Galgenul: Keine Entscheidung bezüglich Hotel Vaya und Quartiersentwicklungsprozess

VN / 26.06.2021 • 10:00 Uhr
Galgenul: Keine Entscheidung bezüglich Hotel Vaya und Quartiersentwicklungsprozess
Baustelle in Galgenul: Vorne entsteht der Silvretta Park, schräg hinten soll das Hotel Vaya gebaut werden. VN/STEURER

Gemeindevertreter befürchten ein Verkehrschaos und wollen zuerst ein vernünftiges Verkehrskonzept, bevor die Vaya ihr Hotel bauen darf.

Galgenul Noch ist nichts entschieden in puncto Quartiersentwicklungsprozess (QEP) und Hotel Vaya in Galgenul. Nachdem die Bürger Einwände zur geplanten Quartiersentwicklung in Galgenul bei der Gemeinde St. Gallenkirch eingereicht hatten, entstanden viele offene Fragen, aber auch neue Bedenken. Diese wurden wiederum in der Gemeindevertretung diskutiert und mit der Vaya Holding GmbH aus Tirol sowie der Silvretta Montafon GmbH (SiMo) besprochen. Eigentlich wollte man in der letzten Gemeindevertretungssitzung nur den Quartiersentwicklungsprozess abschließen und die Umwidmung der Vaya-Fläche genehmigen, doch dazu kam es erst gar nicht.

Keine „Blackbox“

Dabei gibt sich die Vaya größte Mühe, die Vorgaben aus dem QEP umzusetzen. Das Hotel werde eingerückt, der Vorplatz mit Restaurants bestückt, sodass „ein Spiel zwischen außen und innen“ entsteht, stellte Franziska Zahn vom Architekturbüro Jäger die baulichen Aspekte des Vaya-Hotels auf der Gemeindevertretungssitzung vor. Die sechs einzelnen Gebäude werden unterirdisch miteinander erschlossen und verfügen über einen gemeinsamen, parkähnlichen Lichthof. Der Wellnessbereich wird in den hinteren Bereich verlegt. Die Geschosse mit je 28 Betten in den Haupt- und 18 Betten in den Nebengebäuden werden ähnlich aufgebaut. Die Zimmer in den höheren Preisklassen beinhalten außerdem eine Sauna sowie eine Badewanne. Gerade seien die Planer an der Fassadengestaltung dran, bei der Holz dominieren werde.

Knapp 500 Sitzplätze werden in den beiden Restaurants den Gästen zur Verfügung stehen, das eine hat Speisen à la carte, das andere ein Buffet. Die Restaurants sind darauf ausgelegt, mit Hotelgästen befüllt zu werden. Je nach Kapazität könnten aber auch Gäste von außerhalb bzw. Einheimische einen Teilbereich mitbenutzen, überlegte Wolfgang Plattner von der Vaya Group. Hans Jörg Schwarz fände nämlich eine „Blackbox extrem schade“, also, wenn das Restaurant nicht öffentlich zugänglich gemacht werde.

Tiefgaragenzufahrt problematisch

340 Tiefgaragenstellplätze wird es geben – nur für das Hotel Vaya. Die Tiefgaragenzu- und -einfahrt gefiel aber nicht jedem Gemeindevertreter. Die Einfahrt erfolgt zwar ebenerdig, wird nach hinten versetzt und ist aufgrund ihrer Überdachung „nicht so auffällig“, erläuterte Zahn, trotzdem führt die Zufahrt zur Tiefgarage bei den Anrainern vorbei. „Da fahren hunderte Autos an Wechseltagen, was letzten Endes zu einem Verkehrskollaps führen wird. Das wird eine Katastrophe! Wir haben ja jetzt schon Verkehrsprobleme“, war Anton Feichtner erbost. „Erst muss ein 100-prozentiges Verkehrskonzept her, bevor wir 500 Betten errichten.“

Generell ist das fehlende oder unzureichende Verkehrskonzept in Galgenul das größte Problem. Denn zu allem Übel fallen auch noch hunderte Parkplätze weg, wenn die Vaya ihr Hotel auf der freien Fläche gegenüber der Valiserabahn baut. Die SiMo hat im Winter 2018/19 eine Stellplatzanalyse für Galgenul gemacht. Insgesamt 1780 Parkplätze stehen den Touristen sowie dem Personal zur Verfügung. Allein 600 dieser Parkplätze befinden sich aktuell auf dem Vaya-Grundstück. Aber Geschäftsführer der SiMo, Martin Oberhammer, entschärfte: „Das Verkehrsaufkommen im Zentrum von Galgenul wird massiv reduziert, wenn auf dem derzeit als Tagesparkplatz genutzten Areal ein Hotel errichtet wird. Hotelgäste reisen nicht täglich an oder ab. Die dadurch entfallenden Tagesparkplätze können auf dem Gelände des Bauhofes der Silvretta Montafon flächenschonend realisiert werden. Tagesgäste würden also gar nicht mehr ins belebte Zentrum fahren.“

“Auf beiden Seiten herrscht Unzufriedenheit über die bestehende Situation.”

Martin Oberhammer, Geschäftsführer der Silvretta Montafon

Eugen Lorenzin ist zweigeteilter Meinung: „Wir haben gejammert, dass wir zu wenig gewerbliche Flächen haben. Wir haben um mehr Betten gebettelt. Daher befürworte ich das Hotelprojekt Vaya. Mir gefällt aber nicht der Quartiersentwicklungsplan. Wir sind von der Infrastruktur her nicht für mehr Betten gerüstet und schlecht auf die Gäste vorbereitet.“ Auch, dass die Zufahrt seit 40 Jahren über eine Privatstraße verlaufe, missfällt Lorenzin. Martin Oberhammer räumte ein, dass es momentan eine ungeregelte Situation mit der Straße gebe. „Wir müssen dringend den Straßenverlauf klären und klare Verhältnisse mit den Eigentümern schaffen“, forderte der SiMo-Chef. „Auf beiden Seiten herrscht Unzufriedenheit über die bestehende Situation. Deswegen müssen wir uns alle mal gemeinsam an einen Tisch setzen.“

Gabi Juen will auch zunächst die Verkehrssituation verbessern, bevor Vaya baut. „Sonst ist das Chaos perfekt.“ Ein überdachter Fußweg soll wenigstens die Besucherströme lenken. Und trotzdem wird die sechs Meter breite „Engstelle“ zwischen Talstation und Aparthotel Spitzers bleiben. „Ich kann keine Beruhigungszone machen, wo eine Hauptstraße durchläuft und ein Kreuzungsbereich ist“, so Lorenzin.

Entschluss vertagt

Da mehrere Gemeindevertreter ihre Bedenken hatten, wurde der Beschluss des QEPs und die Umwidmung der Vaya-Fläche vertagt. Das Vaya-Projekt soll nun schnellstmöglich in Stein gemeißelt werden. „Mit Vaya haben wir einen Partner mit langer Ausdauer“, sagte Bürgermeister Josef Lechthaler. Und auch Daniel Fritz zollte der Vaya seinen Respekt: „Ich habe ein Wahnsinnsrespekt vor Ihrer Geduld und möchte es auf keinen Fall verzögern.“ Offene Fragen werden jetzt zusammen mit der Gemeindevertretung, SiMo und Vaya geklärt. Aber Lechthaler ist sich sicher, dass die Umwidmung des Vaya-Grundstücks komme, denn die Auflagen dafür wurden bereits von den Gemeindevertretern abgesegnet. VN-JUN