Umfrageergebnis: Bescheidene Note für Mobilität im Großen Walsertal

Das Auto rast davon, der Bus gurkt hinterher.
Großes Walsertal Das Große Walsertal hat vor allem mit dem schlechten ÖPNV zu kämpfen. Doch wie kann man die Mobilität im Großen Walsertal verbessern? Um dieses Thema ging es bei einer Befragung im Sommer, an der sich 53 Haushalte beteiligt haben. Nun wurden die Ergebnisse ausgewertet.
17 Fragen konnte die Bevölkerung zwischen Juni und Juli beantworten. Dabei ging es nicht nur um Fragen zum Haushalt (Anzahl der Personen, Führerscheine und Fahrzeuge), sondern auch um den ÖPNV (Entfernung zur nächsten Bushaltestelle, wie oft man den ÖPNV nutzt) und auch um qualitative, individuelle Vorschläge. Die meisten Rückmeldungen kamen von Sonntag und Raggal. Erreicht wurden knapp 200 Personen.
Auto auf Platz 1
Was sich herausstellte, war wenig überraschend. Die meisten Walsertaler (über die Hälfte der Befragten) benutzen vor allem das Auto als Fortbewegungsmittel. Dabei hat jeder Haushalt im Durchschnitt 1,8 Pkw, vorarlbergweit liegt dieser bei 1,3. Zu Fuß legen die Walsertaler die Strecken am zweithäufigsten zurück. Die Fußwege sind aber noch ausbaufähig, denn die Bürgersteige sind nicht durchgängig. Gerade für Kinder und Senioren ist das Zufußgehen gefährlich und der Zustand der Gehwege mehr schlecht als recht, wie 47 bzw. 45 Prozent der Befragten bestätigen. Damit mehr Menschen zu Fuß gehen würden, müsste man die Geschwindigkeit innerorts reduzieren, war der Konsens. Ebenso seien bessere Gehwege, Beleuchtung sowie zusätzliche Zebrastreifen gefordert.
Mehrheit für Radwegausbau
Das Fahrrad kommt bei den Haushalten erst an dritter Stelle, denn auch die Radwege lassen zu wünschen übrig. Die meisten Bürger geben der Radinfrastruktur gerade im Hinblick auf Kinder, Jugendliche und Senioren eine miserable Note, nur für die Erwachsenen – so die Mehrheit – sei die Radfahrsituation gut. „Sehr gut“ kreuzte aber kaum jemand an. Auch hier sei das Auftragen von Radfahrstreifen und das Aufstellen von Abstellanlagen sowie Ladestationen für E-Bikes entscheidend, damit die Bürger mehr Rad fahren. Zudem soll der Kauf von E-Bikes gefördert und eine Fahrradmitnahme im Bus ermöglicht werden. 87 Prozent stimmen für einen Radwegausbau.

Öffentliche Verkehrsmittel werden von 110 Befragten nie oder nur ab und zu im Jahr benutzt. Nur elf Prozent aller Walsertaler besitzen eine Jahreskarte für den ÖPNV. Dabei läge bei knapp 50 Prozent der Haushalte die nächste Bushaltestelle maximal 300 Meter entfernt, bei zwölf Leuten aber auch mehr als 700 Meter weit weg. Die Gründe, weshalb das Busfahren so unbeliebt ist, sind zum einen die wenige Flexibilität, zum anderen die Entfernung zur Bushaltestelle. Auch zu lange Wartezeiten und dass im Bus kein Transport großer Lasten möglich ist, kritisieren die Haushalte. Was gewünscht wird, ist eine Schnellverbindung zum Bahnhof, eine höhere Taktdichte und dass man die Fahrtzeiten mehr auf den Morgen und Abend ausweitet. „Nenzing als Knotenpunkt wäre sinnvoller“, ist Energieberater des Großen Walsertals, Andreas Bertel, der Meinung. Thüringen sei als Knotenpunkt nicht benutzerfreundlich, da die Umsteigezeiten dort nicht optimal seien.
