Familienministerin Bogner-Strauß pocht auf mehr Väterbeteiligung zu Hause

VN / 15.03.2019 • 21:00 Uhr
VN/Steurer
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Die Familienministerin plädiert für mehr Väterbeteiligung.

Dornbirn Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) spricht im VN-Interview über das Pensionssplitting, Stereotype in der Diskussion um sogennante Frauenberufe und ärgert sich darüber, dass immer noch so wenige Väter in Karenz gehen. Am Geld liege es nicht, ist sie überzeugt.

Landesrätin Wiesflecker kritisierte, dass Sie sich nicht kritisch geäußert haben, als beim AMS der verpflichtende Hinweis zu den Auswirkungen von Teilzeit gefallen ist.

Ich habe mich sehr wohl kritisch geäußert, aber das hat es vielleicht nicht in die Medien geschafft. Ich habe mit AMS-Geschäftsführer Johannes Kopf gesprochen, auch mit der zuständigen Ministerin Beate Hartinger-Klein. Für mich ist wichtig, dass wir zeigen, welche Folgen Teilzeit hat.

Familienministerin Bogner-Strauß pocht auf mehr Väterbeteiligung zu Hause

Eine Folge sind niedrige Pensionen. Vor einem Jahr waren Sie noch gegen das verpflichtende Pensionssplitting, jetzt sind Sie dafür. Warum?

Wenn man aktuelle Berechnungen ansieht, kratzen 50 Prozent der Frauen in der Pension an der Armutsgrenze. Wir hatten in zehn Jahren rund 900 Anträge auf Splitting, fast die Hälfte davon von Männern. Im Vorjahr gingen zwar 400 Anträge ein, aber das ist immer noch zu wenig. Darum habe ich mich inzwischen für das automatisierte Splitting ausgesprochen, mit einer Opt-Out-Variante.

Wann kommt die Änderung?

Wir haben bisher mit der Pensionsversicherung intensive Gespräche geführt. Wir müssen viele Varianten durchrechnen. Danach werden die Gespräche mit der Sozialministerin intensiviert. Morgen werden wir nicht damit fertig sein, aber auf jeden Fall in dieser Legislaturperiode.

Wir sprechen oft über Mädchen in technischen Berufen. Doch nicht alle wollen einen. Sollten man sich auch um die Gehälter in sogenannten Frauenberufen kümmern?

Ja. Es kann nicht sein, dass man im Gesundheitsberuf, der körperlich und psychisch oft eine Herausforderung ist, weniger verdient als an der Maschine. Wobei wir auch mit gewissen Stereotypen aufräumen müssen. Eine Kindergartenpädagogin verdient mit 19 Jahren, wenn sie einsteigt, sicher nicht schlechter als andere in diesem Alter.

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Wie weit sind die Verhandlungen beim Papamonat?

Es geht noch um letzte Kleinigkeiten. Daneben arbeiten wir an einer Kinderbetreuungsgeldreform. Dazu läuft eine Studie, die herausfinden soll, wie wir Väterbeteiligung erhöhen können.

Die Opposition kritisiert, dass Sie die Vorstudie nicht herausrücken.

Sie hat noch sehr geringe Fallzahlen. Ich kann Ihnen aber sagen, was drinsteht, nämlich zum Beispiel, dass Väter, die den Papamonat nehmen, danach nicht mehr in Karenz gehen. Das macht mich nicht glücklich.

Woran liegt das?

Vielleicht, weil man mit dem schon zufrieden ist, was man geleistet hat. Vielleicht sind auch Unternehmen nicht glücklich, wenn Männer einige Monate nach dem Papamonat wieder weg sind. Wir haben super politische Maßnahmen: 20 Prozent unübertragbare Kinderbetreuungsgeldmonate, Elternteilzeit für beide, bald den Papamonat, aber es hat nicht die Auswirkungen, die wir uns wünschen. Seit 35 Jahren gibt es einen Rechtsanspruch auf Väterkarenz. Nicht einmal 20 Prozent nehmen sie in Anspruch.

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Die 700 Euro im Papamonat werden in der Karenz wieder abgezogen …

Noch einmal: 20 Prozent der Väter nehmen Karenz. 80 Prozent verzichten also auf das Geld, das in Österreich in der Karenz für Väter reserviert ist. Da brauche ich nicht über 700 Euro reden, da geht es nicht ums Geld.

Wie lange geben Sie den Sozialpartnern noch Zeit, um die Anrechnung der Karenzzeit zu verbessern?

Die 24-Monate-Anrechnung wurde bereits in vielen Kollektivverträgen verankert. Wenn es nicht alle machen, werden wir es gesetzlich tun. Aber ob das in ein paar Wochen, in den nächsten Monaten oder innerhalb eines Jahres passiert, ist nicht so relevant.