Serie: Wie Milka nach Bludenz kam

Die zartschmelzende Schokolade wurde ab 1907 auch in Bludenz produziert.
Bludenz Schokolade aus der Schweiz galt schon immer als besonders schmackhaft, musste aber immer weiterentwickelt werden, um diesem Ruf gerecht zu werden.
1875 gelang es Daniel Peter (verwandt mit den Familien Nestle und Cailler) erstmals erfolgreich Kondensmilch (1870 von Henry Nestle als Babynahrung erfunden) in Schokolade einzuarbeiten. Die so erzeugte Schokolade schmeckte zwar besser, einen größeren Erfolg verhinderte aber ihre brüchig-sandige Konsistenz. Die Firma Peter-Cailler ist 1929 in Nestle aufgegangen.
Schon 1828 hatte Caspar van Houten in Amsterdam die Kakaopresse patentiert, mit der er aus geröstetem Kakao Kakaobutter herauslöste. Sein Ziel war, leicht lösliches Kakaopulver als Getränk zu vermarkten. Die Kakaobutter verkaufte er fassweise als Rohstoff für Salben an Apotheker. Dem Sohn eines Apothekers in Bern, dem Berner Confiseur Rodolphe Lindt, kam dann auch die Idee, der Schokolade zusätzlich Kakaobutter hinzuzufügen und sie dadurch geschmeidiger zu machen. Vor allem aber erfand er 1879 die Conche, einen kombinierten Walz- und Rührapparat. Die damit hergestellte Schokolade wurde besonders zart. Lindt hat seine Technik fast 20 Jahre lang geheimhalten können, bis er 1899 seine Firma samt seinen Erfindungen an die Chocolat Sprüngli AG (Zürich) verkauft hat.

Den Technikern von Suchard in Neuchâtel, die seit Beginn der 1890er Jahre an Milchschokolade gearbeitet hatten, gelang 1897 die Entwicklung einer Suchard-Conche (spanisch für Muschel, wegen der hohen gewölbten Seiten). Diese vereinigt Walz-, Rühr- und Belüftungsprozesse so, dass die Bitterstoffe entweichen und die Restfeuchte der Schokolade unter ein Prozent gesenkt werden kann. Dadurch schmilzt die Schokolade schon bei niedrigen Temperaturen und wird zarter.
Im Folgejahr 1898 brachte Suchard die erste „Alpenmilch Chocolade zum Rohessen“ auf den Markt. Diese Schokolade musste man nicht mehr aufschmelzen, sondern konnte sie im Mund zergehen lassen. Diese Schokolade hieß schon bald Milka: diese Kombination aus MILch und KAkao ist in vielen Sprachen leicht auszusprechen. Ab 1901 hatte die Milka dann einen lila Umschlag mit goldenem Aufdruck. Lila war eine Modefarbe im damals vorherrschenden Jugendstil.

Milka wurde ab 1907 auch in Bludenz produziert und erwies sich schnell als Verkaufsschlager, sodass die Fabrik schon wieder zu klein wurde. In Neuchâtel und Lörrach gab es Überlegungen, die Produktion nach Budapest zu verlegen, zumal die gesamte Produktion von Bludenz per Bahn verschickt wurde, noch immer per Dampflok und eingleisig.
Aber Dominik Birchler, inzwischen 22 Jahre Direktor in Bludenz, setzte auf die hier aufgebaute Kompetenz und Erfahrung und bekam die Genehmigung zum Ausbau. 1911 bis 1913 wurde neben der alten die neue Fabrik an der Fohrenburgstraße mit fünf Stockwerken (drei für die Produktion, zwei als Lager) erstellt. Mit diesem Ausbau wurde Bludenz wirklich zur Schokoladenstadt.
Mehr zum Thema Schokoladenstadt Bludenz im Buch von Franz Schütte „Schokolade aus Bludenz, Geschichte einer Fabrik und ihrer Menschen“, erschienen 2021.