Irritationen um Vorplatzgestaltung von Bürgermeister-Wohnsitz

VN / 01.09.2022 • 05:30 Uhr
Irritationen um Vorplatzgestaltung von Bürgermeister-Wohnsitz
Am 12. September starten die Bauarbeiten zur Neugestaltung der Anton-Schneider-Straße in Bregenz. Das Vorhaben ruft jetzt Kritiker auf den Plan.

FPÖ-Kinz ortet “merkwürdige Optik”, Anrainer ärgern sich über Verlust von Grünfläche. Bürgermeister Ritsch schwärmt hingegen von neuer Aufenthaltsqualität.

Bregenz In Bregenz tut sich was. Die Innenstadt wird autofrei, ganze Straßenzüge werden neu gestaltet. Es bleibt sprichwörtlich kein Stein auf dem anderen. Jetzt ruft jedoch ein weiterer Bauabschnitt der Quartiersentwicklung Leutbühel Kritiker auf den Plan. Die Anton-Schneider-Straße soll ein neues Gesicht erhalten. “Dafür muss eine der letzten Grünflächen der Innenstadt weichen”, ärgert sich Martin Burger, der eine Immobilie in der Straße besitzt. Der Unmut unter den Anrainern sei groß. Die letzten Flächen würden nun auch noch versiegelt.

Martin Burger vor der Grünfläche, die bald Geschichte sein wird. Damit werde wieder eine Fläche im Zentrum versiegelt. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Martin Burger vor der Grünfläche, die bald Geschichte sein wird. Damit werde wieder eine Fläche im Zentrum versiegelt. VN/Gasser

Die kostspielige Neugestaltung des Platzes vor dem Wohn- und Geschäftshaus Anton-Schneider-Straße 12, die der Nationalbank gehört, birgt auch politischen Sprengstoff. Hier wohnt seit zehn Jahren Bürgermeister Michael Ritsch in Miete, seine Frau betreibt im Erdgeschoss ein kleines Geschäft. “Da fragt man sich schon, wieso die Baumaßnahmen plötzlich weitaus großzügiger als in der ursprünglichen Planung ausfallen”, so Hubert Kinz jun., Stadtvertreter der FPÖ Bregenz und Parteiunabhängige. Er ortet jedenfalls eine merkwürdige Optik. “Das wirkt schon so, als ob hier jemand bei dem Bauvorhaben für sich selbst das Beste herausholt.”

Stein des Anstoßes: Statt der grünen Wiese soll hier ein Brunnen mit Sitzgelegenheiten entstehen. Zudem wird ein größerer Baum gepflanzt. Der Baum im Hintergrund wird aber verschwinden. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Stein des Anstoßes: Statt der grünen Wiese soll hier ein Brunnen mit Sitzgelegenheiten entstehen. Zudem wird ein größerer Baum gepflanzt. Der Baum im Hintergrund wird aber verschwinden. VN/Gasser

Tatsächlich liegen Pläne für eine Neugestaltung der Straße seit vielen Jahren in den Schubladen, verweist Michael Ritsch auf die Amtszeit von Altbürgermeister Markus Lienhart. Da habe er noch gar nicht hier gewohnt und seine Frau auch kein Geschäft betrieben. Fakt ist aber auch, dass die ursprünglichen Überlegungen weniger weitreichend waren. So ist ein Brunnen mit Sitzgelegenheiten neu dazugekommen. “Das war der Wunsch von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Geschäftstreibenden”, so Ritsch. Dadurch werde eine neue Aufenthaltsqualität für Familien und Kinder geschaffen.

In diesem Gebäude wohnt Bürgermeister Michael Ritsch seit zehn Jahren in Miete, seine Frau betreibt im Erdgeschoss ein kleines Geschäft (unten rechts). <span class="copyright">VN/Gasser</span>
In diesem Gebäude wohnt Bürgermeister Michael Ritsch seit zehn Jahren in Miete, seine Frau betreibt im Erdgeschoss ein kleines Geschäft (unten rechts). VN/Gasser

In der Stadtvertretung vom 14. Juli wurde die Neugestaltung der Anton-Schneider-Straße gegen die Stimmen der FPÖ, die sich vor allem an den hohen Kosten und der Ausdehnung der Maßnahmen zur Bergmannstraße stößt, und Stadtvertreter Alexander Moosbrugger abgesegnet. Die Bagger fahren bereits am 12. September auf, die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2023 geplant. Für 2,1 Millionen Euro soll unter anderem auf dem Platz vor der Nationalbank auf 153 Quadratmetern der Brunnen mit Sitzplatz entstehen. Zwei Bäume werden entfernt und durch einen einzelnen größeren Baum ersetzt.

Irritationen um Vorplatzgestaltung von Bürgermeister-Wohnsitz
Das sind die Pläne im Detail: Demnach gibt es vor dem Gebäude Anton-Schneider-Straße 12 nur noch einen Baum. An anderen Stellen, speziell entlang der Bergmannstraße, werden neue Bäume gepflanzt.

Insgesamt würden für das gesamte Vorhaben allerdings inklusive Bergmannstraße 14 neue Bäume gepflanzt, widerspricht Bürgermeister Ritsch der Versiegelungs-Kritik. Verarbeitet würden auch Pflastersteine und damit versiegelte Flächen wieder geöffnet. Der für Umwelt zuständige Stadtrat Heribert Hehle (Grüne) schlägt in die selbe Kerbe. Am Ende sei es eine Abwägung. “Für mich ist es eine große Aufwertung der Aufenthaltsqualität”, so Hehle.

Visualisierung des neuen Platzes vor der Anton-Schneider-Straße 12. <span class="copyright">Wimmer-Armellini</span>
Visualisierung des neuen Platzes vor der Anton-Schneider-Straße 12. Wimmer-Armellini

Das genaue Gegenteil befürchtet Martin Burger. Als Fußgängerzone mit der Neugestaltung und dem Verlust der Grünfläche verliere die Straße an Attraktivität und seine Immobilie an Wert. Auch für Stadtvertreter Hubert Kinz jun. geht wertvolles Grün verloren. Wieder wird Boden versiegelt. “Da fragt man sich schon, warum das an dieser Stelle plötzlich kein Problem sein soll.”