Von St. Gallen aus auch um Hohenems bemüht

VN / 12.06.2022 • 08:00 Uhr
Albert und Cäcilie Hirschfeld (geb. Rosenthal), um 1902. <span class="copyright">JM</span>
Albert und Cäcilie Hirschfeld (geb. Rosenthal), um 1902. JM

Jüdische Lebensgeschichten aus Hohenems. Albert Hirschfeld (1840–1920)

Hohenems Die VN-Heimat Dornbirn und das Jüdische Museum Hohenems werfen diese Woche in ihrer Biografienreihe erstmals einen Blick in die Geschichte der Familie Hirschfeld. Eines ihrer letzten noch in Hohenems zur Welt gekommenen Mitglieder hieß Albert und erblickte am 18. August 1840 das Licht der Welt. Während die Wurzeln der Familie bis zu den ersten jüdischen Kaufleuten der damaligen Reichsgrafschaft zurückreichen, sollten die meisten Hirschfelds im Laufe des 19. Jahrhunderts ihren Geburtsort verlassen. Albert absolvierte zunächst einige Lehrjahre in Leipzig, ehe er 1861 zu seinem Vater David nach St. Gallen übersiedelte, wo dieser noch im selben Jahr verstarb. Nach der Vermählung am 23. Mai 1867 folgte ihm schließlich auch seine Frau Cäcilie Rosenthal, die jüngste Tochter von Josef und Klara Rosenthal, in die Schweiz.

Damenkomitee zur Unterstützung des Krankenhausbaues, um 1908 (Cäcilie Hirschfeld ganz rechts). <span class="copyright">JMH/Horst Jäger, Hohenems</span>
Damenkomitee zur Unterstützung des Krankenhausbaues, um 1908 (Cäcilie Hirschfeld ganz rechts). JMH/Horst Jäger, Hohenems

Beide Eheleute stammten somit aus Textilfabrikantenfamilien, weshalb es nicht überrascht, dass Albert diese Tradition in St. Gallen fortsetzte. Schon seit 1861 führte er mit seinem Bruder Moritz und dessen Schwager das väterliche Textilgeschäft, welches bald darauf in „Hirschfeld & Guggenheim“ umbenannt wurde. Zwischen 1868 und 1880 kamen sowohl zwei Söhne als auch zwei Töchter in St. Gallen zur Welt.

Albert bemühte sich bald um das Bürgerrecht der Gallusstadt, dessen Erwerbung ihm schließlich 1878 erlaubt wurde. Darüber berichtete das St. Galler Volksblatt am 22. November in einem Artikel, der die Bürgerrechtsverleihung von insgesamt acht Personen behandelte. Während die anderen ansuchenden Herren dafür einen Betrag zwischen 300 und 800 Franken zu entrichten hatten, musste der Hohenemser stolze 1800 Franken bezahlen. Die Zeitung betitelte ihn abschätzig als „Albert Hirschfeld, ein reicher Jude“, während sie bei den übrigen Männern deren Herkunftsort anführte.

Israelitische Kultusgemeinde

1863 gründete sich in St. Gallen erstmals eine Israelitische Kultusgemeinde, der auch Albert Hirschfeld bald angehören sollte. Seine Hochzeit fand zwar noch in Hohen­ems statt, doch mit der Geburt der Kinder verlagerte sich neben dem wirtschaftlichen nun auch das private Interesse endgültig über den Rhein. Alberts Engagement in der neuen Heimat muss ein bedeutendes gewesen sein, denn ab 1898 stand er der Israelitischen Kultusgemeinde für insgesamt zehn Jahre als Präsident vor.

Gesellschaft anlässlich der Goldenen Hochzeit von Albert und Cäcilie Hirschfeld (geb. Rosenthal), am 23. Mai 1917. <span class="copyright">JMH</span>
Gesellschaft anlässlich der Goldenen Hochzeit von Albert und Cäcilie Hirschfeld (geb. Rosenthal), am 23. Mai 1917. JMH

Seine Frau Cäcilie kümmerte sich indes um eine besondere Angelegenheit in Hohenems. Dort wurde nämlich am 6. Jänner 1908 nach zweijähriger Bauzeit das Kaiserin-Elisabeth-Krankenhaus eröffnet. Die Namensgebung geschah übrigens in Erinnerung an die zehn Jahre zuvor verstorbene Gemahlin von Kaiser Franz Joseph I., Elisabeth „Sisi“ von Österreich, die sich zu Lebzeiten während ihrer Kuraufenthalte stets als „Gräfin von Hohenems“ ausgegeben hatte. Cäcilie Hirschfeld war im Vorfeld, gemeinsam mit einigen weiteren jüdischen sowie christlichen Frauen im „Damenkomitee zur Unterstützung des Krankenhausbaues“ engagiert. Zusammen organisierten sie wohltätige Veranstaltungen wie beispielsweise Basare oder Faschingskränzchen, um die Errichtung des Krankenhauses finanziell tatkräftig unterstützen zu können.

Goldene Hochzeit

Dem Ehepaar war es letzten Endes im Mai 1917 noch vergönnt, das fünfzigjährige Ehejubiläum zu feiern. Der älteste Sohn Oskar erinnerte sich in seinen Lebenserinnerungen daran, dass seine Eltern zur Feier des Tages noch vierhändig ein Stück am Klavier zum Besten gaben. Dreieinhalb Jahre später verstarb zunächst Albert Hirschfeld, Cäcilie folgte ihm vier Monate darauf. Beide wurden in St. Gallen zu Grabe getragen. RAE