Häusliche Gewalt: Die Verantwortung liegt immer beim Täter

VN / 31.08.2022 • 16:00 Uhr
Häusliche Gewalt: Die Verantwortung liegt immer beim Täter
VOL, VN

Gewalt verhindern kann nur jener, der sie auch ausübt. Ulrike Furtenbach von der Gewaltschutzstelle des ifs weiß, warum Gewaltbeziehungen so lange andauern.

Bludenz, Bregenz Bei der Pressekonferenz des Landeskriminalamtes kamen erschreckende Details zur Bluttat in Bludenz von Dienstagnacht ans Licht. Ihr gingen Jahre an Beziehungsgewalt voraus, der Tatverdächtige war mehrmals wegen Gewalt gegen seine Frau in Haft. Hinzu kamen Betretungs- und Waffenverbote. Noch vergangene Woche war der 36-Jährige in Haft, nach seiner Entlassung lebte er zwar wie seine Frau in Bludenz, sie hatten jedoch getrennte Wohnsitze.

Wer Hilfe und/oder Beratung sucht, findet diese bei der IfS Gewaltschutzstelle (05/1755-535), Frauennotwohnung (05/1755-577) oder Gewaltberatung (05/1755-515)

Der Weg aus einer gewalterfüllten Beziehung ist oft nicht leicht, weiß Ulrike Furtenbach von der Gewaltschutzstelle des ifs. “Menschen gehen Beziehungen ein in der Hoffnung, dass diese lange halten. Gewaltbeziehungen dauern aus der selben Logik ebenfalls lange”, erklärt Furtenbach. Neben der emotionalen Bindung zum Partner kommt oft auch noch Angst vor ausufernder Gewalt oder finanzielle Abhängigkeit vom Partner hinzu.

Häusliche Gewalt ist dabei kein Einzelfall in Vorarlberg. Allein im ersten Halbjahr sprach die Polizei 230 Betretungsverbote aus, also mehr als eines pro Tag. In der Regel findet die Gewalt innerhalb einer Zweierbeziehung statt, in jedem zweiten Fall sind minderjährige Kinder Teil des Haushaltes. Meist geht die Gewalt vom männlichen Partner oder oft auch Ex-Partner aus. Denn das Beziehungsende ist leider in vielen Fällen nicht das Ende emotionaler oder physischer Gewalt.

<p class="caption">Ulrike Furtenbach kennt die Herausforderungen, denen sich Opfer häuslicher Gewalt stellen müssen.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker"> </span><span class="copyright">VN/Steurer</span></p>

Ulrike Furtenbach kennt die Herausforderungen, denen sich Opfer häuslicher Gewalt stellen müssen.  VN/Steurer

Doch auch wenn der Weg oft lang ist, endet er meist in einer Verbesserung der Situation, betont Furtenbach. “Die Frauen zeigen hier viel Mut, diesen Weg zu gehen und sich professionelle Hilfe zu suchen”, verweist sie auf jährlich an die 700 Klientinnen. Das Gewaltschutzgesetz stelle inzwischen ein gutes Instrumentarium zur Verfügung, um die Opfer zu unterstützen. Die Polizei setze Möglichkeiten wie das Betretungsverbot gewissenhaft ein, betont Furtenbach. Frauen werden bei Prozessen betreut und wie auch die Kinder unterstützt und beraten. Und Gewalttäter müssen inzwischen verpflichtend den Kontakt zur Gewaltpräventionsberatung aufnehmen.

“Es darf nicht passieren, dass dem Opfer das Gefühl gegeben wird, es sei schuld, dass die Gewalt nicht endet”, betont Furtenbach. “Die Verantwortung für Gewalt liegt immer beim Täter.” Nachbarschaftsprojekte wie “StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt” adressieren die Rolle von Freunden und Angehörigen, die Gewalt bemerken. Es gilt, dem Opfer eine offene Tür anzubieten und die Gewalt, nicht das Opfer zu verurteilen. Auch jene, die von häuslicher Gewalt wissen, finden Unterstützung bei der Gewaltschutzstelle.

Ulrike Furtenbach im März 2022 in Vorarlberg LIVE

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