So steht es um die Akzeptanz des Islamischen Friedhofs

Es war ein langer Prozess, bis er eröffnet wurde, Beerdigungen gab es afangs nur wenige in Altach.
Altach Es war ein langer Prozess, bis im Juni 2012 der Islamische Friedhof in Altach eröffnet werden konnte. Die Grabanlage mit überdachtem Bereich und einer Einrichtung für rituelle Waschungen sorgte rasch für Furore, gewann internationale Architekturpreise. Und sie sorgte für Gesprächsstoff. Fünf Jahre nach der Eröffnung waren gerade einmal 35 von 728 Gräbern belegt. Die Akzeptanz in der muslimischen Bevölkerung schien gering.

Ali Can kam 1969 nach Vorarlberg. Der heute 70-Jährige verwaltet den Islamischen Friedhof. Die einzelnen Gräber, traditionell Richtung Mekka ausgerichtet, sind noch immer spärlich auf den fünf großen Feldern der Anlage verteilt. Die jüngeren sind daran zu erkennen, dass das Erdreich aus dem Boden ragt. “In den letzten beiden Jahren sind viele dazugekommen”, sagt Can mit Blick auf den Friedhof. Das Interesse, das merke er an immer mehr Anfragen von jungen Landsleuten, sei deutlich größer.
17 Prozent Auslastung
Jüngste, den VN vorliegende Zahlen dokumentieren die Entwicklung des Islamischen Friedhofs. Mit Ende Oktober dieses Jahres waren 104 Gräber vergeben. Die aktuelle Auslastung liegt damit bei 17 Prozent. Für die Verwaltung ist die Gemeinde Altach verantwortlich. Ernüchterung lösen die Zahlen bei Bürgermeister Markus Giesinger nicht aus. “Für uns war von Beginn an klar, dass es ein längerer Prozess sein wird”, beschreibt der Ortschef eine kontinuierlich steigende Akzeptanz. Er glaube auch nicht, dass die Anlage zu groß dimensioniert sei. “Mit der zweiten und dritten Einwanderergeneration, deren Heimat Vorarlberg ist und die auch hier ihre letzte Ruhestätte haben will, wird auch der Bedarf deutlich steigen.”

Seit der Eröffnung kam es im Schnitt jährlich zu zehn Beisetzungen. Gleichzeitig wurden insgesamt 471 rituelle Waschungen durchgeführt. Ein Ausreißer in den Zahlen (26 Sterbefälle, 71 Waschungen), den Altachs Bürgermeister auf die Coronapandemie zurückführt, ist das Vorjahr. Überführungen und das Abschiednehmen in der alten Heimat seien aufgrund der eingeschränkten Reisemöglichkeiten schwierig gewesen.

Eva Grabherr, Geschäftsführerin des Vereins okay. zusammen leben begleitet den Islamischen Friedhof seit der ersten Stunde. Man habe von vornherein nicht mit einer raschen Zunahme von Belegungen gerechnet, teilt sie die Meinung des Bürgermeisters. “Noch lassen sich die Angehörigen der ersten Generation mehrheitlich in ihrem Herkunftsland begraben”, so Grabherr. Der Friedhof sei ein Projekt der zweiten und dritten Generation, weil das Bedürfnis wachse, die eigenen Eltern in der Nähe begraben zu können, auch wenn diese mehrheitlich noch andere Pläne haben, beschreibt Grabherr das Ergebnis einer Studie. Zudem werde auch bei den Jüngeren der Gedanke an die Vorsorge für den eigenen Tod dringlicher.

Auch Ali Can macht sich Gedanken. Gemeinsam mit seiner Tochter betreibt er neben der Aufgabe als Friedhofsverwalter eine kleine Firma, die Überführungen Verstorbener in die Türkei organisiert. Lange war für ihn klar, dass er in seiner Heimat begraben sein möchte. Er habe die Entscheidung aber noch nicht endgültig getroffen, sagt er. Die nächste Generation wohl schon: Sie wird in Altach die letzte Ruhe finden.
Sterbefälle, Bestattungen
2012: 6
2013: 8
2014: 4
2015: 2
2016: 11
2017: 9
2018: 15
2019: 10
2020: 26
2021: 13 (Ende Oktober)
Waschungen
2012: 12
2013: 37
2014: 39
2015: 51
2016: 47
2017: 62
2018: 59
2019: 54
2020: 71
2021: 39(Ende Oktober)
