Apotheken leiden unter Aggressionen und Coronamüdigkeit

VN / 07.11.2021 • 04:00 Uhr
Apotheken leiden unter Aggressionen und Coronamüdigkeit
Apotheker Guntram Stefan Mähr ist ausgelastet, setzt aber auf Ruhe. VN/RAuch

In Vorarlbergs Apotheken mehren sich aggressive Zwischenfälle. Apothekerpräsident spricht Kollegen Mut zu.

HÖCHST, DORNBIRN “Mich müssen sie gar nicht erst fragen. Ich arbeite mit krebskranken Kindern, wie soll ich mit denen Gurgeltests machen? Die Politiker sollen mir das mal erklären, statt immer nur zu reden”, macht eine der Kundinnen in der Schlange vor der Christopherus Apotheke in Dornbirn am Freitagvormittag ihrem Ärger Luft.

Warteschlangen vor Apotheken wie hier in Dornbirn Rohrbach sind derzeit Standard. <span class="copyright">VN</span>
Warteschlangen vor Apotheken wie hier in Dornbirn Rohrbach sind derzeit Standard. VN

Rundbrief zur Aufmunterung

Seit dem 1. November bieten die Apotheken Gurgeltests an, viele klagen regelrecht überrannt zu werden. Die Stimmung leidet ebenfalls, es mehren sich Zwischenfälle in Apotheken. “Die Anzahl der Personen, die sich zu allem ungehalten äußern und aggressives Verhalten zeigen, nimmt extrem zu”, bestätigt Apothekenverbandspräsident Jürgen Rehak. Einerseits verunsichere viele die rasant steigende Infektionsrate, andererseits kommen die Impfverweigerer immer mehr unter Druck. Hinzu kommt die Erkältungswelle und die Testungen vor Ort. Und diese Woche kämpfte man mit technischen Ausfällen bei ELGA und Großhändlern. Das Personal sei am Anschlag, warnt Rehak. “Jeder tut sein Bestes und versucht, für jeden das Optimum zu erreichen”, bittet der Apotheker um Mäßigung. Rehak will seinen Kollegen per Rundschreiben Mut und Zuversicht zusprechen – zum ersten Mal in seiner Karriere. “Das war nicht einmal im März 2020 oder im vergangenen Herbst notwendig”, betont er.

Jürgen Rehak, Präsident der Vorarlberger Apothekerkammer und des österreichischen Apothekerverbands, wünscht sich mehr Rücksicht und Verständnis. <span class="copyright">Apothekerkammer</span>
Jürgen Rehak, Präsident der Vorarlberger Apothekerkammer und des österreichischen Apothekerverbands, wünscht sich mehr Rücksicht und Verständnis. Apothekerkammer

Ruhe bewahren

In der Lebensquell Apotheke in Dornbiner Haselstauden setzt Guntram Mähr darauf, Ruhe auszustrahlen. Am Freitag seien gut doppelt so viele Menschen wie an einem gewöhnlichen Tag zum Test angemeldet, in der Hoffnung, für Montag ein Ergebnis zu haben. “Es sind auch viele, die geimpft sind. Entweder weil sie Kontakt hatten zu einem Infektionsfall, oder weil sie sich kränklich fühlen und verunsichert sind”, erklärt Mähr. Positiv waren in den vergangenen beiden Wochen bei ihm bisher aber nur ungeimpfte Personen. Getestet wird nur mit Termin, fünf Patienten schafft Mähr in einer Viertelstunde. Getestet wird draußen, sicher ist sicher.

“Die Leute sind ungeduldiger und erschöpft von der Pandemie”, hat der Haselstauder Apotheker Verständnis für die zunehmende Coronamüdigkeit der Kunden. Das Argument, er verdiene mit den Impfverweigerern gutes Geld, lässt er nicht gelten. “Am liebsten wäre mir, ich würde dieses Geld nicht verdienen”, betont Mähr. “Manche sagen, sich lassen sich aus politischer Überzeugung nicht impfen”, erläutert er. “Denen sage ich, man lässt sich nicht für die Politik, sondern für den Arbeitskollegen und Nachbarn impfen”, sieht er einen gesellschaftlichen Auftrag.