Wie Vorarlberg mehr universitäres Wissen ins Land holen will

Schwerpunkt liegt auf Forschungs- und Ausbildungsnetzwerken.
Bregenz Jahrelang und immer wieder wurde über eine öffentliche Universität für Vorarlberg diskutiert. Nie blieb davon etwas übrig. Nun fährt das Land eine andere Strategie, um universitäres Wissen nach Vorarlberg zu holen. Es setzt auf Forschungs- und Ausbildungsnetzwerke. Ein Beispiel dafür ist die Ansiedlung des Institute of Technology (AIT) am Campus der Fachhochschule. Beim AIT handelt es sich um nicht weniger als das größte außeruniversitäre Forschungszentrum Österreichs. AIT und FH investieren in den kommenden fünf Jahren rund fünf Millionen Euro in den Aufbau der Digital Factory Vorarlberg GmbH. Die überbetriebliche Forschungseinrichtung sieht sich als Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und will Ergebnisse in Form von Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen anwendungsorientiert nutzbar machen.
HSG-Forschungsinstitut
Alsbald könnte ein weiterer bemerkenswerter Mosaikstein in das Netzwerk fallen. Vorarlberg arbeitet an einer Kooperation mit der Hochschule St. Gallen (HSG). Am kommenden Dienstag wird es dazu ein Treffen beider Regierungen geben. „Es ist geplant, eine Zusammenarbeit zwischen dem Kanton St. Gallen und Vorarlberg aufzubauen“, bestätigte Landeshauptmann Markus Wallner auf VN-Nachfrage. Konkret soll in Vorarlberg ein HSG-Forschungsinstitut für den Bereich der Digitalisierung entstehen. „Unsere Aufgabe wird es sein, die Infrastruktur bereitzustellen“, erklärte Wallner. Als Standort ist auch hier der Campus in Dornbirn im Gespräch. Dort soll sich ein Forschungscluster bilden können. „Da wäre ein Institut der HSG natürlich ein starker Beitrag und ein weiterer Schritt zur Exzellenz.“ Billiger will es der Landeshauptmann nicht geben: „Wir möchten Partnerschaften und Anknüpfungen mit den Besten.“
Forschung hat Nachholbedarf
Er sieht die Zukunft nicht mehr in einer öffentlichen Universität, sondern in sich schnell bildenden Netzwerken. Nachholbedarf gibt es laut Wallner speziell in der Forschung. Ins Konzept passt ihm da auch die Beteiligung am Verbund der Internationalen Bodensee-Hochschule, der 27 Einrichtungen umfasst. Er wird künftig noch stärker mit Unternehmen und Organisationen in der Vierländerregion zusammenarbeiten. Inhaltlich soll die Bodensee-Hochschule vor allen den digitalen Wandel unterstützen, sei es mit praxisorientierten Innovationsprojekten oder mit grenzüberschreitenden Studiengängen und Lehrangeboten. Ausgebaut wird außerdem das Kernstück, um das sich alles ranken soll, nämlich die Fachhochschule. Im Rahmen von zwei Bauetappen fließen bis 2025 mehr als 48 Millionen Euro in den Hochschulstandort. Danach bietet er Platz für 1850 Studierende.
Das Konservatorium wird Privatuni
Doch nicht nur die universitäre Forschung wird vorangetrieben, sondern ebenso die Ausbildung. So nimmt etwa die Weiterentwicklung des Landeskonservatoriums zu einer Privatuniversität für Musik konkrete Formen an. Der Akkreditierungsantrag bei der Agentur für Qualitätssicherung ist laut Markus Wallner eingereicht. Eine Entscheidung wird bis Juni erwartet. Ziel ist es, die künftige „Stella Vorarlberg Privatuniversität für Musik“ als führende Musikhochschule im Bodenseeraum zu etablieren. Sie wird unter anderem erstmals in Vorarlberg musikalische Masterstudien anbieten. Ebenfalls geprüft wird, wie berichtet, die Etablierung einer medizinischen Privatuniversität mit Anbindung an eine bereits bestehende. Schon auf Schiene ist ein berufsbegleitendes Fernstudium für die Primarstufe. Es soll helfen, den Bedarf an Lehrpersonen nachhaltig zu sichern. „Die Strategie der Netzwerke ist das Richtige für unser Land“, ist Markus Wallner überzeugt.