Burgenserie: Gefangenschaft, Schlacht und Pfandschaft in Koblach

Die weitläufige Ruine Neuburg zählt zu den ältesten mittelalterlichen Wehrbauten in Vorarlberg.
Koblach Südöstlich von Koblach stehen die Reste von Schloss und Herrschaft Neuburg auf dem gleichnamigen Inselberg. Wer auf der Autobahn (Fahrtrichtung Deutschland), kurz vor der Abfahrt Götzis, seinen Blick nach links wendet, kann diese gut erkennen. Die weitläufige Ruine zählt zu den ältesten mittelalterlichen Wehrbauten in Vorarlberg.
Herzog Welf VI. war es, der den Auftrag zu ihrer Errichtung gab. In einer Schenkungsurkunde des Herzogs vom 25. Juli 1125 wird die Burg erstmals erwähnt. 1166 spielte sie eine bedeutende Rolle in der welfisch-tübingischen Fehde, denn der Pfalzgraf Hugo von Tübingen wurde auf der Neuburg gefangen gehalten.

Mit dem Tod des Herzogs Welf VI. um 1191 ging die Burg in den Besitz von Kaiser Friedrich Barbarossa über, wodurch sie an die Staufer fiel. Sie spielte eine wichtige Rolle bei der sich im Rheintal entwickelnden staufischen Herrschaft. Die gesamte auf der rechten Seite des Rheins liegende Talhälfte wurde, an der strategisch wichtigen Engstelle, vom Besitzer dieser Burganlage beherrscht. Ab circa 1268 herrschten die Reichsritter Thumb von Neuburg über das Gebiet, welche über sich nur den König sahen.

Dem durch mehrere Erbteilungen geschwächten Grafen Rudolf III. von Montfort-Feldkirch war das jedoch ein Dorn im Auge. Der Feldkircher Graf ließ die Burg in der Neuburger Fehde um 1311 von seinem Militär belagern, blieb dort aber erfolglos. Der Besitz der Reichsritter in Friesen/St. Gerold wurde jedoch verwüstet sowie, als Symbol der Niederlage, die Burg Neu-Montfort bei Götzis auf Neuburger Boden errichtet.
Im Laufe der Jahre wurden die Folgen der Fehde überwunden und die Thumb von Neuburg traten in Heiratsbeziehungen mit den Grafen von Montfort. In einem Streit zwischen den Feldkirch-Werdenbergern und den Feldkirch-Montfortern nach Mitte des 14. Jahrhunderts stellten sich die Neuburger jedoch auf die Seite der Werdenberger und gelangten somit in den Schutz von Kaiser Karl IV. Im Jahr 1362 wurde Hugo von Neuburg durch Graf Rudolf von Montfort in Feldkirch gefangen gehalten. Dies geschah trotz deren naher Verwandtschaft, Hugo war der Neffe Rudolfs.

Obwohl Hugo bald wieder freigelassen wurde, entschlossen sich sein Bruder und er selbst dazu, die Herrschaft zu verkaufen. Die Neuburg wurde an die Herzöge von Österreich verkauft, ab dem 8. April 1363 war sie der erste Besitz der Habsburger in Vorarlberg. Diese ließen die Burg fortan von Vögten oder Pfandherren verwalten.
Um 1407, während der Appenzellerkriege, gelangten das Schloss sowie seine Herrschaft in den Besitz des „Bundes ob dem See“, der ihr eine St. Gallische Besatzung gab. Im darauffolgenden Jahr wurde die Burg wieder Herrschaftsgebiet Hugos. Nach seinem Tod im Jahr 1423 ging die Burg als Erbe an die Grafen Hermann und Stephan von Montfort-Bregenz.

Im Verlauf des „alten Zürichkrieges“ im Jahr 1445 gab es ein schweres Gefecht bei der Neuburg, die Burg jedoch blieb unversehrt. Vom über 4000 Mann starken Heer der Zürcher Angreifer wurden die Landesverteidiger rasch zur Neuburg abgedrängt, aber nicht eingelassen. Dadurch fanden viele von ihnen den Tod.
Umbau und Ausbau
Anfangs bestand die Burg nur aus der auf dem erhöhten Felskopf stehenden Hochburg. Um 1460, während des Thurgauerkrieges, ließ Herzog Sigmund die Burg umbauen sowie erweitern. Zwei halbrunde Rondelle mit Geschützscharten wurden ostseitig eingebaut. Etwa 40 Jahr später erfolgte der Einbau eines mächtigen Geschützrondells im Süden. Mittels Anschüttung wurde eine innere Standfläche für Kleingeschütze im Norden errichtet.

