Das sagen involvierte Experten tatsächlich zum neuen Mohren-Logo

“Kapitulation vor dem Stammtisch”, “verschlimmbessert”, “weiterhin rassistisch”. Namhafte Experten distanzieren sich von Äußerungen, sie würden den neuen Markenauftritt gutheißen.
Dornbirn Die Wogen gehen weiter hoch. Dabei wollte Vorarlbergs größte Brauerei mit einem neuen Markenauftritt raus aus den regelmäßig wiederkehrenden Rassismusdebatten um ihr Firmenlogo. Jene Merkmale, die ein Teil der Menschen als rassistisch empfunden hätten, seien überarbeitet worden, beschrieb Mohrenbrauerei-Geschäftsführer Thomas Pachole am Dienstag dieser Woche auf einer Pressekonferenz die Neuerungen, die im Wesentlichen leichte Korrekturen an Lippen, Nase und dem gebeugten Halsansatz der Darstellung betreffen. Eine Expertenrunde, neben Historikern und Markenspezialisten auch die schärfsten Kritiker des bisherigen Auftritts, sei eingebunden gewesen. Von einem Großteil der Experten sei das neue Erscheinungsbild gutgeheißen worden, so Pachole, der aber auch anhaltende Kritik innerhalb der Runde einräumte.

Hanno Loewy war einer der beigezogenen Experten. Der 61-Jährige ist Direktor des Jüdischen Museums Hohenems und wehrt sich gegen die Darstellung, die Expertenrunde habe die neuen Entwürfe gutgeheißen. Praktisch alle Experten hätten unmissverständlich und klar gesagt: “Das könnt ihr nicht machen. “Der schwarze Kopf und Mohren, das ist und bleibt rassistisch. Da hilft auch Herumretuschieren nichts”, so Loewy. Bisher habe die Brauerei ein traditionelles, historisches Logo verwendet. “Jetzt erfindet man ein neues, rassistisches Logo. Das macht das Problem größer und nicht kleiner”. Dieses Symbol stellt “Gemeinsamkeit auf Kosten anderer her, das Logo zeigt die, die wir angeblich nicht sind”, so funktioniere Ausgrenzung. Dabei sei Vorarlberg inzwischen doch ein Ort der Vielfalt. Zur Rolle der eingeladenen Experten meint Loewy, “man wollte uns offenbar doch eher instrumentalisieren als unseren Rat haben”. Das sei schade, der gute Wille schien doch am Anfang da zu sein.

Auch Eva Grabherr stößt sich an Äußerungen der Brauerei, wonach Experten das neue Logo größtenteils für gut befunden hätten. Sie spricht von einer Irreführung der Öffentlichkeit und lässt an der eigenen Haltung keine Zweifel. Der neue Auftritt löse das Problem nicht. “Das Logo ist weiterhin rassistisch.” Die Firma solle dazu stehen, aber das neue Erscheinungsbild nicht mit Expertenpositionen legitimieren, so die Integrations-Spezialistin und Geschäftsführerin von „okay.zusammen leben“.

Deutliche Worte findet auch der Historiker Meinrad Pichler. Mit Ausnahme eines einzigen Verfechters des Logos hätte keiner der Experten gesagt: “Das kann man so belassen.” Auch historisch habe der Schwarze Mann nichts mit dem Namen Mohr zu tun, sei erst später in der Markenentwicklung dazugekommen. Das neue Logo ist für Pichler “die Kapitualtion vor dem Stammtisch”. Es sei alles “verschlimmbessert” worden, das Motiv bleibe rassistisch.

Bei der Brauerei ist man um Schadensbegrenzung bemüht. Die Kritik der Expertinnen und Experten habe man auf der Pressekonferenz kundgetan und zuletzt auch wiederholt. “Wir wollten und wollen niemanden instrumentalisieren”, so Mohrenbrauerei-Geschäftsfüher Thomas Pachole auf VN-Nachfrage. “Wir haben alle Seiten angehört und auch die Kritik in unsere Entscheidung einfließen lassen. Schließlich haben wir uns entschlossen, den Kopf in unserem Logo zu belassen und von diskriminierenden Merkmalen zu befreien”, erklärt Pachole weiter. Ein Ende der Rassismusdebatte scheint mit dem Marken-Kompromiss jedenfalls nicht geglückt zu sein.