Gleichheit in allen Schichten

Der Verein Amazone macht bei den gender*impulstagen auf Ungerechtigkeit im Klassismus aufmerksam.
Bregenz Kinder von Eltern mit Hochschulabschlüssen hören bis zu ihrem vierten Lebensjahr rund 45 Millionen Wörter. Kinder aus weniger gebildeten Familien hingegen nur zehn bis 15 Millionen. Oder: von Armut betroffene Menschen sterben im Schnitt zehn Jahre früher als die sozioökonomisch Privilegierten. Diese und weitere prägnanten Sätze begrüßen die Teilnehmenden bei der Eröffnung der gender*impulstage. Ungerechtigkeiten gibt es wohl in allen Gesellschaftsschichten, denn unter Klassismus versteht man die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen, die Menschen wegen ihrer sozial-ökonomischen Herkunft von gesellschaftlicher Teilhabe ausgrenzen.

Dass die Sensibilisierung für die Unterschiede erhöht wird, dafür setzt sich der Verein Amazone ein und klärt auf. Angelika Atzinger, Geschäftsführerin des Vereins Amazone, organisiert die 13. gender*impulstage, die zum ersten Mal im Landhaus Bregenz stattfinden. Dies ist jedoch nur der Pandemie geschuldet, die Fachhochschule Vorarlberg konnte keine sichere Abhaltung garantieren. Die Zahl der Teilnehmenden ist beinahe dreistellig, das Publikum besteht hauptsächlich aus Frauen, nur eine Handvoll Männer mischt sich darunter. Dafür stammen die Teilnehmenden aus sämtlichen Bereichen, wie Bildung, Gesundheit, Wirtschaft und Politik. Auch Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker nimmt an der Fachtagung teil und bringt ihre Sorge zum Ausdruck: „Durch Corona wurde die Thematik noch einmal sichtbarer.“

Struktureller Rassismus
Aber um die Problematik deutlich zu machen, benötigt es eigentlich gar keine Pandemie, sondern nur ein genaues Hinschauen. Das wird deutlich, als die Impulsgeberinnen Antonia Flint und Heide Lutosch bei den Diskriminierungsformen ansetzen und vor allem den strukturellen Rassismus aufzeigen. Die beiden Frauen sind seit Jahren in der gendersensiblen Bildungsarbeit tätig. Sie stellen noch ein Literaturverzeichnis zur Verfügung. Es umfasst Bücher und Serien, in denen Klasse eine Rolle spielt. Dabei wird bewusst, wie allgegenwärtig das Thema ist und wie die Gesellschaft damit gepolt wird. Weiter geht es mit mehreren Vorträgen über Themen wie Wohnen in der Krise, Bildung in der Krise und stereotypische Darstellungen in Medien. Zuerst werden die Begriffe ausführlich erklärt und dann der Umgang mit ihnen reflektiert. Dem Verhalten im Publikum ist zu entnehmen, dass sich einige in gewissen Verhaltensmustern wiedererkennen. In sogenannten Austauschräumen werden die Teilnehmer miteinbezogen und bringen in Diskussionen Erfahrungen aus ihrem Leben ein. Am Ende werden Strategien gesammelt, um in Zukunft diskriminierungssensibler vor allem in der Arbeit mit Jugendlichen aufzutreten.
