
“Ich will mehr Killerinstinkt”
Austria Lustenaus Trainer Martin Brenner im Interview über den Saisonstart und seinen Wünschen.
Lustenau Sieben Pflichtspiele hat Austria Lustenau nach dem Bundesligabstieg bislang in der 2. Liga (fünf Matches) und ÖFB-Cup (zwei Siege) absolviert und blieb dabei ungeschlagen. Da kommt die Länderspielpause gerade richtig, um mit dem Cheftrainer der Austria über seinen Start beim Traditionsverein zu plaudern.
Gratuliere Herr Brenner, Sie sind mit Austria Lustenau Österreichs einzige Mannschaft, die noch ungeschlagen ist.
Vielen Dank. Aber, um ehrlich zu sein, ich würde sofort zwei Siege gegen eine Niederlage eintauschen.
Warum? Ungeschlagen zu sein, hat doch auch seinen Reiz.
Weil wir dann statt den aktuellen sieben zwölf Punkte auf dem Konto hätten und in der Tabell eweiter oben zu finden wären (lacht). Aber wir nehmen den Start so wie er ist, denn es ist nicht schlecht, wenn man nach sieben Spielen noch ungeschlagen ist. Es spiegelt auch unseren Start sehr gut wieder.

Inwiefern?
Der Saisonstart bis zur Länderspielpause ist in meinen Augen nicht optimal gelaufen, aber eben auch nicht schlecht. Schaut man sich die Gegebenheiten seit meinem Amtsantritt an, hat die Mannschaft und alle im Klub gut gearbeitet.Man darf nicht vergessen, einige Neuzugänge hatten noch Aufholbedarf im körperlichen Bereich, was natürlich Auswirkungen auf die Trainingseinheiten gehabt hat. Aber ich beklage mich nicht, weil die Burschen von Tag eins eine gute Einstellung gezeigt haben bzw. zeigen.
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Dennoch höre ich heraus, dass ihnen noch etwas im Magen liegt.
Ich will einfach noch mehr Siegermentalität in der Mannschaft sehen. Die Gier, unbedingt die Spiele zu gewinnen, sei es im Training oder in den Matches, muss noch größer werden. Die Augen der Spieler sollen glänzen, wenn sie siegen – und brennen, wenn sie verlieren. Wenn wir das in die gesamte Mannschaft bekommen, ist noch viel mehr möglich mit der Austria.
Das ist eine Frage des Charakters eines jeden Einzelnen.
Ja, aber ich bin überzeugt davon, dass man diesen Ehrgeiz, den ich übrigens selbst als Uruguayo (Einwohner Uruguays bezeichnen sich selbst so. Anm. d. Red.) mit der Muttermilch aufgesaugt habe, auch bei den Spielern herauskitzeln kann.
Wie weit sind Sie da schon?
Sagen wir so: Es gibt in meiner Mannschaft schon einige Kicker, bei denen die Gier nach Siegen riesig ist. Und die stecken Tag für Tag immer mehr ihrer Kollegen an. Das befeuere ich natürlich.

Wo brennt es derzeit noch?
An der Cleverness. Da mache ich aber niemanden einen Vorwurf, weil wir viele junge Spieler haben, die im Lernprozess stehen. Aber Fakt ist, dass wir mit mehr Cleverness in unserem Spiel auf jeden Fall mehr Punkte hätten.
Sie legen viel Wert auf körperliche Arbeit. Wo steht da ihr Team?
Ich möchte einen Fußball spielen lassen, der es zulässt, die Gegner zu dominieren und zu besiegen. Dafür muss man aber am Platz mehr machen als die anderen Teams. Wie komme ich dahin? Indem ich mehr trainiere. Die Jungs haben sich mittlerweile an die harten Einheiten adaptiert und glauben an unsere Idee.
Hatten Sie Zweifel, ob die Mannschaft sich ihrer Idee total verschreibt?
Ich bin Fan der „neuen“ und „alten“ Trainerschule, was bedeutet, dass mein Team sehr wohl offensiv aktiv ist und viel Arbeit am Platz für Angriffsaktionen verrichtet – aber auch genau im Kopf hat, wie man sich defensiv verhält, um brenzlige Situationen unbeschadet übersteht. Der Knackpunkt bezüglich Glauben an die Idee war das Spiel bei der Admira auswärts im ÖFB-Cup. Da hat die Mannschaft gesehen, wie wir mit unseren Mitteln den Gegner klar besiegen können und einen ungefährdeten Sieg einfahren können.

Warum hat dies noch nicht zu Hause geklappt?
Gute Frage. Die Jungs wollen unseren Fans unbedingt einen Heimsieg schenken, was sie irgendwie blockiert. Da braucht es wohl mal irgendein Erlebnis im Spiel, das den Knoten platzen lässt. Im Vergleich dazu laufen die Spieler auswärts befreiter auf.
Was hat sich für Sie persönlich geändert, seit Sie bei der Austria sind?
Nicht viel, gearbeitet wird wie eh und je. Aber ich merke schon, welch großen Stellenwert Austria Lustenau sportlich in der Liga hat. Denn gegen uns gibt jede Mannschaft immer einhundert Prozent, jedes Team will uns unbedingt besiegen. Alleine deswegen, müssen wir noch härter arbeiten.