die Vorgangsweise: „Zunächst werden von uns Zeugen und Auskunftspersonen niederschriftlich einvernommen. Bei der Lawinenabrissstelle nehmen wir Daten auf, etwa über die Abrisshöhe und die Ausmaße der Lawine.“

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Bericht an die Staatsanwaltschaft

Gemeinsam mit Experten würde dann ein Schneeprofil erstellt. „Wir erheben die Fakten und Umstände und ziehen unsere Schlüsse daraus. Nach Abschluss der Erhebungen und Recherchen werden wir dann einen Bericht an die Staatsanwaltschaft erstellen“, so Fitz. Ermittelt wird unter anderem auch wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung.

Rainer Fitz, Leiter der Vorarlberger Alpinpolizei.  <span class="copyright">Polizei</span>
Rainer Fitz, Leiter der Vorarlberger Alpinpolizei. Polizei

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