Der bunte Vogel Inklusion soll fliegen lernen

Strategiepapier “Inklusives Vorarlberg” geht in die Umsetzung.
Bregenz Federleicht sieht er aus, der vielfarbige Vogel, der das Leitbild für eine inklusive Region Vorarlberg ziert. Wie einfach es sein wird, ihn zum Fliegen zu bringen, muss sich indes erst weisen. Mit einer Auftaktveranstaltung am Mittwoch im Landhaus wurde ein erster Schritt gesetzt. Zuvor haben sich im sozialpolitischen Ausschuss alle Fraktionen zu dem in zweijähriger Arbeit erstellten Strategiepapier „Inklusives Vorarlberg“ bekannt und damit dem Land den Auftrag erteilt, die definierten Zielsetzungen in die Praxis zu bringen. Zehn Leitsätze beschreiben, wie ein gutes Zusammenleben ohne jede Form von Barrieren funktionieren kann.
Rückenwind
Gestartet wurde der Prozess 2019, Mitwirkende gab es viele. Menschen mit und ohne Behinderung brachten sich ebenso ein wie Vertreter verschiedenster Organisationen und Einrichtungen. Insgesamt waren es über 300. Diese Vielfalt soll sich auch in den Maßnahmen niederschlagen. Wichtig sei die Haltung, erklärte Landeshauptmann Markus Wallner. Schon die Änderung von Behindertengesetz auf Chancengesetz habe einen Kulturwandel im Denken eingeleitet. „Eine inklusive Grundhaltung bedeutet, eine bunte Gesellschaft zu akzeptieren“, sagte Wallner. Die für Integration zuständige Landesrätin Martina Rüscher sieht mit dem Strategiepapier nun Rückenwind gegeben, aber: „Wir müssen es selber tun, das Land kann nicht alles vorgeben.“ Gemeindeverbandspräsidentin Bürgermeisterin Andrea Kaufmann verwies auf die bedeutende Rolle der Gemeinden bei der Umsetzung. „In den Gemeinden spielt sich das soziale Zusammenleben ab. Wir sind in vielen Bereichen schon mit dem Thema befasst, jetzt haben wir einen Rahmen, um es strukturiert angehen zu können“, erklärte Kaufmann.
Kämpferische Eltern
Die Inklusionssprecherin der Grünen, Vahide Aydin, strich das Bemühen vieler Eltern von Kindern mit Beeinträchtigungen heraus, die Vorreiter dieser Bewegung waren und hartnäckig für eine Teilhabe ihrer Kinder in allen Lebensbereichen kämpften. Nicole Klocker-Manser, Obfrau der Integration Vorarlberg, ist überzeugt: „Mit dem Leitbild wurde ein zentraler Schritt gesetzt.“ Dem stimmten auch andere Vertreter von Behinderteneinrichtungen zu. Nun gelte es, die Leitsätze mit Leben zu füllen, lautete der einhellige Tenor. Aktuell sind zum Thema auch zwei Ausstellungen im Landhaus zu sehen, unter anderem jene, die von der Integration Vorarlberg zum 30-Jahr-Jubiläum gestaltete.