Jagdposse um deutsche Jäger im Bregenzerwald

VN / 12.08.2022 • 02:00 Uhr
Jagdposse um deutsche Jäger im Bregenzerwald
Canva, Instagram

Die Weidmänner ließen sich per Heli von der Kanisfluh holen.

Schnepfau Die „Piefke-Saga“ lässt grüßen: Im Bregenzerwald sorgt derzeit ein Jagdausflug von zwei deutschen Jagdpächtern für heftige Diskussionen. Einheimische sprechen von einem Wahnsinn. Der Jagdaufseher hat deswegen gekündigt. “Das mache ich nicht mit”, unterstreicht er.

Jagdposse um deutsche Jäger im Bregenzerwald
Die Jäger posteten mehrere Beiträge auf mehreren Kanälen in den sozialen Netzwerken. Instagram

Rückblick: Die Kanisfluh wurde vor knapp zwei Jahren unter Landschaftsschutz gestellt. Seither darf man dort weder zelten noch das Gelände ohne zwingenden Grund mit einer Drohne oder dem Hubschrauber in einer Höhe von weniger als 300 Meter überfliegen. Den neuen Pächter der Eigenjagd Wirmboden-Kanisfluh in Schnepfau war das offensichtlich egal. Auch auf den Jagdaufseher wollten die Deutschen demnach nicht hören. “Ich habe ihnen eine Grenze gesetzt. Bis dorthin dürft ihr jagen dürfen, weiter rauf geht man nicht. Erstens ist es Landschaftsschutzgebiet und zweitens ist dort der Lebensraum von Stein- und Gamswild. Aber sie haben nicht auf mich gehört”, erzählt er den VN. 

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Videos und Fotos

Die beiden Deutschen haben die 250 Hektar große Eigenjagd seit 1. April dieses Jahres gepachtet. Dem Vernehmen nach soll ihnen vom Verpächter versprochen worden sein, dass sie pro Jahr einen Steinbock auf der Kanisfluh schießen dürfen. Am Dienstag dieser Woche setzten sie das in die Tat um. Gemeinsam mit einem professionellen Jagdfilmer und zwei ortskundigen Bergsteigern machten sich die Brüder, beide um die 30 Jahre, zu Fuß in Richtung Steinbockrevier auf. Eine Nacht wurde am Berg biwakiert. In den sozialen Netzwerken posteten sie stolz Videos und Fotos von dem Ausflug.

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Für Kopfschütteln sorgt im Bregenzerwald nicht nur die Tatsache, dass sie einen weiblichen Steinbock erlegt haben. “Das ist es wirklich nur um Schussgeilheit gegangen”, ist ein Insider im Gespräch mit den VN überzeugt. Der absolute Wahnsinn sei aber, dass sie sich die bereits am Vortag einen Hubschrauber bestellt hätten, um sich und den Steinbock von der Kanisfluh runterfliegen zu lassen. Die Firma Wucher Helicopter bestätigte auf Anfrage den Einsatz. “Der Flug wurde im Rahmen der Außenlandegenehmigung Vorarlberg durchgeführt. Für uns ist das nichts Außergewöhnliches. Wir machen auch die Rinderbergungen und andere Transportflug”, erläutert Sprecher Dieter Heidegger.

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Ob oder mit welchen Strafen die Jäger rechnen müssen, war am Donnerstag nicht klar. Er kenne die Details der Geschichte noch nicht, sagt Hubert Schatz, beim Land für jagdfachliche und wildökologische Angelegenheiten zuständig. Grundsätzlich sei es aber so, “dass Technik auf der Jagd prinzipiell abgelehnt wird. Drohnen haben auf der Jagd nichts verloren und ein Hubschrauber nur in Notsituationen. Ich kann nicht generell irgendwo hingehen, wo man von Haus aus weiß, dass man das Wild nicht bergen kann und es mit dem Hubschrauber wegfliegen muss”, betont der Wildökologe.

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Drohnen haben auf der Jagd nichts verloren und ein Hubschrauber nur in Notsituationen. Ich kann nicht generell irgendwo hingehen, wo man von Haus aus weiß, dass man das Wild nicht bergen kann und es mit dem Hubschrauber wegfliegen muss

Hubert Schatz, Land Vorarlberg

Heute, Freitag soll ein Gespräch stattfinden. Der Obmann der Agrargemeinschaft Wirmboden, Karlheinz Gasser, wollte davor keine Stellungsnahme abgeben. In einem Video, das vor rund einem Montag im Vorfeld der Steinbock-Jagd veröffentlichte wurde und bei dem augenscheinlich eine Drohne zum Einsatz kam, sagte er: “Ich habe versucht, einen neuen Weg zu gehen, speziell indem ich jungen Pächtern den Zuschlag gegeben habe. Mich hat gereizt, zu sehen, wie es mit den jüngeren Pächtern gegenüber den älteren ausschaut und in was für einer Zeit man spürt, dass sich etwas tut.”