“Bin wahrlich kein Sesselkleber”

Die jüngste Vergangenheit ist für Altach-Geschäftsfürer Cristoph Längle Antrieb für die Zukunft.
Altach Im August feiert er sein 25-jähriges Clubjubiläum, seine Stimme wird innerhalb der Bundesliga gehört und doch hatte Christoph Längle am Montag dem Gremium, bestehend aus Präsidium und Aufsichtsrat, die Vertrauensfrage gestellt. Dieses wurde dem Altacher Geschäftsführer zu 100 Prozent ausgesprochen. Warum für den 54-Jährigen dieser Schritt so wichtig war, erklärt er im Gespräch mit den VN. Und er gab einen emotionalen Einblick in sein Seelenheil.
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Dabei hat gerade seine Arbeit viele positive Spuren hinterlassen. So gab es die Lizenz in 20 Jahren stets in erster Instanz, gab es im Jahresabschluss nur im Aufstiegsjahr 2013/14 ein geringes Minus wie auch im Coronajahr. Wie akribisch genau Längle arbeitet, zeigt ein Blick zurück, denn praktisch in allen Landeshauptstädten – Bregenz, Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg, Linz, St. Pölten und Graz – erlebte er in seiner Zeit Konkurse bei den unterschiedlichsten Vereinen.
Sie wirkten in den vergangenen Wochen sehr nachdenklich, warum?
Ganz ehrlich, das Thema Rufmord beschäftigt mich und auch meine Familie. Denn in jüngster Vergangenheit wurde ich für sportliche Entscheidungen verantwortlich gemacht, die so nicht stimmen. Es ist richtig, dass ich für die Personalentscheidungen im Sport als Geschäftsführer die Endverantwortung trage. Es ist richtig, dass ich die sportliche Führung vor zwei Jahren so wollte und vom Aufsichtsrat die Rückendeckung dafür erhalten habe. Mir war eine breite sportliche Führung, wie wir sie noch nie hatten, wichtig. Auch weil mir immer wieder sportliche Fachkompetenz abgesprochen wird. Und dennoch ist der sportliche Erfolg ausgeblieben. Dass ich versuche, mein jahrzehntelang gewachsenes Netzwerk im Sinne des Vereins zu nutzen, ist nur natürlich. Diese aufzugreifen und dann was daraus zu machen, ist die Aufgabe der sportlichen Führung. Ich bin angetreten im Jahre 2000, da lag der Umsatz des SCR Altach bei 350.000 Euro. Da hatten wir ein Hauptspielfeld, einen Trainingsplatz und die “Rote Erde”. Wenn wir schauen, was in 25 Jahren passiert ist, können wir stolz sein. Die handelnden Personen haben den Verein aus einer 7000-Einwohner-Gemeinde zu einer fixen Größe in der Bundesliga gemacht. Wir haben das Finanzvolumen gesteigert. Mit Ende Juni werden wir umsatzmäßig bei 12,5 Millionen Euro liegen. Dass ich ein Teil dieser Entwicklung sein durfte, macht mich schon stolz.
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Wieso war es für Sie dennoch wichtig, die Vertrauensfrage zu stellen?
Weil auch Fehler gemacht wurden. Die Gremien wissen, welche ich gemacht habe, und ich weiß es auch. Beschleicht dich jedoch das Gefühl, für alle Fehler alleinverantwortlich gemacht zu werden, wird es schwierig. Dabei bringe ich durchaus Verständnis dafür auf, dass sich nach 17 Jahren an der Spitze ein Gesicht abnützen kann, währenddessen sportlich immer wieder Trainer oder Sportdirektoren gehen mussten. Mit Sicherheit bin ich kein Sesselkleber. Wer jedoch meine Stellenbeschreibung liest, der erkennt, dass in all den Jahren sehr vieles richtig gemacht wurde. Unsere Arbeit im Verein wird innerhalb der Bundesliga sehr geschätzt. All das, was in Altach aufgebaut wurde, kann die Basis für jahrzehntelangen Profifußball in Altach sein. Der VIP-Club ist jetzt eine neue Dimension für uns. Viele wollen nicht verstehen, dass wir den Business-Club deshalb bauen, um mehr Geld einzunehmen und im Sport konkurrenzfähiger zu werden. All das sind Fakten und nur an diesen möchte ich gemessen werden.
Wie definieren Sie Ihre Stellenbeschreibung?
Den Verein wirtschaftlich und organisatorisch die Basis für den Profifußball zu schaffen. Dass ich als Geschäftsführer im sportlichen Bereich ebenfalls mitverantwortlich bin, ist nur logisch. Natürlich bringe ich mich gerne mit ein, aber ich habe nie entschieden, welcher Trainer oder Spieler kommt. Vielmehr habe ich mich nur um die wirtschaftlichen Verhandlungen gekümmert.
Blicken wir in die nahe Zukunft, da steht die Installierung eines Sportdirektors an. Roland Kirchler und Marc-André Kriegl sind weg, Philipp Netzer noch da. Ist er ein Thema?
Es ist kein Geheimnis, dass Philipp Netzer in unseren Überlegungen eine wichtige Rolle spielt. Regionalität ist für uns ein wichtiges Thema. Philipp hat viele Jahre für Altach gespielt, hat zuletzt in verschiedenen Funktionen gelernt – und er hat die Altach-DNA.