Nach langem Hin und Her: Klosterbogen kommt jetzt doch

Hartnäckiger Kampf des Landes um Bahnausbau belohnt. ÖBB haben ablehnende Haltung aufgegeben.
BLUDENZ Es kommt Bewegung in ein Bauprojekt auf der Arlbergbahnstrecke. Nach einem jahrelangen Hin und Her haben die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) jetzt eingelenkt.
Der Klosterbogen, ein 1,2 Kilometer langer zweigleisiger Ausbau der Strecke ab dem Bahnhof Bludenz in Richtung Arlberg, soll bis 2026 umgesetzt sein. Mit dem jüngsten Rahmenprogramm der Bahn ist das Bauvorhaben zurück auf der Agenda. 38 Millionen Euro sollen investiert und damit ein lang gehegter Wunsch des Landes erfüllt werden. “Wir haben noch einmal Druck gemacht”, sagt der zuständige Landesrat Johannes Rauch (62, Grüne) im Gespräch mit den VN. Bei Bahninfrastrukturprojekten brauche es Hartnäckigkeit und einen langen Atem. “Das hat sich jetzt ausgezahlt.”
Verärgerung im Landhaus
Der Klosterbogen fand sich bis vor zehn Jahren in den Überlegungen der Bahn wieder, galt lange als Infrastrukturprojekt im ÖBB-Rahmenprogramm gesetzt. Dann wurde er zum Ärger des Landes zurückgestellt. “Weil bis 2032 kein Kapazitätsengpass auf der Arlbergstrecke zu erwarten sei”, wie es im damals veröffentlichten Zielplan 2025+ hieß. Zwischen Landhaus und ÖBB-Zentrale herrschte daraufhin dicke Luft. Immer wieder hatten Mobilitätslandesrat Rauch und Landeshauptmann Markus Wallner (54, ÖVP) auf die Dringlichkeit des Bauvorhabens hingewiesen. Man bestehe darauf, hieß es dazu trotzig von den Regierungsverantwortlichen in Bregenz. Die ÖBB zeigten dem Land indes die kalte Schulter. Zuletzt ließ die Bahn 2017 gegenüber den VN wissen, der Klosterbogen sei aktuell kein Thema, weil er von der Wirkung her sehr überschaubar wäre.

Hohe Bedeutung des Nahverkehrs
Die Rahmenbedingen scheinen sich mittlerweile geändert zu haben. Durch den erweiterten zweigleisigen Abschnitt entspanne sich die Kreuzungssituation im Fernverkehr, heißt es auf VN-Anfrage. „Diese weitere Stabilisierung der Pünktlichkeit im Fernverkehr hat auch durch den im Auftrag des Landes stark ausgebauten und sehr gut funktionierenden Nahverkehr neue Bedeutung erlangt“, so die ÖBB in einer Stellungnahme.
Projekt aufgegleist
Das Ausbauprojekt ist jetzt jedenfalls aufgegleist. „Wir gehen derzeit davon aus, dass im Wesentlichen im kommenden Jahr die konkreten Planungen stattfinden werden und anschließend der Genehmigungsprozess gestartet wird“, heißt es seitens der ÖBB weiter.

Der “Klosterbogen”, dessen Fertigstellung für 2026 erfolgen soll, ist nur als eine von mehreren Maßnahmen, um die Fahrplanstabilität und damit die Pünktlichkeit im Fernverkehr am Arlberg zu steigern. Ergänzend wird auch die Geschwindigkeit im Tunnel von 100 auf 120 erhöht und zwischen Wald am Arlberg und Dalaas der Unterbau der Gleisanlagen verbessert. Langsamfahrstellen sollen so vermieden werden. Große Auswirkungen auf die Fahrzeit werden die Bauvorhaben aber keine haben.

Das Land Vorarlberg sieht mit den Investitionen auf der Arlbergstrecke ein Minimalprogramm umgesetzt. „Wir haben ein fragiles Fahrplangefüge und brauchen Stabilität“, so Landesrat Johannes Rauch. Jede Wartezeit im Fernverkehr wirke sich unmittelbar auf den Nahverkehr aus, beschreibt auch er die erwarteten Fortschritte.
Zufrieden, aber Luft nach oben
Vorarlbergs Landesregierung fand das westlichste Bundesland in der Vergangenheit bei den ÖBB-Rahmenplänen nicht ausreichend berücksichtigt. „Österreich hört nicht bei Salzburg auf“, wurde in der Vergangenheit ein Ost-West-Gefälle geortet. Das hat sich mit der Aktualisierung in diesem Jahr offensichtlich geändert. In Summe sieht das Infrastrukturprogramm der ÖBB von 2022 bis 2027 rund 510 Millionen Euro für Vorarlberg vor. „Ich finde uns dort abgebildet, wie wir auch vorzukommen haben“, sagt Rauch. Luft nach oben gebe es aber immer. „Für die Jahre 2050 und folgende würde ich die Frage eines Arlbergbasistunnels nicht ganz von der Agenda nehmen“, so Rauch weiter.