Bregenz verliert beim Tabellenführer – Reifeprozess (noch) nicht abgeschlossen

Bregenz verliert das Spitzenspiel bei der Admira knapp. Joker Jan Stefanon überzeugt mit Doppelpack, Van Acker sieht noch entscheidende Unterschiede zum routinierten Tabellenführer.
Maria Enzersdorf “Wir haben uns selber in den Fuß geschossen”, befand SW-Bregenz-Trainer Regi Van Acker nach der 2:3-Niederlage im Spitzenspiel bei Admira Wacker. Wie auch schon das Hinspiel (1:2-Niederlage) wurde es im Rückspiel beim Aufstiegsfavoriten knapp.
Besonders ärgerten den Coach dabei die Gegentore beim Tabellenführer. Das erste fiel aus einem Freistoß aus dem Halbfeld, der Ball segelte durch den Bregenzer Strafraum, am zweiten Pfosten konnte Ex-Altacher Daniel Nussbaumer unbewacht zur Führung einschieben. “Da haben wir geschlafen. Das ist der große Unterschied zu einer erwachsenen Mannschaft wie der Admira: In Standardsituationen gehen sie sofort in den Zweikampf, schießen den Ball hoch weg. Und wir schauen und schauen, und dann sind wir zu spät. Gegen so eine Mannschaft bekommst du natürlich dann ein Tor”, ärgerte sich Van Acker.

Dabei war seine Elf spielerisch über weite Phasen der ersten Hälfte super in der Partie. Bregenz, das mit der gleichen Startelf wie beim Sieg gegen Liefering auflief, spielte mit Viererkette und Raute, ließ den Ball laufen, hatte durch Anteo Fetahu die erste Top-Chance: Die Admira-Defensive schlief, Fetahu spritzte dazwischen, traf aber unglücklich nur den Kopf des herauseilenden Admira-Keepers Siebenhandl (21.).
Nach einer halben Stunde übernahm immer mehr die Admira das Kommando, Adriel rettete gegen den freistehenden Deni Alar (35.), wenig später spielte Franco Flückiger den wohl schlechtesten Abstoß der Saison direkt Ex-Altacher Nussbaumer an der Strafraumkante auf den Fuß, Flückiger selbst und Dirnberger putzten anschließend aus, die Admira schien ob der plötzlichen Torchance selbst überrascht (36.), wie auch wenig später Bregenz beim Standard-Gegentor. “Du spielst auswärts gegen den Tabellenführer, sie haben langsam mehr Druck gemacht. Wir verlieren dann diese Kontrolle, das ist dann eine Frage der Erfahrung. Du kannst die Kontrolle verlieren, aber dann musst du immer noch in den Standardsituationen konzentriert sein”, so Van Acker.
Risiko, das sich (fast) auszahlt
Er reagierte zur Pause, brachte Burak Ergin und Florian Prirsch für Lars Nussbaumer und Daniel Tiefenbach, stellte auf eine Fünferkette um. “Wir haben gesagt, wir nehmen Risiko, wir wollen unbedingt gewinnen. Bregenz ist eine Mannschaft, die immer Chancen bekommt, egal gegen wen wir spielen, Admira, St. Pölten, Real Madrid”, sagte Van Acker, und wechselte relativ früh mit Nicolas Rossi, Jan Stefanon und Mario Vucenovic drei frische Offensivkräfte ein. Bregenz hatte die Chancen, aber nicht das Glück.
Marcel Krnjic verzog aus dem Rückraum in der 50. Minute knapp, in der 55. Minute traf er den Pfosten, im zweiten Versuch konnte Siebenhandl gegen Johannes Tartarotti abwehren. Aus einem sehr umstrittenen Elfmeter nach einem Zweikampf von Adriel und Anderson traf stattdessen die Admira zum 2:0, Alar verwandelte souverän (73.) “Warum wir den Elfmeter bekommen, weiß ich nicht. Das ärgert mich”, so Van Acker. Die Admira verpasste durch Haudum noch die Vorentscheidung, Flückiger parierte auf der Linie (79.). Es wurde noch einmal spannend, weil der eingewechselte Jan Stefanon gleich zweimal verkürzte. Erst in Minute 83 zum 2:1, in der 90. Minute aus spitzem Winkel nach Tartarotti-Hereingabe auf 3:2. Weil zwischendurch aber Young das dritte Tor der Admira erzielte (86.), reichten die zwei Joker-Tore nicht für Punkte.
“Die Chancen waren auf dem Silbertablett da. Das Spiel hätte sich eigentlich einen 7:3-Endstand verdient, und nicht ein 3:2”, sagte Admira-Coach Thomas Silberberger nach dem Spiel im ORF-Interview. “Wir waren meiner Meinung nach dominant. Natürlich hat Bregenz durch die All-in-Variante und den Pfostenschuss auch kräftige Lebenszeichen von sich gegeben. Aber wenn man es nüchtern betrachtet, ist es ein hochverdienter Admira-Sieg.”

