Keine unbegrenzte Energie mehr

Vorarlberger Experten schildern ihre Meinung zu den enorm hohen Energiepreisen.
Bregenz Den Deckel auf dem Topf beim Kochen oder die Temperatur im Kühlschrank etwas herunterdrehen. Das hat jeder spätestens jetzt gehört. Doch worauf kommt es genau an, wenn der Strompreis um zehn Prozent für den Durchschnittshaushalt steigt? Und sich gleichzeitig die Preise in Vorarlberg für Heizöl, Brennholz und Holzpellets im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln?
Verena Engstler vom Energieinstitut Vorarlberg hat dazu eine klare Meinung: “Derzeit erleben wir vielleicht das Ende, zumindest aber den Unterbruch einer Zeit, in der Energie quasi unbegrenzt und spottbillig zur Verfügung stand.” Der Expertin ist offensichtlich, dass wir uns von dieser Verfügbarkeit verabschieden müssen. Genauso müssen wir lernen, die Energie bewusster zu nutzen. “Jeder Energieeinsatz muss hinterfragt werden: Ob im Tourismus, der Industrie, der öffentlichen Verwaltung oder eben daheim in der Wohnung, dem Haus und Garten”, erklärt sie. “Und als Erstes sollten wir da beginnen, wo die Reduktion des Energieeinsatzes trotzdem zum gleichen Ergebnis führt.”

Große Investitionen würden sich lohnen
Neben dem bewussten Handeln im Alltag gibt es Investivmaßnahmen, die man ergreifen könnte, um langfristig zu sparen. Jedoch sind diese nicht schnell umsetzbar und benötigen einen großen Finanzeinsatz. Das Haus dämmen, zur Warmwasserbereitung eine Solar- oder Photovoltaikanlage installieren, eine neue Heizung anschaffen, vom Diesel oder Benziner auf ein Elektroauto umsteigen oder effiziente Elektrogeräte kaufen, das sind alles kostspielige Anliegen. “Nicht jeder kann morgen sein Haus sanieren, aber wer das gerade in Angriff nimmt, soll es konsequent und mit möglichst großer Energieeinsparung tun. Wer sein Dach sanieren lässt, soll eine PV- oder Solaranlage installieren lassen. Und wer ein Auto kauft, soll überlegen, ob es das große SUV mit höherem Verbrauch sein muss, oder ob es auch eine Nummer kleiner geht”, meint die Energieberaterin.
In unseren Alltag benötigen wir bei vielen kleinen Handlungen Energie. Meist mehr wie eigentlich erforderlich. “Deckel auf dem Top klingt als Einzelmaßnahme völlig irrelevant, doch entwickelt dann Relevanz, wenn sie viele ihrer Artgenossen um sich schart”, schildert Engstler. Wenn man also in seinem normalen Tagesrhythmus mehrere Tipps zum Sparen anwendet, zum Beispiel in der Küche anfängt und sie konsequent durchführt sowie alle Potenziale nutzt, könnte man sich am Ende des Jahres einiges Geld ersparen.
Böses Erwachen
“Viele schätzen ihren Verbrauch viel zu niedrig ein”, erklärt Paul Rusching vom Konsumentenschutz der AK Vorarlberg. “Und dann kommt es zu großen Nachzahlungen.” Der Experte rät, sich die Zählerstände selbst anzuschauen und den Bedarf vom Vorjahr genau zu ermitteln. Rusching betont, dass die Aufwendungen für die Energiekostenabrechnung ordentlich gestiegen seien. Dabei suchen viele Konsumenten neue Anbieter, die günstiger sind. “Bei der jetzigen Marktsituation explodieren die Preise. Die Zeit, in der man bei alternativen Energielieferanten sparen konnte, ist vorbei”, enttäuscht Paul Rusching.
