Nur noch mit Termin zum Arzt

Coronavirus zwingt auch niedergelassene Mediziner zu drastischen Schritten.
Dornbirn Die ungebremste Ausbreitung des Coronavirus hat die Vorarlberger Ärztekammer veranlasst, einen Beraterstab für die niedergelassenen Mediziner einzurichten. Noch am Freitagabend wurden Maßnahmen beschlossen, um das Risiko einer Ansteckung in den Ordinationen auf ein Minimum zu reduzieren. An oberster Stelle steht die Trennung von infektiösen und nichtinfektiösen Patienten. „Wir raten zur Terminordination mit getrennten Ordinationszeiten“, erklärt Ärztekammerpräsident Michael Jonas. Besonders gefährdete Gruppen wie alte, multimorbide und immunsupprimierte Patienten sollten keinesfalls mit Infektpatienten in Kontakt kommen. „Sie sollten nach Möglichkeit überhaupt keine Praxis aufsuchen“, konkretisiert Jonas und nennt Telefonordinationen oder Hausbesuche als Alternativen.
Weniger Routinekontrollen
Weiters wird empfohlen, maximal vier bis 10 Patienten gleichzeitig in die Ordination einzulassen. Bei Allgemeinmedizinern bevölkern im Normalfall bis zu 150 Personen täglich die Praxisräume. Ebenso wie in den Krankenhäusern sollen auch im niedergelassenen Bereich alle Routinekontrollen und nicht dringenden Termine drastisch reduziert bzw. abgesetzt werden. Viele Ärzte haben noch am Samstag mit der Umorganisation ihrer Ordinationen begonnen. „Es ist ein großer Aufwand“, räumt Michael Jonas ein. Er war den ganzen Vormittag über damit beschäftigt, den praxisinternen Ablauf anzupassen.
Andere haben das bereits getan. Er berichtet von einem Allgemeinmediziner in Dornbirn, der schon seit Tagen nur mehr zehn Leute auf einmal in die Praxis lässt. Die meisten verteilt er gleich auf die Untersuchungszimmer, lediglich drei Patienten befinden sich dann noch im Warteraum. Die vor der Türe Verbliebenen bittet er, später zu kommen oder auszuharren. Für die Wochenend- und Feiertagsdienste der Allgemeinmediziner gilt: Nichtinfektiöse Patienten in die Vormittags-, infektiöse Patienten in die Nachmittags- bzw. Abendordination.
Keine Vertreterbesuche
Die Medikamentenversorgung wird so geregelt, dass Arzneimittel via Telefon oder Mail bestellt und zu vereinbarten Zeiten abgeholt oder übermittelt werden. „Damit können wir einen direkten Kontakt mit infektiösen Patienten vermeiden“, begründet Jonas. Rezepte und Medikamentenverordnungen gehen für die Dauer der Pandemie auf elektronischem Weg an die Apotheken. An der Applikation für diesen Prozess werde mit Hochdruck gearbeitet. Auf die Verschreibung größerer Medikamentenmengen wird auf Ersuchen der Apothekerkammer verzichtet, um die ohnehin schon bestehenden Lieferschwierigkeiten nicht zu verschärfen. Von Besuchen durch Pharmareferenten wird aus Sicherheitsgründen ebenfalls abgeraten.
Warten auf Schutzausrüstung
Was die Schutzausrüstung betrifft ist die Ärztekammer in Absprache mit der ÖGK, dem Land und der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) bemüht, niedergelassene Allgemeinmediziner, Kinderärzte, HNO-Ärzte, Lungenärzte und Internisten aus bestehenden Lagerbeständen der KHBG zu versorgen. Michael Jonas hofft, dass dies rechtzeitig funktioniert. „Wir brauchen die Schutzausrüstung sofort“, stellt er klar. Spätestens am Montag müssten die Ordinationen beliefert werden.
Der Beraterstab der Ärztekammer wird wöchentlich tagen. Ihm gehören Christian Bernhard als Vertreter des Landes sowie Robert Spiegel, Markus Baldessari, Burkhard Walla und Michael Jonas von der Ärztekammer an.