Der Doktor der Philosophie aus Hohenems, der kein Lehrer sein durfte

Jüdische Lebensgeschichten aus Hohenems. Hans David Elkan (1900–1944)
Hohenems Zum Beginn des neuen Schuljahrs werfen die VN-Heimat Dornbirn und das Jüdische Museum Hohenems einen Blick zurück ins Jahr 1937. Denn vor 85 Jahren wurde dem jüdischen Hohenemser Hans David Elkan letztmals seine Einstufung als Lehramtsanwärter beschieden. Der studierte Doktor der Philosophie, der zudem die Lehrbefugnis für die Fächer Geschichte und Geographie erlangt hatte, erhielt für diese Hospitations-Tätigkeit an der Bundesrealschule Dornbirn außerdem keine Bezahlung. 1944 wurde er im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet.

Hans Elkan kam am 22. März 1900 in Hohenems zur Welt. Seine Mutter, die Hohenemserin Betti Menz, verstarb bereits wenige Tage nach der Geburt an einer Entzündung im Unterleib. Sein Vater Theodor Elkan stammte aus Wien und kam erst mit der Hochzeit nach Vorarlberg, wo er als Bankbeamter und Versicherungsagent arbeitete. Hans Elkan besuchte als Kind gemeinsam mit Jenny und Ivan Landauer oder auch Harry Weil die Jüdische Schule in Hohenems. Seine erste schulische Erfahrung sammelte er damit beim hochdekorierten Oberlehrer Moritz Federmann, der in dieser Biografienreihe bereits behandelt wurde. Elkan besuchte danach das Gymnasium in Bregenz, wo er die Reifeprüfung mit Auszeichnung ablegte.

Hans Elkan belegte zwischen 1919 und 1927 Vorlesungen in den Fächern Philosophie, Musikwissenschaft und mittelalterliche Geschichte an den Universitäten Freiburg, Marburg und Tübingen. Mit dem Doktortitel in der Tasche übersiedelte er zunächst nach Wien, wie Werner Bundschuh in der 70. Ausgabe der jüdischen Kulturzeitschrift DAVID im September 2006 vermerkte.
Dort hielt es ihn jedoch nicht lange, denn 1929 inskribierte er an der Universität Innsbruck, um sich für das Lehramt zu qualifizieren. Die Prüfungen für Philosophie und Geschichte schloss er bereits 1931 ab, die Lehrbefähigung zum Fach Geographie folgte 1934. Schon im Schuljahr 1931/32 absolvierte er am BG/BRG Innsbruck ein erstes Probejahr, später zog es ihn zurück nach Vorarlberg, wo er am BG Feldkirch 1934 ein weiteres Probejahr abschloss, welches ihm mit sehr gutem Erfolg beschieden war.
Keine Lehrbefugnis
Trotz der Lorbeeren, die er sich den Zeugnissen entsprechend verdient hatte, verweigerte man ihm in weiterer Folge eine vollwertige Anstellung. Nur zur Hospitation, also dem Besuch bei den Unterrichtsstunden anderer Lehrkräfte, wurde ihm eine Bewilligung erteilt. Auch mit dem Wechsel an die Realschule Dornbirn (dem heutigen Bundesgymnasium) im Herbst 1935 konnte er keine richtige Lehranstellung erlangen. Die politischen Zustände hatten sich bereits weitgehend geändert und für jüdische Lehrer gestalteten sich in Vorarlberg die Möglichkeiten auch schon vor dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs denkbar schlecht. Insbesondere an der Dornbirner Realschule – die Bundschuh in seinen Ausführungen als „amtsbekannten Hort des aufkommenden Nationalsozialismus“ bezeichnete – war an ein Fortkommen Elkans nicht zu denken.
Kein Fluchtversuch
Doch die Zeiten sollten noch schlimmer werden, denn Elkan hatte im Gegensatz zu seinem Schulkollegen Harry Weil keinen Auswanderungs- oder Fluchtversuch unternommen. 1939 unterstützte er seinen Vater lediglich bei dessen vergeblichem Versuch, die Torarollen der Hohenemser Synagoge nach St. Gallen zu bringen.
Deportation und Tod
Im Mai 1940 wurde die Familie Elkan nach Wien zwangsumgesiedelt, im August 1942 folgte die Deportation ins Konzentrationslager Theresienstadt. Während sein Vater Theodor bereits nach der Ankunft ermordet wurde, mussten Hans Elkan und seine Stiefmutter Helene die Lagerhaft noch bis 1944 erdulden, ehe die Nationalsozialisten auch sie zu Tode brachten. RAE