Streit in Hohenems: Es geht um mehr als Naturschutz am Schlossberg

Der Graf fühlt sich überrumpelt von einer geplanten Unterschutzstellung des Schlossbergs. Die Gründe für die Verordnung reichen tiefer.
Hohenems Die Wogen rund um ein Schutzgebiet rund um die Ruine Alt-Ems und Schloss Glopper gehen hoch. Dabei dürften auch Pläne des Grafen für das Areal rund um Schloss Glopper eine Rolle spielen.
Mit Wochenbeginn wurde bekannt, dass die Stadtvertretung per einstimmigen Beschluss den Schlossberg unter Schutz stellen will. Damit wäre die bauliche Veränderung von Gebäude und Wegen wie auch des Geländes oder die Rücklassung von Abfällen rund um die beiden denkmalgeschützten Anlagen verboten. Alt-Ems und Schloss Glopper sind dezidiert ausgenommen. Diese wird nun aufgelegt, es besteht die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben.

Im Palast Hohenems gingen die Wogen hoch. Franz Clemens Waldburg-Zeil-Hohenems, Graf von Hohenems und Eigentümer des Großteils der betroffenen Grundstücke, sprach gegenüber dem ORF von einer wahrgenommenen Enteignung. Da das Anlegen von Wegen die Sicherung des Schlossberges behindern werde, drohe die Sperrung der Ruine für die Öffentlichkeit aus Sicherheitsgründen.

Deponie stehe im Raum
Für diese Argumentation hat man im Rathaus wiederum wenig Verständnis. Die Unterschutzstellung stelle die Kontinuität der bisherigen Nutzung sicher, betont Bürgermeister Dieter Egger. Sprich: Alles, was bislang möglich und erlaubt war, werde es auch bleiben. Dies reicht von Sicherungsaufgaben im Forst und dessen Nutzung bis zur Sanierung der beiden mittelalterlichen Anlagen.

Den wahren Grund für die Aufregung vermutet man im Rathaus eher woanders: Der Graf plane eine Bodenaushubdeponie bei Schloss Glopper, erklärt das Rathaus gegenüber den VN. Der Graf sei mit einer entsprechenden Idee an die Stadtverwaltung herangetreten. Für Egger ein unvorstellbares Vorhaben, schließlich bedeute dies massive Geländeveränderungen des schützenswerten Naturraums und zahlreiche Lkw-Fahrten in die Reute am dortigen Kindergarten und Volksschule vorbei auf engen Wegen. Mit der Verordnung wäre diesem Vorhaben ein massiver Riegel vorgeschoben.

Eine Schließung des Schlossberges für die Öffentlichkeit ließe sich nicht rechtfertigen. Seit Jahren werde die Ruine Alt-Ems von Experten im Auftrag des Verkehrsvereins saniert und instand gehalten. Eine Gefährdung der Besucher liegt damit nicht vor. Außerdem ist die Wegefreiheit im Forstgesetz gesetzlich gesichert. Hinzu kommt, dass ein Vertrag zwischen Stadt und der Grafenfamilie die Zugänglichkeit von Berg und Burg regelt, im Gegenzug übernahm die Stadt die Wartung der Wanderwege.
Graf widerspricht
Franz Clemens Waldburg-Zeil habe nur eine Mulde auffüllen wollen, um dort historische Obstbäume anpflanzen zu lassen, erklärt er gegenüber den VN. “Ich war hier auch mit der Naturschutzbehörde im Gespräch”, diese sei der Idee aber ablehnend gegenübergestanden und die Pläne wurden daraufhin zu den Akten gelegt, versichert Waldburg-Zeil.
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Die Verordnung nimmt er weiterhin als eine Art der Enteignung und Racheaktion wahr, seit Jahren habe sich das Verhältnis zur Stadt verschlechtert. Dabei ginge es um über die vergangenen Jahre eingeschlichene Muster, ohne Absprache aufgestellte Schilder und Ähnliches. Waldburg-Zeil fühlt sich immer wieder übergangen. “So kann man mit einem Grundstückseigentümer nicht umgehen”, wehrt er sich.

Die Verordnung in ihrer jetziger Form gehe zu weit, verhindere sie doch nach seiner Auslegung auch künftig manche Veranstaltung des Verkehrsvereins.