Viele Helfer und ein gemeinsames Ziel

Wie zwei Bregenzerwälder und ihr Team 80 albanische Schüler glücklich machten.
Schwarzenberg, Bezau Für Martin Meusburger (56) war es der erste, für Tone Wüstner (65) schon einer von mehreren Einsätzen. Verbunden hat die Bregenzerwälder aber das gleiche Ziel, nämlich Hilfe nach Albanien zu bringen, das noch immer zu einem der ärmeren Länder Europas gehört. Doch es sollte keine Unterstützung nach dem Gießkannenprinzip sein. Vielmehr reisten sie mit konkreten Plänen und noch mehr Handwerkszeug im Gepäck an. Es galt in Cernice, einer kleinen Ortschaft im Nordosten des Lands, ein desolates Schulgebäude auf Vordermann zu bringen.
Toiletten ohne Wasser
Erste Maßnahmen wurden mit dem Einbau neuer Fenster, Türen und Öfen bereits vor acht Jahren gesetzt. „Was es in der Schule nicht gab, war eine Spülung für die Toiletten“, erzählt Wüstner. Stattdessen musste Wasser aus einem Bottich geschöpft werden. Der Gedanke an diese unwürdige Situation ließ ihn und andere Helfer nicht los. Nach einer neuerlichen Besichtigung der Schule im vergangenen Jahr beschloss die Gruppe, das schnellstens zu ändern. Mit Martin Meusburger, Lehrer an der Landesberufsschule in Bregenz und fit in „allem, was mit Blechtechnik zu tun hat“, fand sich zudem ein Experte, der mit Kollegen anhand von Fotos die Arbeiten bereits im Voraus plante und für das nötige Material sorgte, das Installationsbetriebe gratis zur Verfügung stellten. Um das Geld für den Ausbau kümmerte sich Tone Wüstner. Da kam ihm seine Leidenschaft für Lastkraftwagen zugute. Ein daraus resultierender Kalender sprach viele Gleichgesinnte an, die bereitwillig spendeten und so das Projekt ermöglichten. Anfang Juli machte sich ein Team von sieben Personen schließlich auf den langen Weg nach Cernice.

Berührende Dankbarkeit
Eine Woche lang wurde in der Schule von morgens bis abends geschremmt, gehämmert, gesägt und gebohrt. „Zuweilen war Improvisationstalent gefragt“, erzählt Meusburger. Da habe sich die Vorplanung als sehr wertvoll erwiesen. Langes Überlegen gab es bei ihm nicht, als er gefragt wurde, ob er mitmache. „Wenn man helfen kann, hilft man“, sagt er kurz und knapp. Zudem habe so ein Projekt Hand und Fuß und komme wirklich bei jenen an, die es brauchen. Berührt hat ihn auch die Dankbarkeit der Menschen dort. Martin Meusburger berichtet von einem Mann, der beim Verputzen half und am Ende des Tages keinen Cent dafür nahm. Die einfache Begründung: Seine Tochter besuche diese Schule, deshalb wolle er mithelfen, sie zu einem schöneren Ort zu machen. Bewunderung hat ihm aber auch abgerungen, dass zwei junge Leute in der Gruppe, Anna Meusburger und Nicolas Mohr, einen Teil ihrer Ferien für diesen Einsatz opferten. „Es war eine bereichernde und wunderschöne Zeit“, resümiert Martin Meusburger und wäre sofort wieder mit dabei. „Arbeit gibt es dort genug“, merkt er schmunzelnd an. Beide, Tone Wüstner und Martin Meusburger, wissen, dass ihr Engagement in einem Land wie Albanien nur ein Tropfen auf den heißen Stein bedeutet, aber: „Es ist ein Tropfen, und irgendwann wird daraus eine große Lacke“, spinnt Wüstner den Faden weiter. Vorerst dürfen sich 80 Kinder in Cernice mit Schulbeginn über funktionierende Toiletten freuen. Dank des Talents zum Spendensammeln, das Tone Wüstner und seinen Sohn Peter auszeichnet, ging sich auch noch ein kleiner Theatersaal für die Schule aus.
