Lustenau in der Krise? „Die Tabelle lügt nicht!“

Gegen die Vienna setzt es die zweite verdiente Niederlage in Folge. Das Prunkstück Defensive lässt aus, offensiv glänzt ohnehin weiter wenig. „Anscheinend geht sich momentan einfach nicht mehr aus“, meint ein gefrusteter Schierl.
Wien-Döbling Und täglich grüßt das Murmeltier. Austria Lustenau gewinnt (mal wieder) nicht und ist offensiv (mal wieder) komplett abgemeldet. Neu ist, dass die Spiele, die nicht gewonnen werden, nun auch verloren werden. Gegen die Vienna setzte es am Freitagabendspiel eine 0:3-Pleite (die zweite Saisonniederlage, die zweite en suite), die durchaus auch höher ausfallen hätte können, wenn Domenik Schierl in der Schlussphase nicht noch den einen oder anderen Konter entschärft hätte.
„Wir stehen wieder mal mit nichts da – und das hochverdient. Der Sieg für die Vienna war hochverdient, in der Höhe passt das auch“, brachte es der Torhüter auf den Punkt. „Es war heute von der ersten Sekunde und dem frühen Gegentor bis zum Schluss eigentlich eine beschissene Leistung“, so Schierl.
Ganz so drastisch formulierte es Trainer Martin Brenner nicht. „Wir haben gegen einen sehr guten Gegner gespielt”, so der 38-Jährige über den zumindest vorübergehend Zweiten der Liga. “Anfangs war es ausgeglichen, aber bei zwei Fehlern, die wir defensiv gemacht haben, haben sie uns hart bestraft“, fasste er zusammen.
Zwei Fehler, zwei Gegentore
In der Tat, bis zum 2:0 war Lustenau nicht wirklich schlechter, machte auch in Hälfte zwei noch das Spiel. Nur war das, was gezeigt wurde, nicht annähernd so gefährlich wie das, was die Vienna spielte. Die Döblinger gingen in Minute sechs in Führung, Kelvin Boateng musste vom Fünfer nur mehr einschieben. Verloren war zu dem Zeitpunkt noch gar nichts, außer der Zweikampf von Außenverteidiger Tobias Berger vor dem Gegentor. „Jeder Mannschaft passiert es mal, dass sie 0:1 hinten liegt. Deswegen muss ich auch die Verteidigung in Schutz nehmen“, meinte Schierl dazu.
Sein Punkt war unmissverständlich, das sah auch jeder Zuschauer auf der Hohen Warte: Zeit, den Rückstand wettzumachen, gab es noch genug. Nur geht bei der Austria aktuell nach vorne wenig bis gar nichts. Über 90 Minuten schafften es die Lustenauer nicht, eine wirklich gute Torchance zu kreieren. Dass man mit zehn Toren aus 13 Spielen weiterhin so wenige auf dem Konto hat wie nur der Drittletzte Stripfing (zehn Treffer) und Aufsteiger Voitsberg (acht Tore) wundert da nicht, ist für den Bundesliga-Absteiger aber umso bedenklicher.

Spätestens mit dem 2:0 durch Boateng war der Kuchen gegessen. Auch bei diesem Gegentreffer sah Lustenaus Defensive nicht allzu gut aus, wenngleich der Angreifer die Situation auch echt super löste. „Dann wird es schwierig, auswärts gegen eine Mannschaft, die in Form ist. Wir haben hingegen in den letzten Wochen keine Erfolgserlebnisse gehabt“, so Brenner. Die Erfolgserlebnisse fehlten auch gegen die Vienna.
Quantität ja, Qualität nein
Man konnte den Lustenauern dabei nicht einmal absprechen, es nicht zu versuchen. Von Beginn an war die Ausrichtung offensiv, laut Brenner war das alternativlos. Noch vor der Pause stellte er dann um, stabilisierte die Abwehr mit einer Dreier-, respektive Fünferkette, spielte mit zwei Stürmern, einem Zehner und Flügelverteidigern. Es brachte nicht mehr Gefahr.
„Manchmal geht es nicht darum, wie viel Personal du nach vorne schickst, sondern darum, wie du kombinierst, wie sauber du die Situationen spielst“, so der Trainer. Schierl sagte: „Wir hauen alles nach vorne, aber schaffen es nicht einmal irgendwie, gefährlich zu werden.“
Die Vienna zog sich indes in Hälfte zwei zurück, machte die Räume gut zu, verteidigte engagiert und lauerte auf Konter. Ein solcher bescherte den 3:0-Endstand durch Diomandé, schon vorher hätten die Döblinger den Sack zumachen können.
Der Abwehrchef fehlte, bis er kam
Was vom Auftritt bleibt, ist die Erkenntnis, dass es offensiv (derzeit) einfach bei weitem nicht reicht. Was doppelt blöd war, denn auch defensiv erwischte man auf der Hohen Warte keinen Sahnetag, was auch dem nach dem Amstetten-Spiel angeschlagenen Abwehrboss William Rodrigues geschuldet war, der erst spät in der ersten Hälfte eingetauscht wurde. „Es war nicht so solide, wie wenn er von Anfang an spielt. Wenn so jemand fehlt, geht die Leistung runter“, meinte Brenner. Doch die Defensive ist sicher nicht das Problem der Grün-Weißen – nach wie vor stellt man mit zehn Gegentreffern die zweitbeste Defensive der Liga.
“Es hat von vorne bis hinten nicht gereicht. Da müssen wir uns von vorne bis hinten jetzt mal alle hinterfragen.”
Domenik Schierl, war gefrustet
In Summe war es eine Leistung, „mit der du bei der Vienna nichts mitnehmen kannst, es hat von vorne bis hinten nicht gereicht. Da müssen wir uns von vorne bis hinten jetzt mal alle hinterfragen.“ Zeit dazu gibt es in den kommenden beiden Wochen zur Genüge, es ist Länderspielpause.

Der Kampf um die Goldene Ananas, der von Schierl bereits nach dem Amstetten-Spiel (0:1) als Schreckensszenario ausgerufen wurde, wird indes realistischer. Mit weiterhin 17 Punkten auf dem Konto steht man im Tabellen-Nirvana, oder auch Platz zehn. Der Rückstand auf die Top-drei beträgt aktuell mindestens sechs Punkte, Tabellenführer Admira ist Stand Freitag schon elf Punkte enteilt.
„Das wollten wir als Spieler, der Verein und ich unbedingt vermeiden“, so Schierl, der festhält: “Wir sind mit komplett andere Zielen in die Meisterschaft gegangen, dass wir da stehen, wo wir stehen, tut brutal weh und ärgert mich.” Schierl sagt aber auch deutlich: „Wir stehen nicht umsonst da. Es ist eine Floskel, aber die Tabelle lügt nicht. Anscheinend geht sich momentan nicht mehr aus, deshalb stehen wir da, wo wir gerade stehen.“
Ist es also eine Qualitätsfrage? Brenner wollte sich dazu nicht äußern. Schierl meinte diplomatisch: „Mannschaften mit mehr Qualität spielen weiter vorne, das ist ja logisch.“