Tiefenschärfe: Quellwasser, Naturisierung und Inseln im Bodensee

Die Vermessung des Bodenseegrundes deckte nicht nur Grundwasserquellen auf, sondern zeigt auch die Wurzeln der Bodenseeinseln.
Bregenz Das Projekt Tiefenschärfe der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IKGB), bei dem auch Österreich durch Landesbedienstete vertreten ist, warf einen detaillierten Blick unter die Wasseroberfläche. Dabei kamen auch neue Fragen auf, wie die einer Verbindung zwischen See und Grundwasser.


Die Vermesser fanden Quellen am Seeboden, über die ein Austausch mit dem Grundwasser stattfindet. 3500 Liter pro Sekunde fließen so in den See – wenig im Vergleich zu den 230.000 Litern pro Sekunde des Rheins, aber dennoch nicht zu vernachlässigen, kann dies doch Einfluss auf die Wasserqualität des Sees nehmen. Der See ist nicht zuletzt ein Trinkwasserreservoir. Baden-Württemberg entnimmt jährlich 130.000 Kubikmeter Trinkwasser und leitet es bis nach Stuttgart, Pforzheim und Heilbronn.


Publikumsmagnete sind vor allem die Inseln. Die Klosterinsel Reichenau ist ein Überbleibsel der letzten Eiszeitgletscher, eine Moränenablagerung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die seit der Römerzeit bewohnte Insel evakuiert, um 3500 KZ-Überlebenden als Quarantänelager zu dienen. Ähnlich entstanden die ursprünglich drei Lindauer Inseln, die inzwischen zu einer zusammenwuchsen. Sie sind ebenfalls eine Gletschermoräne der letzten Eiszeit. Das Blumenparadies Mainau der schwedischen Adelsfamilie Bernadotte entstand durch angespülte Molassekalkablagerungen der Alpen.


Die Uferrenaturierungen tragen dazu bei, den Bodensee als Erholungsgebiet zu erhalten. Die Schilfgürtel und Flachwasserzonen haben aber auch einen Eigenzweck: Sie dienen dem Leben im See als Kinderstube, die Seepflanzen schützen das Ufer vor Erosion. Wenig überraschend zählt die Renaturierung der Bodenseeufer zu den wichtigsten Anliegen der IGKB.