Um 1589 wurde Graf Kaspar von Hohenems – unter der Auflage, dass das Schloss als Befestigung nur österreichischen Landesfürsten vorbehalten bleibe – Pfandherr auf Lebenszeit. Der Preis betrug 15.000 Gulden. Er investierte um 1620 etliche Tausend Gulden für bauliche Maßnahmen.
1647, kurz nachdem die Schweden Bregenz erobert hatten, nahmen sie auch die Neuburg ein. Die gut ausgerüstete Festung wurde von nur einem Soldaten bewacht und kampflos übergeben. Nach der Übernahme bezogen 90 schwedische Soldaten ihr Quartier auf der Burg und verteidigten sie erfolgreich gegen die Belagerungen von Karl Friedrich von Hohenems sowie, etwas später, General Adrian Freiherr von Enkevoirt.
Jedoch wurde die Neuburg durch die Angriffe beschädigt. So begannen nach dem Abzug der Schweden Ende Mai 1647 umfassende Reparaturarbeiten. Diese dauerten bis September 1651. Die in wirtschaftliche Bedrängnis geratenen Grafen von Hohenems mussten um 1679 die Pfandschaft aufgeben.
Große Pfandschaft Neuburg
Daraufhin vereinigte Kaiser Leopold die Herrschaft Neuburg mit den Schlössern Alt- sowie Neu-Montfort, Tosters und Jagdberg zur „Großen Pfandschaft Neuburg“. Für 50.000 Gulden verpfändete er diese an das böhmische Grafenhaus Clary-Aldringen. Um 1702 bestanden Pläne, die Neuburg wegen der Franzosenkriege auszubauen – wurden aber nicht in die Tat umgesetzt. Die Neuburg wurde im Jahre 1744 aus der Nutzung genommen und im Jahre 1769 abgebrochen. Seither ist sie eine Ruine und bereits seit 1864 Eigentum der Gemeinde Koblach.

Erhaltungsmaßnahmen
Seit 1985 finden beinahe jährlich aufwendige Erhaltungsmaßnahmen an der Burgruine Neuburg statt. Bisher wurden gesamt 5.621.815 Schilling sowie 504.394 Euro investiert. Die Firma Wilhelm & Mayer begleitet diese Arbeiten seit jeher. „Wir organisieren auch immer eine Kinderbaustelle, die gerne besucht wird“, verrät Reinhard Sonderegger von der Initiative Burgruine Neuburg stolz.
“Wir organisieren auch immer eine Kinderbaustelle, die gerne besucht wird.”
Reinhard Sonderegger, Initiative Burgruine Neuburg
Ausflugsziel Ruine Neuburg
Wir parken beim Gasthaus Krone in Koblach. Von dort laufen wir etwa 15 Minuten der Bundesstraße entlang in Richtung Götzis und biegen in die Straße „Schlosswald“ ab. Den ersten Wegweiser mit „Ruine Neuburg“ entdecken wir hier bereits. Nach einem kurzen, seichten Anstieg können wir erste Mauerreste der Ruine entdecken.

Beim ersten Informationsschild der Burgruine finden wir eine Broschüre, die über die Sanierungsarbeiten der Burg Auskunft gibt. Wir biegen dort aber nicht nach links ab, sondern laufen weiter geradeaus, sodass wir an den beiden Geschützrondellen vorbeigelangen. Nachdem wir uns weiter links halten und das jüngere Burgtor durchschritten haben, befinden wir uns nun in der damaligen Torhalle bzw. dem Aufenthaltsraum. Weiter geradeaus finden wir auch schon eine Grillstelle mit Blick auf Koblach sowie den Palas. Nach einem gelungenen Nachmittag mit feinem Grillieren der mitgebrachten Würste sowie einer ausgiebigen Erkundungstour auf Vorarlbergs zweitgrößter Burganlage begeben wir uns auf demselben Weg zurück zum Gasthaus Krone.

Ruine Neuburg, koblach
GEHZEIT 30 Minuten
KILOMETER 1,2
HÖHENMETER 30
PARKMÖGLICHKEIT Gasthaus Krone Koblach
ÖFFENT. VERKEHRSMITTEL Bushaltest. Koblach Straßenhäuser
EINKEHRMÖGLICHKEITEN Gasthaus Krone Koblach
SONSTIGES Grillstelle vorhanden
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Quelle: Die Vorarlberger Burgen – Alois Niederstätter