Direktverbindung gewünscht
Würde eine Direktverbindung zum Bahnhof Nenzing führen, dann könnte man von dort direkt weiter mit dem Zug zum Arbeitsplatz fahren. Gewisse Abschnitte mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen mache Sinn, wenn man zum Beispiel mit dem Zug schneller ans Ziel kommen würde als mit dem Auto. „Der ÖPNV ist gut ausgebaut in Vorarlberg“, schwärmt der Energieberater. Er sagt nicht, dass man komplett auf den ÖPNV umsteigen muss, sondern dass man verschiedene Mobilitätsarten kombinieren sollte.
Alternativen testen
Auch alternative Mobilitätsangebote wie Carsharing, eine Fahrgemeinschafts-App oder das nachbarschaftliche Teilen eines Pkws standen zur Auswahl, wobei die Fahrgemeinschafts-App auf das größte Interesse stieß. Das Mitfahrbänkle bleibt den Walsertalern weiterhin erhalten. Andreas Bertel findet vor allem das nachbarschaftliche Teilen eines Autos „geschickt“. „Es ist nicht das Ziel, alle Autos aus dem Großen Walsertal wegzukriegen, sondern wenigstens die Zweitautos zu reduzieren“, sagt Bertel.
Als nächstes sucht er Gespräche mit den Busunternehmen, um einen Schnellbus anbieten zu können. Auch der Knotenpunkt Thüringen müsse evaluiert werden. „Es ist schwierig, einen attraktiven ÖPNV anzubieten, allein aus topografischer Sicht her. Realistisch sind Schnellbusse, Parkplätze an Haltestellen für E-Autos und gesicherte Anlagen für E-Bikes.“
„Es ist nicht das Ziel, alle Autos wegzukriegen, sondern die Zweitautos zu reduzieren.“
Andreas Bertel
Energieinstitut Vorarlberg
Kreativität in die Region holen
Eine Möglichkeit, um den Verkehr zu reduzieren, wäre laut Andreas Bertel die Ansiedlung mehrerer Klein- und Mittelbetriebe im Großen Walsertal. Dafür müsse aber zunächst die Glasfaser ausgebaut werden. „Das wäre der logische Schritt.“ Knapp 1000 Menschen pendeln jeden Tag aus dem Großen Walsertal heraus, dabei wäre die Gegend hier für Unternehmen attraktiv, ist Bertel überzeugt. „Die Gegend hier hat durchaus Potenzial.“ Gerade Firmen im kreativen und digitalen Bereich wie Softwareentwickler und kleine Dienstleistungsbetriebe wolle er ins Walsertal bringen. „Die Umgebung fördert die Kreativität. Das könnte durchaus eine zukünftige Entwicklung im Walsertal sein.“ Eine Leerstandaktivierung wäre ebenfalls denkbar. Als Beispiel nennt Bertel das leerstehende Gasthaus in St. Gerold, das seiner Meinung nach auch zu einem Kreativlabor umfunktioniert werden könnte. „Der Raum könnte individuell bespielt werden.“ Ihm schwebe eine Art „Werkstatt für Zukunftsvisionen“ vor. Momentan werde ein Wirtschaftskonzept für den Ausbau qualitativ hochwertiger Arbeitsplätze erarbeitet.
Utopisch oder realistisch?
Ein Radweg von Ludesch nach Garsella würde die Radwegsituation im Großen Walsertal verbessern, ist aber auch mit hohen Kosten von geschätzten 20 Millionen Euro verbunden. Und dieses Projekt würde, so die Ansicht von Energiemanager Andreas Bertel, das Land nicht fördern, da die Anzahl der Personen, die vom Radweg profitieren, vergleichbar gering ausfallen dürfte. Deshalb sieht Andreas Bertel es auch als „sehr unrealistisch, dass Millionen Euro für den Radweg ins Walsertal fließen“. Es sei denn, fügt er an, man nütze Synergien, indem man zum Beispiel die Geschiebetransporte (Abtransport von Kies aus der Lutz) entlang des neuen Radweges auf ein Förderband verlegen würde.