“In Summe war die zweite Halbzeit besser als die erste. Es ist natürlich bitter, wenn du nochmal so nahe ran kommst. Die zwei Tore machen mich natürlich im ersten Moment glücklich. Andererseits fährst du jetzt halt acht Stunden heim mit null Punkten”, sagte Stefanon. Für ihn persönlich seien die zwei Tore “super, es ist der erste Doppelpack für mich in der 2. Liga. Das ist schön. Aber es zählt der Teamerfolg.”
Lob für den Joker gab es von Van Acker trotzdem: “Jan hat sich in den letzten Wochen im Training enorm gesteigert. Jan hat viel Qualität, sein Problem war, dass er im letzten Jahr nicht so viel gespielt hat, oft verletzt war. Dann kannst du nicht konstant sein. Ich denke schon, dass er jetzt dort ist, wo er sein muss.”
Das Ziel: Grenzüberschreitender Fußball
Noch nicht ganz dort, wo er sie sich wünscht, ist die Mannschaft. “Wir haben gesagt, dass wir wieder den nächsten Schritt machen müssen. Wir sind an einer Grenze, wir müssen durch diese Grenze durch. Das fehlt es noch in den kleinen Dingen, bei denen wir vor dem Spiel warnen, vorsichtig zu sein. Dann ärgern wir uns als Trainerstaff”, erklärte der Coach. “Du spielst nicht nur mit dem Fuß und dem Herz Fußball, sondern auch mit dem Verstand. Das ist noch ein bisschen unser Problem.”
Van Acker verwies aber auch auf einen grundlegenden Unterschied zwischen Schwarz-Weißen und Admiranern: “Wir haben Spieler, die in der vorherigen Saison noch gegen den Abstieg gespielt haben. Das ist der große Unterschied zu dem, wenn du Spieler hast, die immer vorne mitspielen. Aber wir probieren, das zu schaffen.”
ADMIRAL 2. Liga, 19. Runde
Admira Wacker – SW Bregenz 3:2 (1:0)
Maria Enzersdorf, DATENPOL Arena; 1.112 Zuschauer; SR Alexander Harkam
Torfolge: 41. 1:0 Daniel Nussbaumer, 73. 2:0 Deni Alar (Foulelfmeter), 83. 2:1 Jan Stefanon, 86. 3:1 Reinhard Young, 90. 3:2 Jan Stefanon
Gelbe Karten: 56. Rottensteiner, 63. Marte (beide Bregenz/beide Foulspiel), 73. Tartarotti (Bregenz/Unsportlichkeit), 90./+4. Malicsek (Admira/Foulspiel)
SW Bregenz (4-4-2 Raute): Flückiger – Marte, Dirnberger, Adriel, Nussbaumer (46. Prirsch) – Rottensteiner, Krnjic (64. Stefanon), Tiefenbach (46. Ergin), Tartarotti – Monsberger (69. Vucenovic), Fetahu (64. Rossi)