Spitäler erhöhen langsam die Grundversorgung

Als Ersatz für Spitalsbetten kommt ein Notversorgungszentrum.
Dornbirn Zeiten wie diese verlangen nach Gegenleistungen. Wird auf der einen Seite eine Maßnahme gelockert, muss auf der anderen eine gesetzt werden. In diesem Fall geht es um die Ankurbelung der auf ein Minimum reduzierten Grundversorgung in den Krankenhäusern. Derzeit sind dort 500 Betten für Covid-Patienten reserviert. Jetzt will das Land 200 aus diesem Verbund herauslösen und sukzessive wieder für andere Patientengruppen freigeben. Als Ersatz für diese Betten wird derzeit auf dem Gelände der Messe Dornbirn ein Notversorgungszentrum eingerichtet. Es ist bei Bedarf für Covid-19-Patienten mit einem leichteren Krankheitsverlauf gedacht. Alle Betten sind mit Sauerstoffanschlüssen ausgerüstet.
Möblierte Kojen
Das Land lässt sich diese Vorsorge rund 800.000 Euro kosten. Spätestens am 20. April sollen alle Kojen samt Möblierung fertig sein und in Betrieb gehen. „Dies allerdings nur, wenn genügend Schutzausrüstung vorhanden ist“, schränkte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher ein. Da sind immer noch Engpässe zu befürchten, auch weil die Masken häufig wegen Qualitätsmängeln unbrauchbar sind. Noch lieber wäre den politisch Verantwortlichen, das Notversorgungszentrum würde gar nicht gebraucht. Deshalb wieder ihr eindringlicher Appell: Regeln einhalten, besonders über die Osterfeiertage. „Das Osterwochenende entscheidet über die nächsten Schritte, die gesetzt werden können“, machte Landeshauptmann Markus Wallner deutlich.
Noch ist viel Arbeit nötig, um das Lazarett zur Vollendung zu bringen. Jede Koje ist mit Betten für zwei Patienten, einem kleinen Tisch, um die Mahlzeiten einzunehmen, sowie einem persönlichen Garderobenbereich ausgestattet. Es genügt, um zu gesunden. Belegt wird das Provisorium ohnehin erst, wenn in den Spitälern 70 Prozent der Bettenkapazitäten ausgelastet sind. „Verschlechtert sich der Zustand eines Patienten im Notversorgungszentrum, erfolgt eine Überstellung zurück ins Spital“, erläuterte Martina Rüscher das Vorgehen. „Die Betreuung der Patienten wird täglich rund um die Uhr von Fachpersonal gewährleistet“, ergänzte der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch. Er sprach von einem schönen Schulterschluss im Gesundheitswesen.
Ambulanzen bleiben zu
Bislang war immer von mehreren spitalsnahen Standorten die Rede. „Wir sind dann jedoch zum Entschluss gelangt, dass ein Standort einfacher mit Personal und Material auszustatten ist, als das bei mehreren kleinen Standorten der Fall wäre“, begründete Markus Wallner den Schwenk im Konzept. Das Land könne den nun getätigten Schritt deshalb wagen, weil die Zuwachsraten an Infektionen weiterhin gering seien. Derzeit liegen sie bei knapp zwei Prozent. Ein Blick ins Ausland zeige aber: „Die Krise ist noch nicht vorbei.“ Besonders in Hinblick auf eine mögliche zweite Infektionswelle will das Land gerüstet sein. Der Spitalsbetrieb soll schrittweise hochgefahren werden, die Ambulanzen bleiben jedoch geschlossen. Als zu groß wird die Gefahr bewertet, dass das Virus über diese Einrichtungen in die Krankenhäuser gelangen könnte. Alle an der Pressekonferenz Beteiligten dankten der Bevölkerung für ihre Geduld und Disziplin und den am Notversorgungszentrum Beteiligten für die unkomplizierte Realisierung.
Intensivbett oft lange belegt
Feldkirch Internationale Erfahrungen haben gezeigt, dass der intensivmedizinische Bereich das große Nadelöhr im Gesundheitssystem sein kann. In Vorarlberg stehen insgesamt 104 Betten mit Beatmungsgeräten zur Verfügung. Das ist eine Verdoppelung der Kapazitäten. „Covid-19-Patienten, die beatmet werden müssen, brauchen oft zwei Wochen und mehr, bis sich ihr Zustand wieder stabilisiert hat. Das heißt, ein Intensivbett ist oft lange belegt“, schildert OA Wolfgang List, Leiter der zentralen Koordinationsstelle am LKH Feldkirch, die Problematik. Danach bräuchten die Patienten noch die gleiche Zeit auf der Normalstation, um wieder zu Kräften zu kommen.
Die Bereitstellung von mehr Intensivbetten bezeichnet er als enorme Herausforderung, sowohl räumlich wie technisch. Ein Intensivpflegeplatz strotzt nämlich geradezu vor High-Tech. Inzwischen hat sich innerhalb der Krankenhäuser ein Netzwerk gebildet, in dem sich Ärzte und Pflegepersonal täglich über Behandlungen und Erfahrungen damit austauschen. „Das ermöglicht uns auch einen guten Überblick über noch vorhandene Kapazitäten.“ List betont auch das gute Miteinander über alle Krankenhausstrukturen hinweg. Die anfängliche Angst vor dem Virus habe sich gelegt. List: „Jetzt geht eher die Angst um, dass Szenarien, wie sie sich in anderen Ländern abspielen, auch hier auftauchen könnten.“
