Impf-Causa in Heimen weitet sich aus

VN / 19.01.2021 • 20:12 Uhr
Impf-Causa in Heimen weitet sich aus
Wie jetzt bekannt wurde, erhielt auch die Rankweiler Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall eine Coronaschutzimpfung. AFP, Franc

Nach Feldkirchs Bürgermeister Matt bestätigte auch Rankweils Ortschefin Wöß-Krall eine Impfung im Heim.

feldkirch, rankweil Die Wogen haben sich längst nicht geglättet, schon wird der nächste Fall einer Politikerin publik, die sich in einem Seniorenheim impfen ließ. Katharina Wöß-Krall (44), ÖVP-Bürgermeisterin in Rankweil, bestätigt am Nachmittag VN-Informationen, wonach sie bereits am 13. Jänner im Haus Klosterreben die begehrte Vakzine von Biontech-Pfizer verabreicht bekam. Geplant sei das so nicht gewesen. „Es waren gegen Ende noch Impfdosen übrig“, erzählt sie. Da habe sie nicht Nein gesagt, sonst hätte man den teuren Impfstoff ja wegwerfen müssen. Berechtigt oder nicht berechtigt? Dass jetzt “so ein Theater” um die Impfungen von Bürgermeistern gemacht wird, verstehe sie nicht. „Ich habe mich nicht vorgedrängt, niemandem etwas weggenommen“, sagt die 44-Jährige. Dass sie geimpft wurde, habe sich ergeben. An der Darstellung der Bürgermeisterin lassen Beobachtungen anderer Impfteilnehmer Zweifel. Es hätten Mitarbeiter aus Hilfsdiensten ohne Impfung den Nachhauseweg antreten müssen, so die Quellen zu den VN.

Letzte Dosis ergattert

Für Aufregung hatte bereits eine Geschichte über die Impfung des Feldkircher Stadtchefs Wolfgang Matt (ÖVP, 65) zu Wochenbeginn in den VN gesorgt. Der Bürgermeister hatte am Samstag die letzte Dosis im Zuge einer Impfaktion im Haus Gisingen ergattert. Die Heimärztin weigerte sich, den Politiker zu impfen, weil sie diese Ungerechtigkeit nicht mittragen wollte, wie Susanne Furlan selbst sagt. Die „Causa Matt“ schlug hohe Wellen. Der Bürgermeister gab gestern eine persönliche Erklärung ab, bekräftigte dabei, niemanden um die ihm laut Priorisierung zustehende Impfung gebracht zu haben. Gleichzeitig räumte er ein, dass es in der Rückschau besser gewesen wäre, die Impfdosis verfallen und entsorgen zu lassen. Er bedauere.

Deutliche Worte

Wenig Rückendeckung gab es für das Verhalten des Feldkircher Bürgermeisters von ÖVP-Chef Markus Wallner, der klare Worte fand. „Das war eine wenig sensible Vorgehensweise“, kommentierte der Landeshauptmann. Und weiter: „Die Impfphasen sind einzuhalten.“ Das Land will die Maßnahmen zur fairen Impfstoffverteilung nun verschärfen. Alten- und Pflegeheime, die noch Erstimpfungen durchführen, wurden darauf hingewiesen, dass übriggebliebener Impfstoff nur an Personen aus der Phase 1 weitergegeben werden darf. In den Spitälern kann das Einschleusen von noch nicht impfberechtigten Personen sogar dienstrechtliche Konsequenzen zeitigen.

Besondere Brisanz erhält der Vorfall auch vor dem Hintergrund, dass der Impfstoff derzeit äußerst knapp ist. Umso wichtiger sei es, den klar definierten Stufenplan einzuhalten. Wallner räumte ein, dass die Bürgermeister gebeten worden sind, bei den Impfungen in den Pflegeheimen dazuzuschauen, aber: „Unter Betreuung habe ich nicht verstanden, sich selbst impfen zu lassen.“

Heftige Reaktionen

Heftig fielen die Reaktion der politischen Wettbewerber aus. So forderte etwa FPÖ-Landesobmann Christof Bitschi den Landeshauptmann auf, dieses „offensichtliche ÖVP-Günstlingssystem in Vorarlberg sofort abzustellen“. Auch Nina Tomaselli (Grüne) zeigte sich entsetzt. „Ich halte es für schamlos, sich vorzudrängen und anderen Risikopatienten den Impfstoff wegzunehmen.“
Auch das Gesundheitsministerium hält nichts von Vordrängeleien bei der Coronaimpfung. Auf VN-Anfrage nimmt das Ressort die Länder in die Pflicht. Die Vorgabe sei klar. „Übrig gebliebene Impfdosen sollen an Ersatzpersonen verimpft werden – klar der Prioritätenreihung entsprechend.“

Mitarbeit: VN/Marlies Mohr, VN/Birgit Entner-Gerhold