So erlebte Janine Gozzi die ersten Monate als Rotkreuz-Chefin

Ihr Ziel ist es, den Landesverband in eine gute Zukunft zu führen.
Feldkirch Seit knapp drei Monaten führt Janine Gozzi offiziell die Geschäfte des Roten Kreuzes in Vorarlberg. Sie übernahm die Blaulichtorganisation in einer denkbar schwierigen Zeit. Ihr großes Ziel ist es, den Landesverband in eine gute Zukunft zu führen.
Wie fällt Ihr bisheriges Resümee aus?
Gozzi Es war tatsächlich eine sehr schwierige, turbulente, intensive und herausfordernde Zeit, und teilweise ist sie es immer noch. Wir haben jedoch ein sehr gut eingearbeitetes Team, nicht nur in der Verwaltung, sondern in der gesamten Organisation und den ehrenamtlichen Reihen. Wir können auf ein solides Fundament bauen und das Rote Kreuz hoffentlich in eine gute Zukunft führen.
Worin bestanden die größten Herausforderungen während der Coronapandemie?
Gozzi Die größte Herausforderung für mich als Geschäftsführerin war die Aufrechterhaltung der Teststraßen, besonders dann, wenn kurzfristig Hotspots und Clusterbildungen auftauchten, wir komplett neue Teststraßen einzurichten hatten und für diese binnen kürzester Zeit die personellen Ressourcen bereitstellen mussten. Das war möglich, weil alle unsere Mitarbeitenden immer selbstlosen Einsatz gezeigt haben, und das in allen Bereichen.
Test- und Impfstraßen werden zurückgefahren. Was passiert mit den überzähligen Mitarbeitenden?
Gozzi Wir hatten in Spitzenzeiten bis zu 220 Personen mehr beschäftigt. Von diesen ist ein Großteil im März und April in ihre Jobs zurückgekehrt. Andere haben schon vorher angegeben, wann sie beim Roten Kreuz aufhören. Es gibt natürlich auch Personen, die wieder auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind, das ist jedoch immer klar kommuniziert worden. Wir haben aber auch einige übernommen. Derzeit gibt es 13 offene Stellen, und wir hoffen auf weitere Bewerbungen.
Sollte im Herbst eine weitere Infektionswelle heranrollen, wären Sie bereit?
Gozzi In einem solchen Fall liegt es in erster Linie am Land, die Teststrategie zu definieren und festzulegen. Ich gehe davon aus, dass, sollte der Betreiber der Teststraßen Unterstützung brauchen, das Land wieder aktiv auf uns zukommen wird.
Das Rote Kreuz war auch oft mit Vorwürfen konfrontiert, etwa im Zusammenhang mit den Teststraßen…
Gozzi Meiner Ansicht nach waren die Vorwürfe nie gegen das Rote Kreuz gerichtet, sondern eher an einzelne Personen. Wir waren und sind nach wie vor für das Land ein zuverlässiger Partner in dieser Gesundheitskrise.
Haben Sie das Gefühl, die Reputation der Organisation ist angekratzt?
Gozzi Das Image des Roten Kreuzes wurde dadurch nicht angekratzt, ganz im Gegenteil. Wir haben gemerkt, dass die Bevölkerung sehr wohl weiß, was wir leisten. Das zeigten viele interne und externe Rückmeldungen. Für uns als Organisation hat die Gesundheitskrise auch etwas Positives bewirkt: Sie hat uns noch mehr zusammengeschweißt.
Worauf konzentriert sich das Rote Kreuz jetzt?
Gozzi Wir werden unseren Fokus verstärkt auf das Vereinsleben richten, das massiv unter der Pandemie gelitten hat, das aber die Basis für die Aufrechterhaltung des Rettungs- und Krankentransportdienstes darstellt. Gleiches gilt für den Aus- und Fortbildungsbereich, das Jugendrotkreuz, die Blutspendeaktionen: Alles soll wieder in einem Rahmen stattfinden, in dem ein Austausch möglich ist.
Wie sieht es mit dem Interesse bei Ehrenamtlichen aus?
Gozzi Wir hatten im April und Mai eine Imagekampagne, die toll gelaufen ist und rund 80 Bewerberinnen und Bewerber für das Ehrenamt brachte, 35 haben sich bereits für eine Ausbildung zum Rettungssanitäter angemeldet. Einige sind noch auf der Warteliste. Da generieren wir wieder starke Unterstützung für unseren Verein.
Das Rote Kreuz in Zahlen
383 hauptberufliche Mitarbeiter
260 Zivildiener
1500 ehrenamtliche Mitarbeiter
465.000 ehrenamtliche Stunden
103.200 Corona-Einsatzstunden
204.768 Gesundheits- und Coronaberatungen 1450
102.755 Rettungs- und Krankentransporteinsätze
4109 Hygienetransporte
105 Einsatzfahrzeuge
2.966.427 Einsatzkilometer
15.340 Vollblutspenden
27.719 Rufhilfe-Notrufe
39.000 unterstützende Mitglieder