Die Fischretter vom Bregenzerwald

VN / 15.08.2022 • 16:00 Uhr
Die Fischretter vom Bregenzerwald
APA/Facebook

Mitglieder des Fischereivereins retteten über 2500 Forellen aus trockenen Bächen.

Schwarzach Der Regen, der in der Nacht von Sonntag auf Montag über Vorarlberg niederging, war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Wir hatten auf mehr gehofft“, sagt Alfred Mair, Obmann des Fischereivereins Bregenzerwald, und ergänzt nach einer kurzen Gedankenpause: „Da müssen wir in den kommenden Tagen wohl noch einmal hinaus.“

In solchen Bächen ist ein Überleben für Fische kaum möglich. <span class="copyright">Fischereiverein Bregenzerwald</span>
In solchen Bächen ist ein Überleben für Fische kaum möglich. Fischereiverein Bregenzerwald

Es geht darum, Fische aus ausgetrockneten Zuflüssen zu bergen, denn die anhaltend hohen Temperaturen saugen vor allem in kleinen Bächen selbst die letzten Tropfen ab. Allein in der vergangenen Woche holten freiwillige Helfer des Fischereivereins 2570 Bachforellen aus seichten Gewässern und setzten sie in der Bregenzerach wieder aus. Exemplare in allen Größen, vom Sieben-Zentimeter-Winzling bis zum 40-Zentimeter-Brocken, fanden sich in den Keschern. Für alle war die Aktion lebensrettend.

Sobald die Fische auf dem Trockenen sind, werden sie in wasserreiche Bottiche verfrachtet.
Sobald die Fische auf dem Trockenen sind, werden sie in wasserreiche Bottiche verfrachtet.

Permanente Kontrolle

Viele Zuflüsse entlang der Bregenzerach geben derzeit ein trauriges Bild ab. Manche sind komplett trocken, in anderen nur noch Rinnsale vorhanden. Neben der Hitze sind es zuweilen auch bauliche Eingriffe, die dafür sorgen, dass Wasser einfach versickert. „Es braucht dann oft zwei bis drei Jahre, bis der Boden wieder dicht ist“, erklärt Alfred Mair. Mitunter müssen die Fischretter schon im April ausrücken. Je nach Schneelage und Wetter kann bereits im Frühjahr aus lebendig sprudelnden Bächen rasch eine Steinwüste werden. „Wir schauen früh genug dazu und kontrollieren auch permanent“, bekräftigt Mair.

Die Mitglieder des Fischereivereins sind mit viel Engagement bei der Sache.
Die Mitglieder des Fischereivereins sind mit viel Engagement bei der Sache.

Strom als Magnet

Das Ausfischen erfolgt elektronisch. Der ins Wasser geleitete Strom wirkt wie ein Magnet und treibt die Fische in Richtung der Kescher. „Für die Fische ist diese Art des Fangens ungefährlich“, versichert der Fischereivereins-Obmann. Außerdem würde sie nur in speziellen Fällen wie eben diesen angewendet. Der Fischer selbst benötigt für die Durchführung eine Ausbildung. Das fachgerechte Abfischen erfolgte am Dienstag, Freitag, und Sonntag. Mair war mit sechs Kollegen im Einsatz. Über den Fang hat er genauestens Buch geführt. Am Dienstag wurden 500, am Freitag 1600 und am Sonntag 470 Bachforellen rechtzeitig herausgeholt.

In diesem Bereich ist der Bezauer Dorfbach nur noch ein erbärmliches Rinnsal.
In diesem Bereich ist der Bezauer Dorfbach nur noch ein erbärmliches Rinnsal.

Neue Heimstätte

Der Transport erfolgt in Bottichen, deren Wasser an die Bedürfnisse der Fische angepasst ist. Ein Bottich wird mit maximal 500 bis 600 Fischen gefüllt, dann geht es zur neuen Heimstätte. Die Bachforellen fanden sie in der Bregenzerach, und zwar dort, wo noch reichlich Wasser fließt, etwa im Bereich des Schnepfauer Tunnels. „Es ist zwar eine Heidenarbeit, aber wir tun das gerne“, sagt Alfred Mair. Der Fischereiverein bewirtschaftet im Bregenzerwald mit seinen 143 Mitgliedern rund 70 Kilometer Fließgewässer.