Internationaler Poetry-Slam im Lustenauer Freudenhaus

VN / 10.06.2022 • 17:45 Uhr
Lisa Oberholzer aus Hohenems begeisterte das Publikum mit ihrem einfühlsamen Text.
Lisa Oberholzer aus Hohenems begeisterte das Publikum mit ihrem einfühlsamen Text.

Außergewöhnlicher Dichterwettbewerb, Verkleidungen erlaubt.

Lustenau „Es gehört viel Mut dazu, die selbstgeschriebenen Texte vor Publikum vorzutragen. Deshalb bitte ich euch um einen tosenden Applaus für unsere sieben Künstler und Künstlerinnen“, begann der Organisator des LändleSlam Ivica Mijajlovic den Abend. Junge Dichter aus Österreich, Deutschland und der Schweiz sind angereist und haben die Zuhörer im Freudenhaus mit ihren Texten beeindruckt.

Wettbewerb mit wenigen Regeln

Die Regeln sind schnell erklärt. Sieben Minuten dürfen die selbstgeschriebenen Texte sein, die Künstler und Künstlerinnen dürfen rappen und teilweise singen. Beim Poetry Slam, dem modernen Dichterwettbewerb, entscheidet am Ende das Publikum mit seinem Applaus, wer den Slam gewinnt. Normalerweise ist es nicht gestattet, sich zu verkleiden. „Doch diese außergewöhnliche Location ruft nach originellem Auftreten“, sagte Ivica. Manche Künstlerinnen und Künstler traten verkleidet vor das Publikum im Freudenhaus.

Das Publikum lauschte den literarischen Beiträgen.
Das Publikum lauschte den literarischen Beiträgen.

„Dichterwettbewerbe gab es schon bei den alten Griechen“, erzählte Ivica. Die modernen Poetry Slams fanden allerdings erst 1986 ihren Ursprung in Chicago, seit dort erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Besonders der deutschsprachige Raum verfügt nach dem englischsprachigen über eine große Slam-Szene. Am Donnerstagabend ließen die Poetry Slammer Andreas Vetsch (Zürich), Tonia Krupinsk (Tübingen), Lisa Oberholzer (Hohenems), Marvin Suckut (Konstanz), Jay-Man (Wangen), Michaela Sturm (Dornbirn) und Artem Zolotarov (Mainz) die Zuhörer auf eindrucksvolle Weise an ihren Texten teilhaben.

Zum ersten Mal fand im Freudenhaus ein Poetry Slam statt. Junge Künstler aus Österreich, Deutschland und der Schweiz begeisterten das Publikum.
Zum ersten Mal fand im Freudenhaus ein Poetry Slam statt. Junge Künstler aus Österreich, Deutschland und der Schweiz begeisterten das Publikum.

Die 23-jährige Tonia aus Tübingen in Baden-Württemberg hat erst 2019 per Zufall ihre Leidenschaft fürs Slammen entdeckt. „Ich habe auf der Uni einen Aufkleber gesehen. Mein erster Text handelte von Homophobie“, erinnerte sie sich. Seit diesem Zeitpunkt ist sie begeisterte Poetry Slammerin und verdient damit bereits Geld. Die Germanistik- und Rhetorikstudentin möchte nach ihrem Studium als Dichterin arbeiten. „Das ist meine Passion“, sagte sie.

Linda Wolf-Bachmayer (links) und Lisa-Marie Berkmann (rechts) vom Freudenhaus.
Linda Wolf-Bachmayer (links) und Lisa-Marie Berkmann (rechts) vom Freudenhaus.

Das Publikum kürte am Ende des Wettbewerbs Marvin Suckut aus Konstanz mit tosendem Applaus zum Sieger dieses Slams. Ivica Mijajlovic führte gekonnt durch den Abend und erklärte dem Publikum einmal mehr, dass Kunst eigentlich nicht bewertet werden kann. Denn jeder Künstler gibt sein Bestes und lässt die Zuhörer einen Blick in seine Seele werfen. BVS