Kaum Aussicht auf mehr Augenärzte

Nach wie vor sind sechs Kassenstellen unbesetzt.
Dornbirn Ärzte für offene Kassenstellen zu finden, bleibt eine Herausforderung. Bestes Beispiel dafür ist die Augenheilkunde. In diesem Fach hat eine Pensionierungswelle für gleich sieben vakante Stellen gesorgt. Lediglich eine Stelle konnte seit April 2021 nachbesetzt werden, und zwar in Bregenz, wo Marcin Skrzydlo eine Ordination eröffnet hat. „Leider sind damit immer noch sechs Stellen offen“, bedauert der Sprecher der Augenfachärzte, Martin Tschann. Die Augenheilkunde stellt im niedergelassenen Bereich derzeit die größte Baustelle dar. Nicht nachbesetzt werden konnte bislang auch eine in Lustenau offene Kassenstelle für Frauenheilkunde. Hinter den Kulissen laufen aber gleichzeitig die Ausschreibungen für noch besetzte Stellen heiß. Das betrifft in erster Linie die Allgemeinmedizin.
Flexiblere Reaktion
Die Ärztekammer hat ihrerseits auf die Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung reagiert und lanciert Ausschreibungen nicht mehr in der Zeitschrift „Arzt im Ländle“, sondern auf der Homepage. Zusätzlich werden die Ärzte per E-Mail über freiwerdende Stellen informiert. Damit entfällt das Warten auf den Anzeigenschluss für die jeweilige Ausgabe. „Dadurch sind wir flexibler und können auch auf kurzfristige Kassenvertragskündigungen schneller reagieren“, begründet Pressesprecher Matthias Ortner den Umstieg auf die digitale Form des Rekrutings. Weiterhin beibehalten wird die Ausschreibung offener Kassenstellen in der Österreichischen Ärztezeitung sowie im Deutschen Ärzteblatt. Auf der hauseigenen Webseite sollen die Schaltungen zweimal monatlich erfolgen.
Derzeit gibt es in Vorarlberg 351 niedergelassene Ärzte mit Kassenvertrag. Sie gliedern sich in folgende Bereiche: Allgemeinmedizin 168, Augenheilkunde 16, Chirurgie 1, Frauenheilkunde 26, HNO 12, Dermatologie 11, Innere Medizin 31, Kinderheilkunde 19, Kinder- und Jugendpsychiatrie 4, Lungenkrankheiten 7, Neurologie 8, Orthopädie 19, Plastische Chirurgie 1, Psychiatrie 13, Radiologie 8, Unfallchirurgie 1 und Urologie 6. Tatsächlich unbesetzt sind eine Vertragsstelle in der Gynäkologie sowie sechs Stellen in der Augenheilkunde. Bewerbungen auf Kassenverträge von Ärzten, die vor der Pension stehen, erweisen sich ebenfalls als zähe Angelegenheit. Im November etwa waren elf Stellen ausgeschrieben, Interessenten fanden sich keine.
Zusätzliche Ausbildungsstelle
Besonders schmerzlich ist das für Patienten, die einen Augenarzt benötigen. Dass in diesem Bereich aktuell keine Pensionierungen anstehen, beruhigt Martin Tschann nur bedingt. Er hofft, dass heuer eine weitere Kassenstelle besetzt werden kann. „Die Gespräche sind jedenfalls schon weit fortgeschritten“, bestätigt er gegenüber den VN. Notfälle würden jedoch ohne Terminvereinbarung bei allen Augenärzten versorgt, betont er und verweist noch auf das Dringlichkeitsterminsystem, über das Hausärzte direkt bei den Fachkollegen kurzfristige Untersuchungstermine vermitteln können. Seit Dezember verfügt Tschann zudem über eine Lehrarztpraxis. Eine Kollegin arbeitet derzeit in der Ordination mit. Sie wird im April zur weiteren Ausbildung an die Augenabteilung im LKH Feldkirch wechseln. Von dort rotiert ein Kollege in die Praxis. „Es gibt somit eine zusätzliche Ausbildungsstelle im Land“, kann Martin Tschann berichten und auch, dass der junge Kollege seine Ausbildung in einem Jahr beenden und dann eine Kassenstelle übernehmen wird.