Selbstbestimmt in der Gesellschaft

VN / 26.05.2022 • 13:00 Uhr

In Vorarlberg leben rund 140 Menschen, die persönliche Assistenz in Anspruch nehmen.

Dornbirn Der Verein „REIZ – Selbstbestimmt Leben“ startete im April 2010 das Projekt „VAG – Vorarlberger Assistenz Gemeinschaft“. Ziel war die Vermittlung von persönlicher Assistenz für Menschen mit Behinderungen in Vorarlberg.

Dieses Projekt nahm schon nach fünf Jahren alle Ressourcen des Vereins in Anspruch und auch die Anfragen wurden stetig mehr. Aus diesem Grund entschieden sich die Projektverantwortlichen, einen eigenen Verein für die Vermittlung zu gründen. „REIZ – Persönliche Assistenz“ wurde ins Leben gerufen. Da es damals öfters zu Verwechslungen der beiden Vereine kam, folgte im Mai 2016 eine Umbenennung von „REIZ – Persönliche Assistenz“ in „PAV – Persönliche Assistenz Vorarlberg“. Der Verein PAV verfügt über eine Servicestelle in Dornbirn zur Vermittlung von Assistenten, an die sich jeder Interessierte wenden darf. Die Servicestelle wird vom Land gefördert wird.

Vereinsgründerin und Obfrau Sabrina Nitz begleitet den Verein von Anfang an. Sie ist selbst Assistenznehmerin und weiß deshalb genau, worauf es bei einem selbstbestimmten Leben ankommt. Die Vereinsobfrau ist kein Einzelfall, in Vorarlberg leben aktuell rund 140 Menschen, die persönliche Assistenz in privaten Bereichen regelmäßig in Anspruch nehmen.

“Die Assistentinnen und Assistenten ersetzen meine Arme und Beine. Was diese Arme und Beine tun, bestimme ich selbst!”

Sabrina Nitz, PAV-Obfrau

Die Kriterien, um einen Assistenzantrag beim Land stellen zu dürfen, sind klar definiert. Einen Antrag stellen können Menschen mit Körperbehinderung und/oder Lernschwierigkeiten im erwerbsfähigen Alter, die über Anleitungskompetenz verfügen und in einem eigenen, privaten Haushalt leben. Anleitungskompetenz bedeutet, dass die Betroffenen ihre Assistenten selbst anlernen. Inwieweit die Anleitungskompetenzen des Einzelnen feststellbar sind, ist schwierig zu definieren. Diese Entscheidung obliegt der Landesabteilung für Gesellschaft, Soziales und Integration.

Was ist persönliche Assistenz?

Sabrina Nitz beantwortet diese Frage bildlich: „Die Assistentinnen und Assistenten ersetzen meine Arme und Beine. Was diese Arme und Beine tun, bestimme ich selbst!“ So wird Menschen mit Behinderungen eine selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Sie gestalten mit Hilfe der Assistenz ihren Lebensalltag nach persönlichen Vorstellungen und Bedürfnissen und bestimmen, welche Aufgaben zu leisten sind. Dabei entscheidet der Assistenznehmer selbst, wer die persönliche Betreuung leistet. Wann diese geleistet wird und in erster Linie, wie sie geleistet wird. Sie sind die Experten in eigener Sache.

Eine Ausbildung für persönliche Assistentinnen und Assistenten gibt es bislang nicht. Hier liegt der schlagende Unterschied zwischen Betreuung und persönlicher Assistenz. Die Selbstbestimmung und Verantwortung liegen bei den Betroffenen und nicht bei den Betreuenden. Sozial- und arbeitsrechtlich abgesichert sind Assistentinnen und Assistenten nicht, hier sieht Sabrina Nitz noch großen Handlungsbedarf.